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Berlin Gestohlenes Goldnest in Berlin: „Machtdemonstration“ der Clans?
Nachrichten Berlin Gestohlenes Goldnest in Berlin: „Machtdemonstration“ der Clans?
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16:52 16.05.2019
Blick auf die Vogelnest-Nachbildung aus Feingold. Quelle: Lorenz Vossen/Berliner Morgenpost
Berlin

„Lockruf des Goldes“ hieß ein berühmter Roman des Autors Jack London. Ob kriminelle Kreise in Berlin sich für Literatur interessieren, weiß man nicht. Die Anziehungskraft des Goldes ist aber nicht zu übersehen.

Erneuter Verdacht auf arabischstämmige Clans

Nach dem Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze vor zwei Jahren galt der neueste Coup einem filigraneren Objekt: ein Vogelnest aus purem Gold, 74 dünne Zweige, 814 Gramm schwer, mindestens 30 000 Euro wert. Einbrecher stahlen es in der Nacht des 15.05.2019 aus einer Grundschule in Berlin-Marzahn. Erneut richtet sich der Verdacht der Kriminalpolizei gegen kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Clans.

Noch am selben Tag wurden Gebäude durchsucht

Am selben Tag wurden, nach Angaben der Staatsanwaltschaft, noch Häuser, Wohnungen, Juweliergeschäfte, sowie ein Auto durchsucht. Dabei soll es auch um das Haus eines führenden Mitglieds einer bekannten Großfamilie gegangen sein. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht, sagte am Donnerstag aber, die Maßnahmen hätten im Clanmilieu stattgefunden.

Es gab einen Durchsuchungsbeschluss

Wie die Polizei so schnell auf bestimmte Verdächtige kam, wurde nicht verraten. Offenbar fand die Spurensicherung konkrete Hinweise wie Fingerabdrücke oder ähnliches. Sonst hätte es keine Durchsuchungsbeschlüsse eines Richters gegeben. Das Kunstwerk „Goldenes Nest“ lag in einer massiven Glasvitrine in der Fuchsberg-Grundschule, gelegen an der Straße Habichtshorst. Es ist durch die Scheibe für jeden gut sichtbar - und zog schnell Kriminelle an.

Nicht der erste Einbruchsversuch

Angefertigt hat es der Künstler Thorsten Goldberg im Rahmen eines Wettbewerbs zum Neubau der Schule. Bei öffentlichen Gebäuden ist vorgeschrieben, dass ein kleiner Teil der Kosten für „Kunst am Bau“ ausgegeben wird. Schon kurz nach der Eröffnung der Schule im Herbst gab es im November einen ersten Einbruchsversuch, im Februar einen zweiten. Nun waren die Einbrecher erfolgreich. Sie zertrümmerten eine Scheibe der Vitrine und verschwanden mit dem Gold-Nest.

„Besser gesichert als die Goldmünze im Bode-Museum“

Der Künstler sagte dem „Tagesspiegel“: „Das Kunstwerk war besser gesichert als die Goldmünze im Bode-Museum.“ Das reichte nicht. Aus den Ausstellungsräumen auf der Museumsinsel hatten Einbrecher 2017 die 100 Kilogramm schwere Münze im Wert von drei Millionen Euro gestohlen. Mehrere junge Männer aus einer arabischstämmigen Großfamilie stehen unter Verdacht und vor Gericht. Die Münze bleibt verschwunden. Die Polizei nimmt an, dass sie eingeschmolzen wurde. Dieses Ende könnte auch dem Vogelnest drohen.

Weitere Ermittlungen gegen Clans

In den vergangenen Wochen rückten die Clans wieder in die Öffentlichkeit. Der frühere Berliner Sozialarbeiter und heutige Politologe Ralph Ghadban erhielt Polizeischutz, weil er bedroht wurde. Ghadban (geb. 1949 im Libanon) warnt seit vielen Jahren vor bestimmten Großfamilien, im vergangenen Jahr erschien sein Buch: „Arabische Clans. Die unterschätze Gefahr.“ Nach einem Interview kürzlich im libanesischen Fernsehen, wurde er im Internet massiv angegangen, so dass die Polizei aktiv wurde.

Am letzten Wochenende berichtete der „Spiegel“ über den Fall eines massiven Nachbarschaftsmobbings mit Bezug zu einem Clan. Bewohner eines ganzen Mietshauses sollen unter Angriffen, Drohungen, zerstochenen Reifen und beschädigten Türen leiden. Die Polizei ermittelt wegen einer ganzen Reihe von Anzeigen gegen einen Mann, der verwandt sein soll mit einem der bekannten Clans.

Polizei ist bemüht härter gegen Clans anzugehen

Die Wohnung, die der Verdächtige in dem Haus bewohnt, soll bereits 2017 wegen des Verdachts auf Geldwäsche von der Staatsanwaltschaft vorläufig beschlagnahmt worden sein. Bei einem Interview, dass ein Polizei-Pressesprecher in Uniform einem Kamerateam gab, stellte sich der Verdächtige provokativ mit Sonnenbrille schweigend neben den Polizisten und starrte in die Kamera.

Die Polizei in Berlin und Nordrhein-Westfalen bemüht sich seit dem vergangenen Jahr, härter gegen kriminelle Mitglieder der Clans vorzugehen. In NRW stellte die Landesregierung am Mittwoch das bundesweit erste Lagebild dazu vor. Das Bundeskriminalamt hatte eine ähnliche Analyse für den Sommer bereits angekündigt, auch das Berliner Landeskriminalamt bereitet ein Papier vor.

NRW spricht von rund hundert kriminellen Clans. Pro Jahr sollen sie zuletzt knapp 5000 Taten begangen haben. Unter den Verdächtigen seien 380 Intensivtäter überwiegend im Alter zwischen 14 und 26 Jahren. Es gehe um Raub, Erpressung und Körperverletzung. Das Geld werde vor allem mit Drogen, Shisha-Bars und Wettbüros verdient. Die Hochburg der türkisch-arabischstämmigen Großfamilien in NRW sei Essen.

Fünf-Punkte-Plan

Der Berliner Senat beschloss nach zahlreichen Raubüberfällen auf Schmuckabteilungen und Geldtransporter, nach Schlägereien und Schießereien einen Fünf-Punkte-Plan gegen die Clans. Seit dem Herbst gibt es wöchentliche Razzien in Shisha-Bars und Spielhallen. Luxusautos werden kontrolliert, mehr Häuser und Wohnungen sollen beschlagnahmt werden.

Ob die verstärkten Polizeieinsätze in den abgeschotteten Parallelwelten wirken, muss sich zeigen. Der Diebstahl des Goldnestes sei ja auch „eine Machtdemonstration“, so die Staatsanwaltschaft.

Die Zukunft des Goldnestes

Über die Zukunft des Nestes sollten eigentlich nach 14 Jahren Lehrer und Schüler entscheiden. So hatte es der Künstler bestimmt und im Internet beschrieben. Sollte die Vitrine geöffnet werden, hätte das Nest sofort zerstört und das Gold verkauft werden müssen. Die Entscheidung über das Einschmelzen übernehmen jetzt wohl andere.

Von RND/dpa/win

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