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Berlin Himmelstürmendes DDR-Wahrzeichen: Der Berliner Fernsehturm wird 50
Nachrichten Berlin Himmelstürmendes DDR-Wahrzeichen: Der Berliner Fernsehturm wird 50
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12:58 30.09.2019
Berlin mit dem Fernsehturm – mit einem Fisheye aufgenommen von der Panorama-Terrasse des Park Inn Hotel. Quelle: Paul Zinken/dpa
Berlin

Echte Schildkrötensuppe für 3,30 Mark (Ost), Kaffee französisch im Glas für 4,90 oder sowjetischer Wodka – etwas Besonderes mit dem Hauch von weiter Welt sollte den Besuchern des neuen Ost-Berliner Tele-Cafés in 207 Metern Höhe geboten werden.

Auf der Speisekarte zur Eröffnung des Fernsehturms vor 50 Jahren (3. Oktober 1969) wünscht das Jugendkollektiv des Cafés „seinen verehrten Gästen einen angenehmen Aufenthalt“. Ostdeutsche standen im Zentrum der DDR-Hauptstadt Schlange, Touristen ebenso. Der Clou: Das Café in der charakteristischen Kugel des über 360 Meter hohen Turms bis zur Antennenspitze bewegte sich in der Regel in einer Stunde einmal um sich selbst.

Partielle Kernschattenfinsternis des Mondes neben der Kugel des Berliner Fernsehturms (Juli 2019). Quelle: Ben Kriemann/imago

Das ist auch heute noch so – anders ist aber, dass Besucher mehr als eine Runde drehen dürfen. Und das einstige Tele-Café heißt jetzt Restaurant Sphere. Ohne Delle nach dem Mauerfall sei aus dem DDR-Vorzeigeprojekt ein gesamtdeutsches Wahrzeichen geworden, sagt der junge Leiter des Besucher-Service, Stephan Vogel. „Ist eine Ehre, in einem so geschichtsträchtigen Objekt zu arbeiten“, bekennt der 31-Jährige. Von hier aus habe man damals über die Mauer nach West-Berlin schauen können, weiß Vogel, der diese Zeit nicht miterlebt hat.

Zahlen und Fakten zum Berliner Fernsehturm

Die Arbeiten am Fundament begannen am 4, August 1965 – eine offizielle Grundsteinlegung oder einen symbolischen Ersten Spatenstich gab es nicht. Gearbeitet wurde im Dreischicht-Betrieb: Tagsüber 60 Arbeiter, nachts 30.

Mit 368 Metern bis zur Antennenspitze ist der Fernsehturm (Ost) genau 220 Meter höher als der Funkturm (West) auf dem Berliner Messegelände.

Bei der Fertigstellungim Oktober 1969 war er der zweithöchste Fernsehturm der Welt nach dem Ostankino in Moskau (537 Meter). Ebenfalls höher sind die später gebauten Fernsehtürme in Tokio, Guangzhou, Toronto, Schanghai, Teheran und Kuala Lumpur.

In Deutschland war der Fernsehturm bis 2017 der höchste öffentlich zugängliche Ausssichtspunkt. Seitdem ist es der Thyssenkrupp Testturm in Rottweil (232 Meter).

Mit der Einweihung des Turms durch Walter Ulbricht am 3. Oktober 1969 begann auch die Zeit des Farbfernsehens in der DDR. Für die Öffentlichkeit zugänglich war der Turm erstmals am 7. Oktober.

Der gesamte Turm wiegt 26.000 Tonnen. Errichtet wurde er in der so genannten Kletterbauweise: Das innenliegende Stahlgerüst wuchs immer etwas schneller als der äußere Betonschaft, der um das Stahlgerüst herum errichtet wurde.

Die Turmkugelhat sieben Etagen. Die Stockwerke ohne Besucherverkehr sind fensterlos.

38 Sekunden brauchen die beiden Besucher-Aufzüge bis zum Aussichtsgeschoss auf 203 Meter Höhe. Das Drehrestaurant liegt vier Meter höher.

Auf der Aussichtsplattformdürfen sich bis zu 120 Menschen gleichzeitig aufhalten. Im Restaurant gibt es Sitzplätze für maximal 200 Besucher.

Zum 25. Jubiläum des Fernsehturms ließ sich der Bungeespringer Rupert Hirner aus Österreich 1994 an einem 70 Meter langen Gummiseil aus 260 Metern Höhe vom Turm in die Tiefe fallen.

Den ersten Turmtreppenlauf im Fernsehturm gewann 1998 Thomas Munkelt. Für die 986 Stufen bis zur Aussichtsplattform brauchte er 5:56,8 Minuten.

Die Besucher bezahlen derzeit 16,50 Euro Eintritt für die Aussichtsetage, Kinder von vier bis 14 Jahre: 9,50 Euro. Für „Tickets ohne Wartezeit“ werden 21,50 beziehungsweise 12 Euro fällig. Kinder unter vier Jahren haben freien Eintritt. Über die Preise im Eröffnungsjahr 1969 liegen dem jetzigen Betreiber keine Erkenntnisse vor. tk

Etwa 60 Millionen Besucher kamen seit der Eröffnung. Der Fernsehturm ist das höchste Bauwerk Deutschlands. Derzeit kämen pro Jahr etwa 1,6 Millionen Interessierte, so der gelernte Tourismus-Kaufmann. Sie speisen in luftiger Höhe, trinken Kaffee oder entdecken eine Etage tiefer im Panoramadeck pur die deutsche Hauptstadt von oben. Ost oder West spiele keine Rolle mehr, sagt Vogel. Er erzählt aber, dass schon mal die Frage gestellt wurde, ob ein Teil der Fenster früher undurchsichtig gewesen sei – wegen der West-Sicht.

Ein Arbeiter vermisst den Fernsehturm mit einem Theodoliten – Foto aus der Bauphase in den späten 60er-Jahren. Quelle: Das Neue Berlin-Kraemer/dpa

Es ist wohl ein Zufall der Geschichte, dass der Jahrestag der Deutschen Einheit und das Fernsehturm-Jubiläum zusammenfallen. Der „Telespargel“ – so die inzwischen aus der Mode gekommene ostdeutsche Wortschöpfung – wurde nach knapp vier Jahren Bauzeit nahe dem Alexanderplatz am 3. Oktober wenige Tage vor dem 20. Jahrestag der DDR (7. Oktober) eröffnet. „Der Fernsehturm sollte auch die Leistungsfähigkeit der DDR zeigen“, sagt Pressesprecher Dietmar Jeserich.

Ulbricht soll den Standort festgelegt haben

Anfangs sollte der Sendeturm für das DDR-Fernsehen am Stadtrand in den Müggelbergen gebaut worden - bis die DDR-Oberen feststellten, dass er dann in der Einflugschneise des Flughafens Schönefeld stehen würde. Den neuen Standort soll dann SED- und DDR-Staatschef Walter Ulbricht persönlich festgelegt haben. Der passte dann auch bestens zur sozialistischen Neugestaltung des Alexanderplatzes gleich nebenan. Dort wurde wenige Tage vor dem Fernsehturm die spektakuläre Urania-Weltzeituhr mit einem Modell des Sonnensystems der Öffentlichkeit übergeben (30. September 1969). Entworfen wurde sie von dem Designer Erich John.

Der Berliner Fernsehturm, davor die Urania Weltzeituhr. Sie ist ebenfalls 50 Jahre alt. Quelle: imago

Das Werk des DDR-Formgestalters Erich John steht ebenfalls unter Denkmalschutz und ist bis heute ein beliebter Treff. John erinnert sich, es sei fast unmöglich gewesen, sich auf ein solches Projekt einzulassen. Kugellager hätten aus dem Westen beschafft werden müssen, als Antrieb sei ein Trabant-Getriebe umgebaut worden. Seine Uhr sei ein Gegenkonzept zur nicht offenen Gesellschaft gewesen, so John.

Auch beim Fernsehturm ging es ums Material. Der Stahl sei aus Schweden eingekauft worden, auch Techniker aus dem Land seien nach Ost-Berlin gekommen, sagt Sprecher Jeserich. Um das innenliegende Metallgerüst wuchs dann laut Fernsehturm-Website der äußere Betonschaft. Die Kugel habe an sowjetische Sputnik-Satelliten erinnern sollen. Deren Segmente seien per Kran hinaufgehievt worden.

Glaskunstwerke zieren die Wand im Dreh-Restaurant des Fernsehturmes. Quelle: Annette Riedl/dpa

Laut DDR-Museum wurden 8000 Kubikmeter Beton verbaut. Und der Bau sei mit 132 Millionen DDR-Mark mehr als viermal teurer geworden als ursprünglich geplant. Die SED-Parteizeitung „Neues Deutschland“ schrieb damals, an dem „Wunderwerk der Technik“ hätten mehr als 300 Betriebe mitgearbeitet.

Der Fernsehturm gehört heute der Deutschen Funkturm GmbH, einer Telekom-Tochter. Eine eigene Gastronomiegesellschaft ist für die Besucher zuständig. Der schlanke Turm ist verewigt auf T-Shirts, Tassen und Gläsern sowie als Backform oder Babyrassel zu haben.

Gerüst zur Vormontage der charakteristischen Turmkugel –Aufnahme von 1968. Quelle: imago

Auch die prägende Kugelform findet sich überall – im Glas der Treppenbegrenzung im Eingangsbereich, im Fußboden, in Deckenelementen und Lampen. „Der Turm ist denkmalgeschützt, jede Renovierung muss abgestimmt werden“, sagt Sprecher Jeserich. „Von den Glaselementen sind noch einige Originale da.“ Der 69-Jährige schwärmt immer wieder vom Ausblick über die Stadt. „Da können Sie jeden Dackel erkennen - und die Entwicklung der Stadt verfolgen.“

Lift schafft sechs Meter pro Sekunde

In zwei Aufzügen, die in einer Sekunde sechs Meter schaffen, rauschen die Besucher nach oben. Dort ist im Restaurant Sybille Janke Restaurantleiterin, 1996 hat sie hier als Azubi angefangen. Sie sagt, damals habe man die Leerstellen nach dem Mauerfall noch erkannt. „Heute ist alles zugebaut. Aber viele wollen auch die Geschichte Berlins sehen.“

Janke ist auf die Technik angewiesen. Wegen des begrenzten Platzes werde das Essen unten in einer Küche vorbereitet und dann per Aufzug gebracht. Öfter wird auch eine kulinarische Zeitreise angeboten, bei der die beliebte Soljanka nicht fehlen dürfe.

Besucher genießen von der Terrasse in der Kuppel die Aussicht über Berlin Quelle: Annette Riedl/dpa

Auch die Getränke müssten früh vor den Besuchern in die Höhe geschafft werden, so die 42-Jährige. Gäste an 40 festgeschraubten Tischen werden bedient, während in dem sich drehenden Restaurant immer neue Aussichten vorbeiziehen. Die Berlinerin Janke weiß ihren „besonderen Arbeitsplatz“ zu schätzen. Abends geht sie hier als Letzte. „Da ist es dann ruhig und ich gucke gern mal raus.“

Blick von West-Berlin über die Mauer auf den Fernsehturm am Alex Quelle: imago

Von Jutta Schütz

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