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Berlin Hollywood-Animationen made in Berlin
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13:07 15.01.2018
Dem Baumwesen Groot aus dem Film "Guardians of the Galaxy Vol. 2" wurde unter anderem in Berlin zum Leben mittels Visueller Effekte bei Trixter erweckt. Quelle: epd
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Berlin

Realität und virtuelle Welten sind in Filmen kaum zu unterscheiden. Ob kleine Anpassungen in der Nachbearbeitung, veränderte Städte, neu erschaffene Landschaften oder ganze Charaktere in Filmen, die sich so echt verhalten, als würden sie in der Realität existieren: all das wird am Computerbildschirm Pixel um Pixel aufwendig simuliert. Im Fachjargon nennt man das VFX, also das Erstellen von visuellen Effekten. Seit 2014 hat sich ein Animationsstudio, das seinen Hauptsitz in München hat, mitten im Herzens Berlin niedergelassen: Trixter. Dort arbeiten rund 100 Mitarbeiter an Filmen wie Jim Knopf, der zu Teilen im Potsdamer Babelsberger Filmstudio gedreht wurde, oder an großen Hollywood-Produktionen, unter anderem aus dem Hause Marvel.

Nico Kahmann ist Künstler. Artist um genau zu sein. Er arbeitet allerdings ausschließlich am Computer und trägt dazu bei, dass Charaktere, Figuren und ähnliches in Hollywood-Produktionen animiert werden. Quelle: Christin Iffert

Nico Kahmann arbeitet als Freelancer für Trixter, erhält von Projekt zu Projekt Aufträge. Insgesamt arbeiten mit ihm rund 70 andere Trixter-Mitarbeiter auf freiberuflicher Basis. Kahmann bietet das Konzept Freiraum, den Festangestellte selten haben. Zwischen zwei Projekten können auch mal ein bis zwei Monate Freizeit liegen. Die Filme, an denen er arbeiten möchte, kann er sich aussuchen. „Das ist ein Vorteil“, sagt er. Seine ständigen Arbeitsmaterialien sind zwei Bildschirme, eine Maus, eine Tastatur – inmitten des Großraumbüros, das sich über eine ganze Etage in Berlin-Kreuzberg erstreckt.

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Bewegungen so realistisch wie aus dem realen Leben

Der 31-Jährige ist bescheiden. Eigentlich macht er wie jeder andere nur seinen Job, sagt er. Doch am Ende eines Arbeitstages hat er Figuren wie Rocket Raccoon, ein Waschbär, aus Guardians of the Galaxy 2 oder der Lokomotive Emma aus Jim Knopf Leben eingehaucht, die über Millionen von Kinoleinwänden und Fernseher flimmern. Ohne die Arbeit des Animations-Künstlers würden sich die Figuren zwar bewegen, doch die Kleidung oder die Haare blieben steif. Kahmann hat sich auf Kleidungssimulation spezialisiert. „Kleidung und Haare werden von mir so bewegt, dass sie sich so realistisch wie möglich in der Bewegung verhalten“, sagt Kahmann. Manchmal dauert eine Sequenz aus rund 15 Shots in der Umsetzung ebenso viele Tage, komplexere Bilder beanspruchen doppelt oder dreifach so viel Zeit.

Visuelle Effekte sind vielfältig. Von der Modellierung der Charaktere über die Animation bis hin zum Compositing, also das Zusammenfügen aller Einzelteile, setzt sich die Arbeit aus unzähligen Einzelschritten zusammen, die letztlich eine Teamarbeit sind. Dabei hat sich VFX zu einem Schwerpunkt im Filmgeschäft entwickelt. In der Filmproduktion sind die Arbeiten unverzichtbar. „Insgesamt entwickelt sich digitale Filmherstellung als Ergänzung zum klassischen Filmherstellungsprozess. Manche Dinge kann man nur mit unserer Technik realisieren, andere lassen sich effizienter und günstiger damit herstellen“, sagt Trixter-Geschäftsführer Martin Herzberg. „Dies hat zur Folge, dass die VFX-Branche exponentiell wächst. Der rasant wachsende Bedarf an digital produzierten Filmbildern bietet große Chancen für die Region“, sagt Geschäftsführerin Kirsten Niehuus vom Medienboard Berlin-Brandenburg.

Talent zählt vor Abschluss

So sehr das Geschäft mit den visuellen Effekten am Markt auch nachgefragt ist, gibt es doch einen „limitierenden Faktor“, sagt Herzberg. „Es ist schwierig gute Mitarbeiter zu finden. Wir haben ein internationales Geschäft, das global um die Ressourcen ringt – und die Konkurrenz ist groß“, erklärt er. Klassische „Artists“, wie Mitarbeiter an der Umsetzung der einzelnen Bilder in Filmsequenzen genannt werden, brauchen Talent. „Das ist das Entscheidende. Dazu kommen noch technische Fertigkeiten, aber die kann man erlernen und weiterentwickeln“, sagt der Trixter-Geschäftsführer. Ein qualifizierter Abschluss hingegen ist weniger wichtig, denn am Ende sei das nur ein Papier, das über das Können kaum etwas aussage.

Martin Herzberg ist Geschäftsführer von Trixter Berlin. Quelle: Liquid ImageLiquid Image

Nico Kahmann hat beides: Talent und einen Abschluss. Nach seinem Animations-Studium am SAE Institut, das weltweit Studiengänge und Ausbildungen in den Fachbereichen digitaler Film, Spiele, Animationen oder Audioproduktion anbietet, ist er viel herum gekommen. Unter anderem arbeitete er in Glasgow, bevor er 2016 zu Trixter nach München und dieses Jahr zum Standort Berlin wechselte. Eigentlich stammt der 31-Jährige aus Brandenburg, wuchs in Brück (Potsdam-Mittelmark) auf, lebt inzwischen in Berlin-Schöneberg. „Berlin und Brandenburg sind für mich Heimat, weil hier meine Familie und Freunde leben“, sagt er. Deshalb möchte er bleiben. Außerdem gäbe es bei Trixter interessante Projekte, die gut koordiniert seien. Die Chancen stehen für Kahmann gut, denn Berlin ist neben dem wichtigen Standort München ein aufstrebender für das VFX-Geschäft.

Keine spezielle Förderung für VFX in Berlin und Brandenburg

Berlin-Brandenburg ist Deutschlands Film- und Serienstandort Nummer Eins, da ist es nur logische Konsequenz, dass sich VFX-Studios ansiedeln und weiter wachsen“, sagt Filmförderin Kirsten Niehuus. Sie verweist außerdem auf die neuen Außenkulissen wir die „Neue Berliner Straße“ im Studio Babelsberg, das speziell für die Kombination aus Realdreh und VFX konzipiert worden sei. Das Medienboard Berlin-Brandenburg vergibt jedoch trotz der Chancen keine gesonderten Förderungen für den Bereich Visuelle Effekte. „Es werden nur Filmprojekte als Ganzes gefördert, keine einzelnen Teilbereiche. Als regionaler Förderer muss auf den lokalen Bezug der Produktionen geachtet werden“, sagt Niehuus. Lediglich beim Deutschen Filmförderfonds 2 können Firmen wie Trixter Förderungen neuerdings beantragen – 25 Prozent der deutschen Herstellungskosten mit einer Kappungsgrenze bei 25 Millionen Euro pro Projekt. Das ist, verglichen mit Ländern wie England, Kanada oder Australien gering.

Wenn Nico Kahmann nach monatelanger Arbeit an einem Film wie Guardians of the Galaxy 2 oder zuletzt Jim Knopf auf dem weichen Stuhl eines Kinos sitzt und sich die Produktion ansieht, ist er stolz. Dort schaut er, ob seine Arbeit im Zusammenspiel funktioniert. Er ist Perfektionist. „Manchmal sehe ich Kleinigkeiten, die ich vielleicht hätte besser umsetzen können“, sagt er. Es ist eine Facette seiner Leidenschaft, die er zu seinem Beruf gemacht hat. Deshalb gibt es für den gebürtigen Brandenburger auch keinen Stillstand. „Grundsätzlich werde ich ewig lernen und auf dem Laufenden bleiben“, sagt er und macht sich wieder auf den Weg zu seinem Computer.

Von Christin Iffert

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