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Berlin „Liebig 34“ ist leer: Großeinsatz der Polizei und Protest gegen Räumung
Nachrichten Berlin

„Liebig 34“ in Berlin-Friedrichshain: Besetztes Haus soll geräumt werden

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15:36 09.10.2020
Polizisten stehen an einer Kreuzung vor der Räumung des besetzten Hauses „Liebig 34“ in Berlin-Friedrichshain. Das Haus Liebigstraße 34 soll ab 7 Uhr geräumt werden. Quelle: Paul Zinken/dpa
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Berlin

Das einst besetzte Haus und Symbol der linken Szene, „Liebig 34“ in Berlin-Friedrichshain, steht jetzt leer. Mehr als 50 Menschen, die seit Beginn der Räumung am frühen Freitagmorgen in dem Gebäude ausgeharrt hatten, seien nach draußen gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher. Dies sei weitgehend friedlich verlaufen, nur einige hätten Widerstand geleistet. Derzeit werde das Haus abschließend kontrolliert.

Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten vor „Liebig 34“

Die Räumung hatte kurz nach 7 Uhr unter dem Protest Hunderter begonnen. Einsatzkräfte verschafften sich mit Brecheisen und Kettensäge Zutritt zu dem verbarrikadierten Gebäude. Parallel dazu drangen Beamte auf einem Gerüst und mit Trennschleifern über ein Fenster im ersten Stock in das Innere vor.

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Es kam zu teils heftigen Rangeleien zwischen Polizisten und schwarz vermummten Demonstranten. Es flogen Flaschen. Die Polizei sprach von etwa 1500 Protestierenden. Es herrsche eine sehr emotionalisierte Stimmung, vereinzelt seien Flaschen auf Beamte geworfen worden. Ein Sprecher sagte dennoch, der Protest verlaufe weitgehend störungsfrei.

„Liebig 34“ gilt als eines der letzten Symbolprojekte der linksradikalen Szene in der Hauptstadt. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Auf Hausdächern waren Beamte postiert. Laut Polizei sollten am Freitag rund 1500 Beamte aus acht Bundesländern im Einsatz sein. Darunter seien auch technische Spezialeinheiten wie etwa Höhenretter. Ein Räumfahrzeug sowie Leitern standen bereit.

Gerichtsvollzieher will das leere Haus dem Eigentümer übergeben

Die Polizei leiste Amtshilfe bei der gerichtlich angeordneten Übergabe des Hauses, twitterte die Behörde. Der Gerichtsvollzieher wollte das leere Haus dem Eigentümer übergeben.

Allerdings ist es von den Bewohnern in einem chaotischen und teilweise verwüsteten Zustand hinterlassen worden. Verbarrikadierte Fenster und Türen waren von innen bei einem von der Polizei organisierten Rundgang am Freitag sichtbar. Eines der beiden Treppenhäuser war mit einer massiven, aufklappbaren Platte verschließbar. Die Polizei hatte die Metallplatte aufgebrochen und gesichert. Im Innenhof stapelte sich Müll und Gerümpel.

Radikale Parolen und Puppe mit Messern in der Brust

Einige Zimmer waren mit kaputten Matratzen und Schutt gefüllt, offenbar um ein Eindringen der Polizei von außen durch die zusätzlich mit Brettern vernagelten Fenster zu erschweren. Einzelne Wände waren durchbrochen, an anderen Stellen waren Wohnungstüren und Durchgänge zum Teil zugebaut und von der Polizei wieder gewaltsam geöffnet worden. Der Bodenbelag war weitgehend zerstört

In Küchen standen noch Essensvorräte wie Reis und Bier, in manchen Zimmer lagen alte Matratzen und Schlafsäcke auf dem Boden. Radikale Parolen standen an den Wänden, daneben hingen politische Plakate. Im Treppenhaus war zu lesen: „Hoch leben die rechthabenden und allwissenden Revolutionärinnen“ und „Welcome to Hell 34“. Im Erdgeschoss neben der Eingangstür lag eine männliche Schaufensterpuppe ohne Arme und Kopf und mit zwei Messern in der Brust.

Wasserwerfer löschen kleine Feuer

Schon Stunden zuvor versammelten sich hunderte Demonstranten hinter Absperrgittern vor dem Eckhaus. Die meist jungen, überwiegend schwarz gekleideten Menschen skandierten laute Sprechchöre wie „Häuser denen, die drin wohnen“ oder „Ganz Berlin hasst die Polizei“. Die Kreuzung vor dem Haus war mit Scheinwerfern ausgeleuchtet.

 

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An verschiedenen Stellen in der Stadt brannten laut Polizei in der Nacht Autoreifen, Müllcontainer sowie ein Abfertigungsgebäude im S-Bahnhof Tiergarten. Der Einsatz von Wasserwerfern zur Unterstützung der Feuerwehr beim Löschen von Kleinstfeuern sei freigegeben worden, twitterte die Polizei.

In der „Liebig 34“ war bereits vor zwei Jahren ein zehnjähriger Gewerbemietvertrag für den Bewohner-Verein ausgelaufen, der sich selbst als „anarcha-queer-feministisch“ bezeichnet. Der Eigentümer setzte in einem langen Gerichtsstreit durch, dass die Bewohner das Haus verlassen müssen.

Von RND/dpa