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13:32 13.05.2019
Die Initiatoren des „Tages des guten Lebens“, v.l.: Viktor Hermann, Isabel Kersten, Susanne Terhardt. Quelle: Jerome Lombard
Berlin

„Wie schön wäre es, wenn hier mal keine Autos über die Straßen brettern würden“, sagt Isabel Kersten und blinzelt in die Sonne. Die Studentin sitzt auf einer Parkbank am Zeppelinplatz im Berliner Bezirk Wedding. Sie ist mit dem Fahrrad unterwegs. „Hier im Brüsseler Kiez ist überall Tempo-30-Zone“, sagt Kersten. Doch viel zu viele Autofahrer würden sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. „Die Autos beanspruchen die Straßen für sich und die Fußgänger und Radfahrer haben das Nachsehen“, sagt sie verärgert.

Ein Tag im Kiez ohne motorisierten Individualverkehr

Die 28-Jährige engagiert sich in einer Anwohnerinitiative, die den „Tag des gutes Lebens“ in den Brüsseler Kiez in den Straßen rund um den U-Bahnhof Leopoldplatz im Nordwesten Berlins holen will. Die Idee stammt von dem Kölner Sozialwissenschaftler Davide Brocchi und sieht vor, ein Stadtquartier für einen Tag für den motorisierten Individualverkehr zu sperren und den Bewohnern als Freiraum zur Verfügung zu stellen. Autos dürfen an diesem Tag dann weder in den Kiez fahren noch am Straßenrand parken. Lediglich Ausnahmen für Krankenwagen und Behindertentransporte soll es geben.

Die Anwohner können an diesem Tag ihr autofreies Viertel selbst gestalten und auf den Straßen das machen, was ihnen Spaß macht und worauf sie sich im Vorfeld verständigt haben. Einzige Voraussetzung ist, dass auf den Straßen nichts verkauft oder gekauft wird. Alles – gleich ob Lebensmittel oder Dienstleistungen – soll lediglich getauscht, verschenkt oder geteilt werden. „Die Idee ist, Strukturen aufzubrechen, die als selbstverständlich scheinen“, erzählt Studentin Kersten. Den „Tag des guten Lebens“ versteht die junge Frau als politisches Statement für mehr Basisdemokratie und Nachhaltigkeit. „Wir wollen zeigen, wie die Stadt der Zukunft ohne Autos aussehen kann“, sagt sie. „Dafür fangen wir im Mi-krokosmos Nachbarschaft an.“

In Köln gibt es den Projekttag seit 2013

Dass der „Tag des guten Lebens“ eine Idee ist, die Menschen begeistern kann, zeigt das Beispiel Köln. Der Tag des guten Lebens in Köln wurde 2012/2013 von Davide Brocchi initiiert und bis 2015 mit organisiert. Seit 2015 ist er auf eigenen Wunsch nicht mehr an dem Projekt beteiligt

Vergangenes Jahr kamen rund 140 000 Besucher. „Der ‘Tag des guten Lebens‘ hat nicht das Ziel, Autofahrer zu ärgern, sondern schafft einen breiten Raum für zukunftsfähige Alternativen, die von den Menschen gemeinsam entwickelt und erlebt werden können“, sagt Sozialwissenschaftler Brocchi. In Köln sei das Projekt ein Erfolg. Auch, weil Anwohnerinitiativen und Lokalverwaltung über die Jahre gut zusammengearbeitet haben.

Aber: Ein autofreier Sonntag erfordert eine Menge bürokratischer Organisation. Schilder müssen aufgestellt werden, die Autofahrer darauf hinweisen, dass der Bereich für den Tag gesperrt ist. Auch Ersatzparkmöglichkeiten, wie etwa in an Sonntagen ohnehin ungenutzten Parkhäusern oder Supermärkten, müssen bereitgestellt werden. Dass dies in ihrem Kiez möglichst reibungslos umgesetzt wird, dafür wollen Isabel Kersten und ihre Mitstreiter sorgen. Das zuständige Bezirksamt hat bereits Unterstützung zugesichert, auf Landesebene steht die Finanzierung des Projekttags zur Diskussion.

„Tag des guten Lebens“ soll in Berlin am 17. Mai 2020 stattfinden

Noch haben die Aktivisten eine Menge Vorbereitungszeit: Der „Tag des guten Lebens“ soll am 17. Mai 2020 zum ersten Mal in Berlin stattfinden. Anders als in Köln, wo das Projekt jeweils nur in einem Stadtviertel stattfindet, soll der Tag in Berlin gleich in drei Kiezen parallel organisiert werden. Neben dem Brüsseler Kiez wollen auch der Körnerkiez im Bezirk Neukölln sowie der Kaskelkiez in Lichtenberg mitmachen.

„Wir stehen mit engagierten Bürgern aus den anderen Bezirken in Kontakt“, sagt Viktor Hermann. Der 64-Jährige ist in der Anwohnerinitiative im Brüsseler Kiez aktiv. „Ich finde es großartig, dass die Nachbarschaft zusammenrückt und über Stadt-Transformation diskutiert“, sagt Hermann, der seit 1996 im Viertel wohnt. Er hofft, dass es am „Tag des guten Lebens“ viel Musik und Kultur auf den Straßen geben wird.

Darauf setzt auch Susanne Terhardt. Sie hat für die Initiative die Kommunikation in den Kiez hinein übernommen. „Die Leute haben Interesse an unserer Idee“, sagt die 55-Jährige aus dem Wedding. „Man spürt eine große Sehnsucht nach mehr sozialem Kontakt und Zusammenhalt im Viertel.“ Jeder, der sich im Kiez engagieren will, ist eingeladen, zu den regelmäßigen Treffen der Anwohnerinitiative zu kommen. „Die Devise heißt Mitmachen“, sagt Terhardt.

Von Jerome Lombard

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