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Berlin Humboldt Forum mit und ohne Eintritt – wer blickt da noch durch?
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Ticket-Wirrwarr im Berliner Humboldt Forum mal mit und mal ohne Eintritt

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10:16 07.01.2022
Die alte Tür des Technoclubs Tresor in der – inzwischen kostenpflichtigen – Ausstellung „Berlin Global“
Die alte Tür des Technoclubs Tresor in der – inzwischen kostenpflichtigen – Ausstellung „Berlin Global“ Quelle: Jens Kalaene/dpa
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Berlin

Die Wege in das Berliner Humboldt Forum werden auch an der Kasse entschieden. Für die verschiedenen Dauerausstellungen des bundesweit aktuell wichtigsten Kulturprojektes gibt es nach den Monaten der Eröffnungsphase unterschiedliche Regelungen für den Eintritt. Während weite Teile des riesigen Museums- und Ausstellungszentrums frei zugänglich bleiben, müssen Besucher und Besucherinnen für den Berliner Teil nun Tickets bezahlen. Ebenfalls wie vorgesehen wird für die Sonderausstellungen Eintritt verlangt.

Das 680 Millionen Euro teure Humboldt Forum gestalten die auch für die Museumsinsel zuständige Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin, die Humboldt-Universität und die Stiftung Humboldt Forum. Gezeigt werden in dem 40.000 Quadratmeter umfassenden Gebäude Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.

In der Dauerausstellung gibt es drei Jahre lang freien Eintritt

Der Bund will für die Dauerausstellung in seinem Prestigeobjekt als Pilotversuch drei Jahre lang keinen Eintritt verlangen. Berlin hat für seinen Teil zwar einen eintrittsfreien Sonntag pro Monat, verlangt aber mit Hinweis auf die Ticketpflicht in anderen städtischen Museen für seinen Teil im Humboldt Forum Eintritt. Der von der Humboldt-Uni verantwortete Bereich ist ebenfalls kostenfrei zugänglich.

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Der gemeinsame Auftakt wird positiv beurteilt. „Das war ein sehr erfolgreicher Start, gerade wenn man sich anschaut, wie viel Publikum kommt und wie breit es interessiert ist“, sagte der Generalintendant des Humboldt Forums, Hartmut Dorgerloh, der Deutschen Presse-Agentur. Dies gelte sowohl für die Ausstellungen, die die ersten Monate alle ausgebucht gewesen seien, wie auch für die zahlreichen Veranstaltungen und die digitalen Angebote.

, Generalintendant Hartmut Dorgerloh zieht eine positive Bilanz der ersten Monate Quelle: Fabian Sommer/dpa

„Das Humboldt Forum ist genauso vielfältig wie die Gesellschaft“, sagte Dorgerloh. „Entsprechend gibt es sehr unterschiedliche Erwartungen an das Haus und genauso unterschiedliches Feedback, wie wir es über Besucherbefragungen, Forschungsprojekte, Zuschriften, Reaktionen auf Aufrufe erhalten.“ Konkrete Auswertungen dazu liegen noch nicht vor.

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„Der Eintritt in ’Berlin Global’ ist jetzt eintrittspflichtig, genauso wie Veranstaltungen und Sonderausstellungen“, sagte Dorgerloh. Der weit überwiegende Teil der Ausstellung bleibe weiterhin eintrittsfrei, das sei Beschlusslage für die ersten drei Jahre. „Mittelfristig brauchen wir aber ein einheitliches Angebot, das auch gleichermaßen für die Nachbarn zum Beispiel auf der Museumsinsel gilt.“

Wettbewerbsverzerrung: Chefs benachbarter Museen sind sauer

In weltberühmten Häusern wie Neues Museum, Alte Nationalgalerie oder Pergamonmuseum nur wenige Meter muss weiter Eintritt bezahlt werden. Ihrem Unmut über die Ungleichheit machen Museumsverantwortliche nur hinter vorgehaltener Hand Luft.

Dorgeroh rechnet mit Änderungen. „Wir müssen da als größtenteils bundesfinanzierte Einrichtung ein ähnliches Angebot an die Besucherinnen und Besucher machen können“, sagte er. „Denn ich kann ja niemandem erklären, dass zum Beispiel für Ausstellungen von Sammlungen der Staatlichen Museen im Humboldt Forum der Eintritt frei ist und in der Antikensammlung oder im Bode-Museum auf der Museumsinsel gegenüber nicht.“

Berlins Kultursenator Klaus Lederer sieht sich durch den Erfolg bestätigt. „Die ersten drei Monate, in denen die Berlin-Ausstellung im Humboldt Forum freien Eintritt hatte, war es nur sehr schwer möglich, überhaupt in die Ausstellung zu kommen“, sagte der Linken-Politiker. „Jetzt kostet es Eintritt und die Resonanz ist nach wie vor sehr positiv. Die Berliner Ausstellung wird gut besucht, sie wird angenommen.“

Von Gerd Roth