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Berlin Neue U-Bahn geht in Berlin in Betrieb – U5 fährt durch bis Hauptbahnhof
Nachrichten Berlin

U5 in Berlin geht in Betribeb: Bahn fährt durch bis Hauptbahnhof

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15:11 04.12.2020
Menschen gehen durch den neuen U-Bahnhof Unter den Linden. Quelle: Fabian Sommer/dpa
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Berlin

Dichtes Gedränge auf dem U-Bahn-Gleis 1 am Alexanderplatz - trotz Corona-Krise: Von der bisherigen Endstation ist die Linie 5 am Freitag erstmals weiter gefahren, bis zum Hauptbahnhof. Nach zehn Jahren Bauzeit ist das neue Teilstück unter dem Prachtboulevard Unter den Linden eröffnet worden. Die Lücke zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor ist geschlossen, der Hauptbahnhof und Hönow am östlichen Stadtrand sind nun direkt verbunden. Hunderte Menschen stiegen am Freitag in die erste durchfahrende U-Bahn.

Eingeweiht wurden entlang der Strecke zwei neue Bahnhöfe: Fortan hält die U5 auch an den Stationen „Rotes Rathaus“ und „Unter den Linden“. Ein weiterer Halt, „Museumsinsel“, wird derzeit noch fertig gebaut und soll im Sommer eröffnet werden. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bezifferten die Projektkosten für die 2,2 Kilometer lange Neubaustrecke auf bis zu 540 Millionen Euro.

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Merkel: „Die einst geteilte Stadt rückt näher zusammen“

Berlin, die einst geteilte und seit 30 Jahren geeinte Stadt, rückt heute ein weiteres Stück näher zusammen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Videobotschaft zur Inbetriebnahme. „Viele Berlinerinnen und Berliner haben darauf gewartet.“ Auch für Touristen sei die neue Strecke sehr attraktiv.

Gegen Mittag warteten am Alexanderplatz zahlreiche Menschen auf den ersten durchfahrenden U-Bahnzug. Unter ihnen auch die Freunde Martin Kodritzki und Siad Akkam. „Darauf warte ich schon seit 20 Jahren“, sagte der 36-Jährige Kodritzki. Er hat sich an dem Tag extra frei genommen, um mit seinem Freund dabei zu sein.

BVG erwarten 155.000 Fahrgäste pro Tag

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) rechnen auf der Neubaustrecke nach der Corona-Krise mit 155.000 Fahrgästen am Tag. Während das kleine Teilstück entlang wichtiger Sehenswürdigkeiten in normalen Zeiten vor allem für Touristen interessant sein dürfte, hofft die BVG auch auf Erleichterungen für Pendler aus dem Berliner Osten. So bräuchten etwa Fahrgäste aus Hellersdorf bis zum Brandenburger Tor bislang fast 40 Minuten und müssten zwei Mal umsteigen. Nun geht es laut BVG vier Minuten schneller und ohne Umstieg.

Nach dem Lückenschluss der U-Bahnlinie 5 könnte es aus Sicht des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) am Stadtrand weitere neue Streckenabschnitte geben. Aus Kosten- und Umweltgründen werde es in nächster Zeit zwar keine ganzen neuen Linien geben, sagte er am Freitag. Bei mehreren Strecken sei es aber sinnvoll, sie zu verlängern.

Als Beispiele nannte er das Märkische Viertel (U8), Rudow (U7) und Steglitz-Zehlendorf (U3). „Es gibt solche Stellen, wo man mit zwei, drei weiteren Stationen einfach ein großartiges Angebot, das schon da ist, ergänzen kann“, sagte Müller. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) kündigte an, Anfang nächsten Jahres vier Machbarkeitsstudien zu U-Bahn-Verlängerungen im Senat vorzulegen.

Senat setzt eher auf neue Tram-Linien

Doch am Berliner U-Bahn-Bau scheiden sich in der Hauptstadt die Geister. Der Senat setzt grundsätzlich eher auf neue Straßenbahnstrecken, die schneller und günstiger zu bauen sind. In der Opposition gibt es viele Stimmen für die Verlängerung und den Bau ganzer Linien der U-Bahn, weil diese unabhängig vom Straßenverkehr fährt.

Mehrere Initiativen, darunter der Berliner Fahrgastverband, machten vor einigen Tagen eine Studie publik. Danach belastet der Bau neuer U-Bahn-Tunnel zunächst stark das Klima - vor allem wegen der großen Mengen Zement. Erst nach mehreren Generationen überwiege der Klima-Nutzen daraus, dass Menschen vom Auto in die U-Bahn umsteigen. Müller zweifelte die Aussagekraft der Analyse am Freitag an. „Man muss es schon etwas breiter diskutieren“, sagte er.

Eva Kreienkamp, die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, formuliert als Ziel: „Die Berliner sollen im Stadtzentrum weitestgehend auf das Auto verzichten können, weil das Nahverkehrsangebot so gut ist.“

Von RND/dpa