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Berlin Warum das 365-Euro-Ticket für Brandenburg noch lange auf sich warten lässt
Nachrichten Berlin Warum das 365-Euro-Ticket für Brandenburg noch lange auf sich warten lässt
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19:30 25.09.2019
Für Touristen und Pendler wird es im kommenden Jahr wohl deutlich teurer. Quelle: imago/Eibner
Potsdam

Obwohl Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) ein 365-Euro-Ticket gefordert hat und auch Brandenburger Parteien damit sympathisieren, sollen die Preise im Nahverkehr nun erst einmal steigen.

Wie wird die Preiserhöhung begründet?

Offiziell will sich vor der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag niemand dazu äußern. Das Brandenburger Verkehrsministerium schweigt. In Berlin räumte Wirtschaftssenatorin Ramona Popp (Grüne) ein, dass ein solcher Schritt geplant sei. Das war auch abzusehen. Denn der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) verursacht höhere Kosten durch gestiegene Energiepreise, durch Investitionen in Fahrzeuge und Schienen, und vor allem durch das Personal.

Wie haben sich die Personalkosten entwickelt?

Die Gewerkschaft Verdi hat für die Beschäftigten höhere Löhne durchsetzen können. Allein für die Bediensteten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) steigen die Personalkosten dadurch um 100 Millionen auf jährlich 770 Millionen Euro. In Brandenburg einigte sich Verdi mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) auf einen neuen Tarifvertrag, der für dieses Jahr fünf Prozent (seit März) und für das nächste Jahr 3,5 Prozent mehr vorsieht. Die Tariferhöhung sei nötig gewesen, weil es immer schwerer werde, Nachwuchskräfte zu finden, sagt der Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt. „Jüngere wollen nicht mehr im Schichtdienst arbeiten, und mit dem gestiegenen Verkehrsaufkommen ist der Beruf äußerst stressig.“

Was verdient ein Busfahrer?

Das Einstiegsgehalt für Busfahrer liegt in Brandenburg nach Verdi-Angaben bei rund 2100 Euro, in Berlin bei rund 2650 Euro. Das führt laut Verdi-Verhandlungsführer Arndt dazu, dass Busfahrer aus Brandenburg nach Berlin abwandern. Brandenburg sei Schlusslicht, was die Verdienstmöglichkeiten angeht.

Wann gab es die letzte Preiserhöhung?

Tatsächlich ist die letzte Erhöhung der Preise schon fast drei Jahre her. Zum 1. Januar 2017 stieg der Preis für eine Monatskarte für das gesamte VBB-Gebiet von 199,90 auf 201,50 Euro. Damals wurden aber auch bestimmte Angebote in Brandenburg eingeführt, die Vergünstigungen mit sich brachten – zum Beispiel die Vier-Fahrten-Karte in den kreisfreien Städten.

Alte Preise, neue Preise

Berlin AB Einzel: alt 2,80 Euro. neu 2,90 Euro

Tageskarte AB: alt 7 Euro, neu 8,60 Euro

Jahresabo AB (mtl. Abbuchung): alt 761 Euro, neu 761 Euro

Berlin ABC Einzel: alt 3,40 Euro, neu 3,60 Euro

Tageskarte: alt 7,70 Euro, neu 9,60 Euro

Jahresabo: alt 992 Euro, neu: 1008 Euro

Die Preiserhöhungen orientieren sich seit 2016 an einem Index, der auf Faktoren wie der Inflationsrate, der Entwicklung der Energiepreise und der Personalkosten beruht. Auf Drängen Berlins war seit 2017 auf Preiserhöhungen verzichtet worden. Zuletzt war der Druck aus Brandenburg gestiegen, die Tarife zu erhöhen, weil die Verkehrsunternehmen in den Kreisen mit höheren Ausgaben konfrontiert sind.

Was hat es mit dem 365-Euro-Ticket auf sich?

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat sich für ein solches Ticket ausgesprochen und als Vorbild die Stadt Wien genannt, wo es das Angebot seit 2012 gibt. Auf Brandenburger Seite hat er dafür für Unmut gesorgt, weil es mit erheblichen Kosten verbunden wäre. Ein Alleingang Berlins würde das komplizierte Gesamtsystem VBB infrage stellen.

Die Idee hinter dem Billig-Ticket: Mehr Menschen würden auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Allerdings müsste hierfür auch das Angebot stimmen, sagt der Verdi-Verkehrsexperte Arndt: „Wir haben in der Wachstumsregion doch schon genug damit zu tun, den bestehenden Verkehrsbetrieb aufrecht zu erhalten“, sagt er. „Die Diskussion an sich ist richtig, aber ohne Investitionen würde es den ÖPNV überfordern.“

Könnte Brandenburg Modellregion werden?

Die Grünen in Brandenburg bringen das Land als Modellregion für ein 365-Euro-Ticket ins Gespräch. Mit Unterstützung des Bundes könnte das Angebot hier erprobt werden. Das Ticket ist auch Thema in den Koalitionsverhandlungen. Einen komplett kostenfreien ÖPNV halten die Grünen aber für derzeit nicht sinnvoll. Zunächst müsse dafür gesorgt werden, dass auch „rollendes Material beschäftigt wird“, sagt Fraktionschef Axel Vogel: also Busfahrer, Straßenbahnfahrer und Lokomotivführer. „Wenn der Bund massiv in die Finanzierung eingreift, ist das natürlich eine andere Geschichte als wenn das Land Brandenburg das alleine stemmen soll“, sagt er.

Wer steckt hinter dem VBB?

Der VBB gehört den Gesellschaftern Berlin und Brandenburg sowie den 14 märkischen Landkreisen und vier kreisfreien Städten. Das macht Entscheidungen schwer, weil sich Fahrgastzahlen, Verkehrsangebote und Kosten in den Landkreisen teils deutlich unterscheiden und es allein zwischen Berlin und Brandenburg höchst unterschiedliche Interessen gibt. Die Einführung eines 365-Euro-Tickets dürfte nicht zuletzt deswegen lange Finanzierungsdebatten nach sich ziehen.

Die Berliner Verkehrsbetriebe können über das 365-Euro-Ticket nicht alleine entscheiden. Quelle: Daniel Naupold/dpa

 

Von Torsten Gellner

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