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Berlin Happy Birthday, Pit und Paule! – Berlins Panda-Zwillinge feiern ersten Geburtstag
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Zoo Berlin: Panda-Zwillinge Put und Paule feiern ersten Geburtstag

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12:03 25.08.2020
Die Pandabär-Zwillinge Pit und Paule spielen in ihrem Gehege im Berliner Zoo. Quelle: Britta Pedersen/dpa
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Berlin

Ihre Nasen? „Ja, ganz bestimmt“, sagt Corvin Schmohl. Nur an der Nase ließen sich Berlins Panda-Zwillinge, die Ende August ein Jahr alt werden, äußerlich unterscheiden. Pit habe das längere Schnäuzchen von Papa Jiao Qing geerbt, Paule die kurze Nase von seiner Mutter Meng Meng. Aber Äußerlichkeiten sind nicht alles. Kaum jemand kennt den Charakter der schwarz-weißen Bären-Brüder so genau wie ihr Pfleger Schmohl, der seit der Paarung alles hautnah verfolgt.

Eine kleine Warteschlange gibt es immer noch vor der zehn Millionen Euro teuren Panda-Welt im Berliner Zoo, mit grün-rot geschwungenem Ziegeldach und Drachen als Krönung. Allein schon wegen der Corona-Infektionsgefahr dürfen nicht zu viele Besucher gleichzeitig hinein. Mehrere Wochen Entwicklung bei den Mini-Pandas haben die Gäste im Lockdown verpasst.

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Paule ist ein Draufgänger, Pit der Gemütliche

Nun klettern Pit und Paule draußen herum und kauen vorsichtig ihre ersten Bambusblätter. „Das geht bei den beiden jetzt gerade in Richtung Teenager-Alter“, berichtet Schmohl. „Sie werden gerade frecher.“ Früher hätten die Kleinen fast jeden Tag anders ausgesehen, so rasant verlief die Entwicklung. „Jetzt legen sie nur noch an Gewicht zu und werden größer.“

Die Pfleger können die jungen Pandas an ihren Charaktereigenschaften gut auseinanderhalten. „Paule, der Jüngere, war von Anfang an der deutlich Aktivere“, sagt Schmohl. Er habe schneller Laufen gelernt, sei mobiler und ein kleiner Draufgänger. „Er hat zeitig sein eigenes Ding gemacht.“ Pit dagegen wirke langsamer und gemütlicher und halte sich gern eng an Mama.

Am 31. August 2019 kamen in Berlin zwei Pandy-Babys auf die Welt – eine Sensation! Seither verzaubern die tapsigen Bären Pit und Paule nicht nur Zoobesucher.

Panda-Geburt war eine Sensation

Am 31. August 2019 war die erste Panda-Geburt in einem deutschen Zoo eine Sensation. Pandas sind nicht nur Einzelgänger, sondern auch ausgesprochene Sex-Muffel. Nur an rund drei Tagen im Jahr besteht überhaupt Chance auf Nachwuchs. In Berlin hatte es vorher nie geklappt. Heute leben hier die einzigen Großen Pandas in Deutschland – nun eben vier.

Dem Zufall überlassen wollte der Berliner Zoo nichts: Chinesische Experten halfen dem unerfahrenen Panda-Männchen und seiner verspielten Partnerin, die 2017 aus China nach Berlin übersiedelten, sicherheitshalber auch mit künstlicher Befruchtung auf die Sprünge. Was nun Erfolg hatte, der Liebestunnel zwischen den Gehegen oder das menschliche Zutun, bleibt offen.

Kritiker beklagen chinesische Panda-Diplomatie

Unumstritten ist die Panda-Zucht in Zoos nicht. China vergebe die Tiere in einer Art Panda-Diplomatie nur an Länder, mit denen es gute Beziehungen wünsche, monieren Kritiker. Die Berliner Pandas erbat keine Geringere als Bundeskanzlerin Angela Merkel. Andere sehen die Zucht in der Heimat der Tiere als reines Geschäftsmodell Chinas. Für die erwachsenen Tiere zahlt der Berliner Zoo pro Jahr eine Leasing-Gebühr von einer Million US-Dollar, die Summe für die Jungtiere wird nicht veröffentlicht. Auch sie bleiben per Vertrag Eigentum Chinas. Das Geld fließe wieder in den Artenschutz, heißt es aus dem Reich der Mitte.

Für die Tierrechtsorganisation Peta ist die Haltung und Zucht von Pandas in Zoos kein Beitrag zum Artenschutz. Der Umweltschutzverband WWF sieht den Knackpunkt für das Überleben der Pandas im Erhalt und Ausbau der Lebensräume in China. Doch auch Zoos spielten eine Rolle und könnten als „Arche“ zur Rettung beitragen.

Pit und Paule statt Meng Yuan und Meng Xiang

In Berlin rangierte der erste hörbare Pandababy-Herzschlag im Mutterleib im Sommer 2019 fast auf dem Level einer Promi-Geburt. „Wir wussten es nur ein paar Tage vorher, und dann wurden es sogar zwei“, sagt Schmohl heute. Er gibt gern zu, dass die Babys, bei der Geburt 186 und 136 Gramm leicht, am Anfang nicht gerade nach Pandas aussahen. „Eher nach einem kleinen Nacktmull.“

Offiziell erhielten die Bärenbrüder die chinesischen Namen Meng Yuan und Meng Xiang. Das bedeutet erfüllter Traum und ersehnter Traum. Doch die Tierpfleger haben die Sache in Berliner Tradition vereinfacht. Sie tauften die beiden Rabauken Pit und Paule. Noch hörten sie allerdings nicht darauf, berichtet Schmohl.

Flauschige 30-Kilo-Bären

Fast 30 Kilo bringen die beiden inzwischen jeweils auf die Waage – gut ein Drittel des Gewichts ihrer Mutter. „Sie schlafen getrennt und hängen nicht zu sehr aneinander“, sagt Schmohl. „Aber sie würden registrieren, wenn der andere fehlt.“

Schmohl ist im Zoo nicht nur für die Pandas zuständig, sondern auch für die Robben, Pinguine, Otter und Biber. „Aber bei den Pandas ist Nachwuchs etwas besonderes, weil niemand bei uns Erfahrung hatte“, sagt er. Ein vertrauensvolleres Verhältnis aber gebe es mit den Robben. „Da sind wir beim Training gemeinsam im Wasser.“

Irgendwann verlassen die Bären-Brüder den Zoo

Pit und Paule aber sind ihm auch ans Herz gewachsen. Noch gibt es direkten Kontakt beim Zufüttern mit Welpenmilch. „Das ist jetzt nicht so, dass sie sich groß freuen, wenn wir kommen“, sagt Schmohl. „Die wissen halt, dann gibt es Milch.“ Das sei auch in Ordnung so. Am wichtigsten solle der Bezug zur Mutter sein.

Streicheleinheiten gibt es trotzdem. Und wie fühlt sich Pandafell an? „Pit und Paule sehen plüschiger aus als sie sind“, verrät Schmohl. „Das Fell wirkt weich, aber es ist eher matt und stumpf. Pandas kommen aus den Bergwäldern.“

Erst mit zwei Jahren werden die Jungen dort in freier Wildbahn erwachsen. Eine neue Paarung hat der Zoo erst einmal nicht ins Auge gefasst. „Dass Pit und Paule den Zoo Berlin verlassen werden, ist klar“, sagt Sprecherin Katharina Sperling. „Aber es gibt noch keine Planung. Wir gehen davon aus, dass wir den zweiten Geburtstag hier feiern. Vielleicht auch den dritten.“ In Corona-Zeiten dürfen aber auch kleine Bären keine großen Partys feiern. Doch ein Geschenk steht schon fest: eine Eistorte.

Von Ulrike von Leszczynski/dpa