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Digital El-Paso-Massaker: Gründer fordert Ende des Online-Portals 8chan
Nachrichten Digital El-Paso-Massaker: Gründer fordert Ende des Online-Portals 8chan
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14:53 05.08.2019
Die Startseite von 8chan. Mittlerweile ist die Hetzplattform nach Cyberattacken offline. Quelle: RND/Screenshot
New York

Auch der mutmaßliche Massenmörder von El Paso, der 21-jährige Patrick Crusius, hatte ein 2356 Wörter langes „Manifest“ auf 8chan gepostet, bevor er 20 Menschen in einem Einkaufszentrum in der texanischen Grenzstadt El Paso erschoss und 27 Menschen verletzte. Erst eine halbe Stunde vor der Tat tauchte das Hass-Dokument im Netz auf. Wie USA Today berichtet, strotzt das Pamphlet mit dem Namen „Die unbequeme Wahrheit“ nur so vor rassistischen Ausfällen. Darin faselte der Rechtsextremist von nach „Rassen“ getrennten Regionen in den USA, hetzte gegen Migranten und beschwor eine „hispanische Invasion von Texas“ herauf, das an Mexiko grenzt. Einen ähnlichen Terminus hatte auch US-Präsident Donald Trump mehrfach benutzt.

Kurz vor der Tat postete Crusius auf 8chan: „Verdammt – das wird richtig heftig, aber ich kann nicht länger warten. Erledigt ihr nun euren Teil dazu bei und verbreitet das (Manifest), Brüder! natürlich nur, wenn der Angriff erfolgreich war. Ich weiß, dass die Medien mich fälschlicherweise verleumden werden, aber ihr alle werdet die Wahrheit kennen! Ich werde wohl heute sterben. Führt den gerechten Kampf weiter.“

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Ankündigungs-Plattform für Massenmorde

Auch der Überfall auf eine Moschee im neuseeländischen Christchurch mit 50 Todesopfern und der Angriff auf eine Synagoge im kalifornischen Poway waren zuvor auf 8chan angekündigt worden. Jetzt will der Gründer der Plattform, Frederick Brennan, die Notbremse ziehen. Er fordert die Abschaltung der Seite. Brennan sagte laut New York Times: „Macht die Seite dicht. Sie ist völlig nutzlos. Es ist ein komplett negative Plattform – nur nicht für diejenigen, die sie nutzen. Aber auch für die ist sie schlecht, sie merken es bloß nicht.“

Chan hatte die Seite im Jahr 2013 ins Leben gerufen – nach eigenen Angaben, nachdem er halluzinogenen Pilze konsumiert hatte. Auf chan8 sollte jeder jede Meinung öffentlich äußern können – auch anonym. Brennan verstand das als radikalst mögliche Form der in den USA heiligen Rede- und Meinungsfreiheit. Doch aus dem ursprünglichen Marktplatz der Meinungen ist ein Propaganda-Portal für rassistische und rechtsradikale Hetze geworden.

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Brennan, der auf den Philippinen lebt, übergab 2015 die Seite an einen ebenfalls dort lebenden Landsmann – den Kriegsveteran Jim Watkins. Mehrfach hat Brennan sich öffentlich von der Seite distanziert, auf der nicht nur zu Gewalttaten aufgerufen wird, sondern auf der Massenmörder glorifiziert werden und User eine hohe Anzahl an Toten schon mal als „High Score“ bezeichnen.

„8chan ist so etwas wie eine Mitteilungszentrale, auf der sich die allerschlimmsten Verbrecher über ihre grässlichen Vorhaben austauschen”, sagt Jonathan Greenblatt, Chef der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung „Anti-Defamation League“, der New York Times. „Die Seite ist zu einem Resonanzboden für Menschen mit radikalen Ideen geworden und wo derlei Gedankengut verstärkt und verbreitet wird, so dass sich letztlich Menschen über diese Seite radikalisieren.“

„Wieder eine 8chan-Schießerei?“

Brennan hatte schon mehrfach die Gründung der Seite bedauert. nach den Morden von El Paso twitterte er: „Wieder eine 8chan-Schießerei?“ Brennan, der wegen der Glasknochenkrankheit an den Rollstuhl gefesselt ist, fuhr auf Twitter fort: „Werde ich jemals einfach mein Leben weiter leben können?“

Jim Watkins, der die Seite mit seinem Sohn betreibt und auf Medienanfragen nicht reagiert, weigert sich, die Seite moderieren zu lassen oder zu schließen. Am Sonntag prangte ein Banner auf der Seite: „Willkommen bei 8chan – den dunkelsten Abgründen des Internets“.

Druck auf Seitenbetreiber gestiegen

Nach Angaben der New York Times steigt jetzt der Druck auf die Unternehmen, die die Seite verwalten. Die Sicherheitsfirma Cloudflare, schaltete nach anfänglichem Zögern die Schutzfunktionen für die Seite ab, so dass Hacker jetzt freie Bahn haben, die Seite anzugreifen. „Widerwillig dulden wir Inhalte, die wir als verwerflich empfinden, aber wir ziehen die Grenze bei Plattformen, die nachweislich tragische Ereignisse auslösen und die gesetzeswidrig sind“, schrieb Cloudflare-Chef Matthew Prince in einer Mitteilung auf der Homepage des Unternehmens. Prompt wurde 8chan auch attackiert und war am Montag großenteils offline.

Von Daniel Killy/RND

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