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Kultur Alle Viere: Brahms in schlank, hell und heiter
Nachrichten Kultur Alle Viere: Brahms in schlank, hell und heiter
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00:21 03.04.2019
Alle Viere. Alles Brahms. Die Kammerakademie Potsdam unter Antonello Manacorda spielte im Nikolaisaal alle vier Brahms-Sinfonien. Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Wie kann es nach Beethoven weitergehen? Was soll man nach dessen vollendeten Sinfonien, Sonaten und Streichquartetten noch komponieren? Eine ganze Musiker-Generation plagte sich im 19. Jahrhundert mit dieser Frage. Auch Johannes Brahms fühlte sich vom Schatten Beethovens eingeschüchtert – als ob ein Riese hinter ihm marschiere, hat er mal gesagt.

Eine besondere Blockade erlebte Brahms auf dem von Beethoven gründlich beackerten Feld der Sinfonie. 15 Jahre lang laborierte Brahms an seiner Ersten. Als sie fertig wurde, zählte er schon 43 Jahre. Da hatte er sich mit seinem „Deutschen Requiem“, Klavierstücken und Kammermusik schon einen Namen gemacht.

Der Dirigent Antonello Manacorda wünschte sich schon lange, zusammen mit der Kammerakademie Potsdam sämtliche vier Brahms-Sinfonien im Paket aufzuführen. Am Wochenende war es nun so weit. Im Potsdamer Nikolaisaal erklangen am Freitag die ersten beiden Sinfonien; am Sonntag dann Nummer drei und vier.

„Wir wollen den Klang entschlacken und mit unserer besonderen Kombination von modernen Streichern und historischen Blechbläsern neue Blickwinkel bieten“, hatte Manacorda auf der Jahrespressekonferenz angekündigt. „Ich bin sehr gespannt auf dieses Experiment.“

Zur Person: Antonello Manacorda

Antonello Manacorda ist seit 2010 Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam. Außerdem leitet er bis Sommer 2019 das niederländische Het Gelders Orkest.

Manacorda stammt aus dem italienischen Turin. Er war Gründungsmitglied und langjähriger Konzertmeister von Claudio AbbadosMahler Chamber Orchestra“. Ein Stipendium ermöglichte ihm das Dirigierstudium in Helsinki.

2018/19 leitet Antonello Manacorda Opernpremieren in Amsterdam, Brüssel, München und London. Außerdem stehen Gastspiele beim Rotterdam Philharmonic Orchestra, den Bamberger Symphonikern und der NDR Elbphilharmonie im Kalender.

Mit der Kammerakademie Potsdam gestaltete Manacorda 2014 einen viertägigen Zyklus der Beethoven-Symphonien. Der bei Sony veröffentlichte Schubert-Zyklus wurde 2015 sogar mit einen Echo-Klassik prämiert.

Am Freitag stürmte Manacorda nun voller Elan aufs Podium für die Brahms-Erste, die auch schon flapsig als „Beethovens Zehnte“ bezeichnet wurde – wegen ihrer „Durch Nacht zum Licht“-Dramaturgie, die auch Beethovens Fünfte, die „Schicksalssinfonie“, auszeichnet.

Brahms begann 1862, kurz nach dem Umzug nach Wien, mit der Komposition. Erst 1876 ging die Uraufführung über die Bühne. Angesichts der langsamen Einleitung spürt man, wie der von Beethoven besetzte Raum erst freigeschaufelt werden muss: Die Geigen dehnen und zerren in Halbtonschritten nach oben, die Bläser hingegen nach unten. Immerhin zwei Wochen haben Manacorda und die Kammerakademie gründlich geprobt. Das hört man auch. In der Einleitung fügen sich die Klänge perfekt wie bei einem Puzzle ineinander.

Auch im weiteren Verlauf gelingen zahlreiche Details wunderbar: rhythmisch mitreißende Klangballungen, herzzerreißende Seufzer, romantische Hornrufe, die poetische Oboe im zweiten Satz, der knackige Bläserchoral im Finale.

Jedoch fügen sich diese Details nicht zu einem Ganzen. Der musikalische Fluss gerät nicht so recht ins Blühen und Strömen. So läuft der ländlich wiegende dritte Satz wie mit angezogener Handbremse. Und das Finale mit dem Thema, das an Beethovens „Ode an die Freude“ erinnert, geht Manacorda zu laut und direkt an. So verschenkt er Möglichkeiten der Steigerung.

Seinerzeit brachte Johannes Brahms die Anhänger Richard Wagners gegen sich auf. Er wollte nicht revolutionieren, sondern studierte intensiv die großen Meister der Musikgeschichte.

Daher war es für Manacorda und die Kammerakademie folgerichtig, sich Brahms gerade in dieser Saison vorzunehmen – nach der Auseinandersetzung mit Mozart und Beethoven sowie dem auf CD eingespielten Schubert-Zyklus. „Die Brahms-Sinfonien sind die Summe von allem, was wir bisher gemacht haben“, meint Manacorda. Freilich sprengt Brahms eigentlich die Dimensionen eines Kammerorchesters. Den typisch dunklen, süffigen Brahms-Klang kann die Kammerakademie nicht bieten. Will sie aber auch gar nicht. „Es geht mir bei Brahms um einen Klang, der aus einem kammermusikalischen Verständnis der Musik kommt“, hat der Dirigent erklärt.

Ein Ensemble von gerade rund 50 Musikern erlaubt den Einsatz historischer Blechbläser, die sich im herkömmlichen Sinfonieorchester nicht behaupten könnten. Hell klingende „Wiener Hörner“ aus Brahms-Zeiten sind beteiligt, Klappentrompete und die tiefergelegte „Deutsche B-Trompete“ sowie kleine Posaunen aus der bereits 1834 in Erfurt gegründeten Werkstatt Kruspe. Diese charakterstarken und durchaus eigenwilligen Blech-Instrumente sind ausgewogen in einen Ensembleklang integriert, der unterm Strich heller, schlanker und weniger melancholisch wirkt, als man es von Brahms kennt. Als Experiment überzeugt dieser Ansatz durchaus. Welchen Brahms-Klang man vorzieht, ist aber letztendlich auch Geschmackssache.

Mit der Ersten Sinfonie war bei Brahms der Knoten geplatzt. Die Zweite brachte er zügig 1877 während der Sommerfrische am Wörthersee aufs Papier. Vielleicht klingt sie auch deshalb nach Neuanfang, gelöst und liedhaft. Der Kammerakademie bietet wunderbar zart federnde Passagen wie den wehmütigen Ausklang des Kopfsatzes. In den Mittelsätzen glänzen die Gesänge der Holzbläser. Manches wirkt aber auch zu dick aufgetragen; so türmt sich das Finale zu einem breiigen Getöse auf. Beim Publikum überwiegt das Positive. Es gibt begeisterten Applaus.

Von Antje Rösler

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