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Kultur „Als Verlegerin bin ich nah dran am Leser“
Nachrichten Kultur „Als Verlegerin bin ich nah dran am Leser“
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13:11 20.11.2014
Katrin Bongard
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Potsdam

MAZ: Frau Bongard, gerade haben Sie den „Kreativpiloten“ der Bundesregierung gewonnen für Ihr digitales Buch-Label „Red Bug Books“. Erleichtert so ein Preis künftig Ihre Arbeit?
Katrin Bongard: Die Auszeichnung wird jedes Jahr von der Bundesregierung an 32 kreative Unternehmer vergeben, die für ihr Vorhaben brennen. Das tun wir. Wir bekommen Hilfestellung in Form von Gesprächen und Workshops und natürlich eine größere Aufmerksamkeit. Und ja, ich denke, es wird in Zukunft leichter für uns werden, Kontakte zu knüpfen und Unterstützung zu bekommen.

Sie sind bildende Künstlerin, Drehbuchautorin und haben in der Filmbranche gearbeitet. Jetzt schreiben Sie preisgekrönte Bücher für Jugendliche. Wie kam‘s?
Bongard: Ich habe Drehbücher für Kinder- und Jugendfilmformate geschrieben, das hat mir Spaß gemacht, war aber auch mit viel Frust verbunden, weil vieles aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden konnte. Mein erstes Buch „Radio Gaga“ ist vor zehn Jahren aus einem Drehbuchstoff entstanden. So ging es los.

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Sie publizieren Ihre Bücher bei einem großen, traditionsreichen Verlag. Waren Sie nicht zufrieden oder warum haben Sie vor drei Jahren „Red Bug Books“ gegründet?
Bongard: Doch, ich fühle mich bei dem Oetinger-Verlag sehr wohl und arbeite auch weiterhin mit ihm zusammen. Aber damals hatte ich zusammen mit meinem Mann eine Graphic Novel entwickelt. Alle waren begeistert, aber niemand wollte sie verlegen. Die  Herstellung ist aufwendig und teuer und viele Leser hat dieses Genre auch nicht. Deshalb haben wir vor drei Jahren unser kleines Label gegründet und uns digital verlegt...

 ... und damit sofort in Potsdam den Kreativ-Radar gewonnen, obwohl Sie ja gar keine Erfahrung hatten...
Bongard: Ja, das war toll! Am Anfang hatten wir tatsächlich wenig Erfahrung, wir mussten uns um alles selber kümmern, um das Buchcover, um die Gestaltung, wir haben einiges ausprobiert und dabei sehr viel gelernt. Besonders ist, dass ich als Verlegerin jetzt ganz nah an den Lesern bin, mehr mit ihnen kommuniziere und so auch viel über die Lesegewohnheiten herausfinde. Was ein großer Verlag nur schwer erfühlen kann, weil er viel zu weit weg ist. Mittlerweile sind unsere digital veröffentlichten Bücher für Jugendliche so erfolgreich, dass der Oetinger-Verlag schon drei Lizenzen für die Print-Ausgabe gekauft hat. Im April kommt das erste heraus, es heißt „Loving“.

Es fällt auf, dass Sie nicht nur Ihrem Verlag, sondern auch Ihren Büchern englischsprachige Titel geben. Warum?
Bongard: Wir orientieren uns am englischsprachigen Markt und wollen international offen bleiben. Außerdem glaube ich, dass jeder die Titel versteht.

Ihr aktuelles Buch, aus dem Sie am Freitag in Potsdam lesen, heißt „Schattenzwilling“ und ist ganz traditionell als Taschenbuch erschienen. Es ist ein spannender Thriller für Jugendliche, der in Gülpe, im Havelland spielt. Warum dort?

Bongard: Wir fahren jedes Jahr nach Umbrien in ein Ferienhaus, das auf einem Berg liegt und wo es sehr dunkel ist. Der Mann meiner Cousine ist Astronomie-Freak und hat uns dort am Nachthimmel die Venus gezeigt. Und er hat mir erzählt, dass er demnächst nach Gülpe, an den dunkelsten Ort Deutschlands, kommt. Ich kannte den Sternenpark gar nicht und habe ihn mir natürlich angeschaut, er ist ganz unspektakulär, ein Sportplatz, auf dem Astronomen ihre Teleskope aufstellen. Aber man sieht dort die Milchstraße, wie in Italien! Dort muss mein Thriller spielen, das war klar, nachdem ich dort war.

Und sind Sie jetzt eine Expertin in Sachen Sternenkunde?
Bongard: Nein, das nicht. Aber ich kann immerhin Planeten und Sterne unterscheiden.

Katrin Bongard

  • Am 6. Dezember kommt bei „Red Bug Books“ das Buch „Am Ende des Tages“ mit Kurzgeschichten und Gedichten heraus. Hierfür konnte Katrin Bongard zehn renommierte Jugendbuchautoren – etwa Andreas Steinhöfel - und über 100 Buch-Blogger gewinnen. Der Erlös kommt einer Jugendorganisation zu Gute.
  • Katrin Bongard ist in Berlin geboren, 52 Jahre, hat drei Kinder und lebt mit ihrer Familie in Potsdam.
  • Aus ihrem Roman „Schattenzwilling“  liest die Autorin am Freitag, 21. November, um 10 Uhr in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam. Im Mittelpunkt des Thrillers steht die junge Schülerin Teresa, die in ein gefährliches Verwechslungsspiel hineingerät, als die Zwillinge Kai und Adrian sie besuchen.

Interview: Claudia Palma