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Kultur Die Intendantin verabschiedet sich nach 28 Jahren mit Beethovens Neunter
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13:17 27.06.2018
Andrea Palent hat über fast drei Jahrzehnte die Musikfestspiele Sanssouci geprägt. Müde wirkt sie aber noch lange nicht. Quelle: Stefan Gloede
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Potsdam

Als Andrea Palent im Wendejahr 1990 ein Konzept für die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci schrieb, sprach sie sich ausdrücklich gegen die Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie aus. Das alljährliche Open-Air-Ritual mit dem Schlusschor „Ode an die Freude“ bei den Parkfestspielen Sanssouci war der Musikwissenschaftlerin nicht nur ein Dorn im Ohr. In den ideologischen Gefechten der deutschen Teilung sollte der Ohrwurm mit dem Schiller-Text „Freude schöner Götterfunken“ stets auch den „Humanismus“ der jeweiligen Regierunen beglaubigen.

Seit 28 Jahren leitet die kleine, energische Frau die Musikfestspiele Sanssouci, heute das wichtigste Festival für Alte Musik weit und breit. Dem 16-tägigigen Ereignis im Frühsommer bescheinigte die FAZ gerade „nicht nur bundesweite, sondern internationale Ausstrahlung“.

Doch nun tritt die 62-Jährige ab. Bei dem Abschlusskonzert an diesem Sonntag, 21 Uhr, in den Communs am Neuen Palais wird erstmals wieder Beethovens „Ode an die Freude“ erklingen. Nicht auszuschließen, dass Andrea Palent diesmal, wenn auch noch das Feuerwerk gezündet wird, ein Tränchen verdrückt, denn so durchsetzungsstark und robust diese Frau ist, so emotional und lebendig ist sie auch.

Wir sitzen in Potsdam im lauschigen Innenhof vor dem Nikolaisaal, den sie seit seiner Eröffnung im Jahr 2000 ebenfalls leitet. Ihr Pensum war dermaßen groß, dass sich künftig drei Chefs ihre Aufgaben teilen – die Flötistin Dorothee Oberlinger übernimmt die künstlerische Leitung der Musikfestspiele, Micheal Dühn besorgt das Programm des Nikolaisaals und Heike Bohmann verantwortet die kaufmännische Geschäftsführung.

„Ich habe jeden Tag zwölf Stunden vor dem Computer gesessen und freue mich, jetzt endlich einmal ein paar Monate loszulassen“, sagt Andrea Palent. Während der Musikfestspiele ist ein weiteres Enkelkind geboren, das sie noch gar nicht gesehen hat, weil ihre Familie weit weg im Ausland wohnt. Europa sei ihr schon aus familiären Gegebenheiten zu einer Herzensangelegenheit geworden – „Europa“ ist auch das Motto ihrer letzten Festspielen. „Natürlich geht das nicht ohne Beethoven, im großen Abschlusskonzert spannen wir die Neunte zusammen mit dem Te Deum von Marc-Antone Charpentier, aus dem die „Eurovisionsfanfare“ entnommen ist.“ Außer dem Prélude kennt das Werk kaum einer.

Andrea Palent hatte 1990 die Vision, die ungezählten historischen Orte der Potsdamer Kulturlandschaft, egal ob aus dem 17., 18., 19. oder 20. Jahrhundert, mit Originalklängen zu beleben. Die in Leipzig geborene Ostfrau, die in Halle studierte, konkurrierte damals mit Wessis wie Justus Frantz um die Intendanz, bekam aber den Zuschlag. Sie verstand sich als Anhängerin der Alte-Musik-Bewegung, die sich in den 1980er Jahren formiert hatte. Dass es dieser Generation von Enthusiasten nicht um eine Flucht in die Vergangenheit ging, sondern darum, alte, kraftvolle Impulse für die Gegenwart zu entdecken, beweist seither auch das Programm der Potsdamer Musikfestspiele – sie bieten auch Uraufführungen, Experimenten und musikalischen Improvisationen Raum. Andrea Palent entwickelte innovative Formate – vom intimen Hauskonzert über Jazznächte bis hin zu Picknick-Konzerten.

Natürlich bedurfte es in Potsdam viel diplomatisches Geschick, die Preußische Stiftung Schlösser und Gärten dafür zu gewinnen, die empfindlichen Museumsräume für Aufführungen zu nutzen. „In der Bildergalerie dürfen derzeit aus konservatorischen Gründen keine Konzerte stattfinden. Dabei ist dort die Akustik grandios“, sagt Andrea Palent, die einem wachsenden Publikum den pittoresken Detailreichtum des Hohenzollern-Erbes entdeckte. „In der Ovid-Galerie spielen wir am besten auf der Fensterseite, sonst knallt es zu sehr“, berichtet sie aus der Praxis. Das Feintuning für die Ohren an ungewöhnlichen Orten war die nächste Herausforderung.

In den 2000er Jahren hat sie das Festival international ausgerichtet. Dafür brachte sie in Kulturausschusssitzungen und Einzelgesprächen mit Politikern viele kulturtouristische Argumente vor. Anfang der 1990er betrug der Etat noch etwa 100 000 DM, heute sind es 700 000 Euro, mit denen die Musikfestspiele auch eigene Opern produzieren. „Früher wollten wir Potsdam helfen, die Hotels zu füllen. Heute kommen wir in die Hotels selbst nicht mehr rein“, sagt sie mit einem Lachen und erzählt, wie mühsam es war, die Regeln der doppelten Buchführung und die „Versammlungsstättenverordnung“ zu begreifen.

„Das hat in Potsdam lange Zeit keiner geglaubt, dass einmal die Kultur so stark das Herz der Stadt prägen kann. Ich hatte auch Mühe, mir vorzustellen, dass sich einmal gleichzeitig 1000 Fahrradfahrer in den Sattel schwingen.“

Die 1500 Karten für die Fahrradkonzerte sind heute als erstes ausverkauft. „2010 hatten wir das Motto ,Sehnsucht nach der Ferne’ und die Stiftung legalisierte damals einige Radstrecken durch die Parks. Seither habe ich mir 18 Fahrradtouren ausgedacht und überlegt, an welchen Zwischenstopps welche Musiker auftreten.“ Diese Planungsarbeit will die passionierte Radlerin auch künftig noch leisten.

Nach einem Unfall im Jahr 2012 warf es sie einmal längere Zeit aus der Bahn. Nach einer Sitzung des Musikbeirates im Goethe-Institut war sie so böse gestürzt, dass sie Monate behindert war. „Da habe ich endlich bemerkt, wie wichtig es ist, dass der Nikolaisaal barrierefrei ist. Damals kam sie auch auf die Idee, bei Konzerten Gebärdendolmetscher für Taube zu engagieren. Für das Ohrphon, einen Audioführer, mit dem bei Orchesterproben Wissenswertes live eingesprochen wird, bekam sie gerade eine Auszeichnung. Die Musikvermittlung, gerade in Richtung junge Generationen, liegt Andrea Palent besonders am Herzen. „Was für ein Glück, dass ich einer Aufbaugeneration angehören durfte. Manchmal kann ich es kaum glauben, was alles selbstverständlich geworden ist.“

Von Karim Saab

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