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Kultur Arcade Fire: Von Kirche bis Schaumparty
Nachrichten Kultur Arcade Fire: Von Kirche bis Schaumparty
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07:38 03.07.2017
Arcade Fire am 11. Juni in Newport (GB). Quelle: dpa
Berlin

Die Show wirkt wie Theater, doch ohne einen Regisseur – als hätte eine Wohngemeinschaft halluzinogene Pilze aufgetrieben, und guckt jetzt, was passiert. Arcade Fire haben am Sonntag in Berlin gespielt, die Open-Air-Arena in der Wuhlheide zeigt sich knapp ausverkauft, der Sound klingt gut, die Stimmung ging ins Feierliche. Es gibt Momente voller Andacht, die kennt man eher aus Gottesdiensten.

Die Band aus Kanada arbeitet weiterhin im interessanten Spannungsfeld zwischen Geheimtipp und dem Status eines Megastars. Es gibt Menschen, die kennen Arcade Fire nicht, doch wenn die Lieder auf der Party laufen, tanzen sie, als hätten sie ein neues Leben begonnen.

Neun Leute auf der Bühne, die Lage ist unübersichtlich. Geige, Saxofon, im Rock’n’Roll gelten sie zu den randständigen Instrumenten. Sie geben den Songs eine Tiefe, die man in den großen Hallen und Arenen sonst nicht kennt. Andererseits sind Arcade Fire jederzeit bereit, diese Nuancen an die Wand zu spielen. Dann stehen sie so breitbeinig wie AC/DC neben den Verstärkern.

Sie beginnen mit „Everything Now“, der Single aus dem neuen Album, das Ende Juli erscheint. Mit der neuen Single gleich ins Haus fallen, wer macht so was? Die Kanadier sind zuverlässig exzentrisch, sie schreiben ihre Regeln selber, jedes ihrer vier Studioalben stand für eine eigene Epoche. David Bowie hat sich in die Band verknallt, weil sie genau so regellos auftritt, wie er es selbst gewohnt war. Mit der Single zu beginnen, das ist hier noch die kleinste Überraschung.

Wenn Konzerte gerade in Berlin in puncto Publikum sonst sehr gemischt sind, ist das bei Arcade Fire anders. Hierher kommen die Männer, die wissen, wie man sich den Bart jetzt stehen lässt, und Frauen, die Omas Kleider mit frischer, oft ungebügelter Würde tragen. Lackierte Nägel, über den Schultern eine Lederjacke, sicherlich vom Flohmarkt. Zwischen 25 und 50 Jahren, so etwa geht der Kodex, den die Band seit ihrer Gründung 2002 definiert. Auch in Berlin ist allzeit spürbar: Es geht nicht nur um Sex, Drugs und Rock’n’Roll, sondern auch um gute Bücher aus der Suhrkamp-Bibliothek.

Zirkuslicht auf der Bühne, Bandchef Win Butler hat das Zeug zum Raubtierbändiger, wie er kräftig und entschieden die Bühne durchmisst. Mal klingen Arcade Fire in Berlin wie in der Kirche, dann wie bei Schaumpartys auf Ibiza. Die ersten Eindrücke des kommenden Albums erinnern an Abba, ihre dritte Platte „The Suburbs“ wiederum hatte die Stärke eines Beatles-Albums, handwerklich brillant und voller unerhörter Melodien.

So eine Band kann live nicht scheitern, im Gegenteil, sie findet auf Konzerten erst zu ihrer wahren Größe – denn da lässt sich mit dem Bass noch eine Spur brutalter hämmern als im Studio, und die Geige hat Gelegenheit, Nadelstiche zu setzen, die dem Publikum unter die Haut gehen. Arcade Fire sind ein Ereignis, ihr Auftritt in Berlin bleibt in Erinnerung als einer der großen, ausgelassenen Kindergeburtstage, die den Sommer lebenswert machen.

Von Lars Grote

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