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Kultur Festival Unidram liefert viele Bilderrätsel ohne Tiefgang
Nachrichten Kultur Festival Unidram liefert viele Bilderrätsel ohne Tiefgang
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09:49 31.10.2019
Unidram bietet ungewöhnliches Theater. Hier erschaffen Robbert & Frank aus Belgien vor den Augen der Zuschauer ein surealBühnenbild. Quelle: Tom Callemin
Potsdam

Das internationale Performance-Theater verstand sich lange Zeit als Avantgarde der darstellenden Künste. Die Experimentierfreude der ersten drei von insgesamt 13 Gastspielen beim Potsdamer Festival Unidram lief aber in eine monströse Leere. Formal waren sich die Aufführungen am Dienstag- und Mittwochabend auffallend ähnlich. In den surreal-poetischen Bühnenerzählungen agierten jeweils zwei Darsteller, die ein Bilderrätsel an das nächste reihten. Keiner von ihnen verzog dabei eine Miene. Die Inszenierungen basierten auf einem hohen bühnentechnischen Aufwand und auf Soundcollagen aus dem Off, die Geräusche mit Musik vermischten.

Robbert und Frank vervielfältigen sich. Quelle: Tom Callemin

Bei „Don't we deserve grand human projects that give us meaning?“ (Verdienen wir nicht große menschliche Projekte, die uns einen Sinn geben?) hat nicht alles etwas zu bedeuten hat, was etwas bedeuten könnte. Jede Geste erweckt aber den Anschein, ein bedeutungsvoller Spaß zu sein. Die beiden flämischen Akteure Frank & Robbert treten in den belgischen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gelb auf und versammeln auf einem weißen Spielfeld popart-artige Abbilder ihrer selbst sowie plakative Symbole, etwa einen Fisch, eine rote Linie, ein Gehirn. Und am Ende senkt sich sogar eine Hand Gottes aus Schnürboden. Wiederholt öffnet das Duo große weiße Kästen, in denen dann auch überraschende Filmsequenzen flimmern, mal eine ländliche Idylle, dann ein brennender Wald. Der Zuschauer kann in dem ausgezirkelten Spiel ein existenzielles Menschheitsdrama erkennen oder nur eine launige, haarsträubende Lügengeschichte, die sicher auch etwas über die Albernheit der Macher verrät. 

Dos à Deux aus Brasilien arbeitet mit lebensgroßen Puppen. Quelle: Renato Mangolin

Ebenso bedeutungsschwer, suggestiv, geheimnisvoll und obendrein auch noch pathetisch und dunkel gibt sich das Duo Dos a Deux aus Brasilien. Bei ihrer Europapremiere mit dem Titel „Gritos“ (Schreie) agieren Artur Luanda Ribeiro und André Curti mit lebensgroßen Puppen die sich sich vor den Leib schnallen, eine Art Doppel-Ich. Zwischen zehn transparenten Sprungfeder-Betten, die mal als Gitter, Raumteiler, Tür oder als unüberwindliche Grenze dienen, platzieren sie ein ganzes Bündel von Dramen. Es geht um Transgender, Mord, Krieg und eine schwere Geburt. Im einem stets gleichen, elegischen Tempo zu aufwühlenden, ekstatischen Klängen werden rabenschwarze Stimmungen und Bilder der Verzweiflung zelebriert. Mag sein, dass hier konkrete soziale Erfahrungen verarbeitet werden. Dem Außenstehenden stellen sie sich aber als aufgeblähter Grusel ohne Tiefgang dar.

Steve Salembier gießt eine Substanz in ein Modell, Charlotte Bouckaert fotografiert und überträgt das Bild gleich auf eine große Leinwand. Quelle: Salih Kilic

Auch das multimediale Objekttheater LOD aus Belgien kann mit seiner Foto-Performance nicht wirklich faszinieren. Charlotte Bouckaert und Steve Salembier fertigen vor den Augen der Zuschauer von mehreren Miniatur-Architekturmodellen, die auf der Bühne aufgebaut stehen, Außen- und Innenaufnahmen an, die dann in Echtzeit auf einer großformatigen Leinwand erscheinen. Die menschenfreien Gebäude mit Stühlen und Treppen werden mit lebhaftem Stimmengewirr und Lebensgeräuschen wie Türenquietschen, Wasserplantschen, Schritten und Gitarren-Akkorden unterlegt. Ein solches Making-of mit Videokameras ist an deutschen Stadttheatern längst gängige Praxis. Ohne apokalyptische Zuspitzung kommt auch diese Produktion nicht aus. Bei Gewittergeräuschen wird ein Kübel mit Asche über einem Swimmingpool mit Liegestühlen ausgeschüttet. Die Zivilisation erscheint plötzlich zerstört und erloschen. Zum Schluss spendet die arrangierte Schönheit einer offenen Meereslandschaft Trost.

Die drei kleinformatigen Inszenierungen beruhen auf dem Einsatz vieler Kulissen und technischer Effekten. Was wieder einmal beweist, dass die gute materielle Ausstattung einer Spielstätte noch lange kein hochwertiges Theatererlebnis garantiert.

Info Das Festival unidram wird heute und morgen, 18 bis 24 Uhr, mit weiteren zehn Inszenierungen aus acht Ländern in den Spielstätten Schiffbauergasse Potsdam fortgesetzt. Infos unter www.unidram.de

 

 

Von Karim Saab

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