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Kultur Ausstellung über Schlösser und Herrenhäuser
Nachrichten Kultur Ausstellung über Schlösser und Herrenhäuser
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18:06 08.01.2019
Schlösser im Schloss: Das Brandenburger Parlament sitzt selbst im Schlossnachbau, es bietet nun den Überblick der edlen Häuser. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Nehmen wir das Schloss in Boitzenburg (Uckermark), mit gutem Willen atmet es die Aura eines Zuckerbäcker-Architekten. Die Türmchen sind verspielt, die Erker zeigen ihre Schnörkel – diesen Mut zur Zierde kennt man sonst in Preußen nicht. Man denkt an Ludwig II., ein Märchenkönig und ohne Zweifel ein Bayer.

Der Marktflecken in der nordwestlichen Uckermark kam als Lehen 1528 zur Familie von Arnim. Das mächtige Schloss blieb bis zur Enteignung 1945 der Stammsitz des uckermärkischen Zweiges der Sippe, zu Zeiten der DDR ging die Innenausstattung des Hauses weitgehend verloren. Es wurde genutzt von der Nationalen Volksarmee. Nach langem Leerstand folgte 1990 die Sanierung, der Schlosskomplex wurde als Schülerhotel genutzt. Oder für Festlichkeiten großer Gruppen. Dadurch ist der dauerhafte Erhalt der Schlossanlage gewährleistet.

Schlösserschau im Grenzraum

Fast 40 historische Ensembles aus Polen und Deutschland porträtiert die Ausstellung im Landtag Brandenburg, dem Nachbau des Potsdamer Stadtschlosses.

Die Schlösser und Herrenhäuser spiegeln eine Jahrhunderte alte gemeinsame Geschichte der heutigen polnisch-deutschen Grenzregion und vor allem die Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider.

Die bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs meist im Privatbesitz befindlichen Anlagen wurden durch den Krieg und sozialistische Verstaatlichung in großen Teilen stark beschädigt.

Geöffnet Mo bis Fr, 8-18 Uhr. Bis 28. März. Alter Markt 1, Potsdam.

Eine Geschichte mit vermeintlich glücklichem Ende, die freilich unter dem Schatten des Subventionsbetrugs liegt. Die Geschichte eines Schlosses, die nun in einem anderen Schloss, dem nachgebauten Potsdamer Stadtschloss, dokumentiert wird. Auch die Zukunft des Schlossgebäudes in Potsdam, in dem das Brandenburger Parlament arbeitet, ist mindestens mittelfristig gesichert, denn man braucht es: Am 1. September wird ein neuer Landtag gewählt, der hier Einzug hält.

Die Wanderausstellung „Schlösserlandschaften in der deutsch-polnischen Grenzregion“ ist seit gestern Abend im Potsdamer Schlossbau zu sehen. Zuvor hat sie im sächsischen Landtag und in Breslau gastiert, denn die Schau widmet sich Schlössern und Herrenhäusern auf beiden Seiten der Oder-Neiße-Grenze, sowohl in Polen als auch in den deutschen Bundesländern Brandenburg, Sachen und Mecklenburg-Vorpommern.

Britta Stark (SPD), brandenburgische Parlamentspräsidentin, sagte am Dienstag Abend in Potsdam zur Eröffnung: „„Der Zweite Weltkrieg und auch die kommunistischen Diktaturen haben den gemeinsamen kulturellen Raum zu beiden Seiten von Oder und Neiße zerschnitten. An den Schlössern, Herrenhäusern und historischen Parks können wir ablesen, wie Grenzen kulturelle Räume zerstören – aber auch, wie sich mit dem Überwinden von Grenzen neue Chancen für den gegenseitigen Austausch und eine Zusammenarbeit eröffnen. Beides wird in der Ausstellung sichtbar.“

Es gibt weiterhin ruinöse Häuser

Es wäre vermessen, zur Geschichte der Schlösser und Herrenhäuser in Brandenburg allein das Boitzenburger Haus zu befragen, das mit seinem frischen Teint und der lebendigen Bespielung nur für einen Teil der Wahrheit steht. Auch die Anwesen in Klessen (Havelland), Reckahn (Potsdam-Mittelmark), Sieversdorf (Oder-Spree) oder Badingen (Oberhavel) sind gut genutzte, gerne besuchte und restaurierte Beispiele der Rettung vor dem Verfall, neben vielen anderen märkischen Vorzeigehäusern.

Doch wer sich in Wulkow bei Booßen (Märkisch-Oderland) umsieht, weiß, dass der Vorkriegsbestand durchaus gefährdet bleibt. Wulkow liegt im Lebuser Land nahe Frankfurt (Oder), 1697 ließ Joachim Erdmann von Burgsdorff das eingeschossige Herrenhaus erbauen. Aus dieser Zeit hatten sich bis zum endgültigen Leerstand 1987 noch barocke Stuckdecken erhalten. Das Gebäude hatte den Zweiten Weltkrieg gut überstanden, wurde aber ab 1945 zur Materialgewinnung für Neubauernhöfe benutzt. Da keine Sicherung und Sanierung erfolgte, schritt der Verfall voran. 1989 und 1998 erwarben Investoren das Haus, die das inzwischen ruinöse Gebäude jedoch weiter verfallen ließen.

Vorbei an gut gesicherten Türen

Fast 40 dieser historischen Ensembles aus den Wojewodschaften Westpommern, Lebuser Land und Niederschlesien sowie den östlichen Bundesländern porträtiert die Ausstellung nun. Optisch ist die Schau sachlich gehalten, sie hält Distanz zum alten Glanz der Häuser, der in modernen Zeiten nicht mehr als Geste des Adels zu vermitteln ist, sondern als Anlaufpunkt für bürgerliche Ausflügler. Vorbei am Sicherheitsdienst des Landtages und seinen dicken Türen muss man dennoch – das Machtzentrum des Landes ist gesichert. Erst vor gut vier Jahren wurde es eröffnet. Mit der Patina der Häuser, die im Foyer des Parlaments gezeigt werden, kann es nicht konkurrieren.

Seit September 2014 treffen sich regelmäßig deutsche und polnische Denkmalpfleger. Ein Ergebnis der Zusammenarbeit ist die vorläufige Analyse des historischen Bestandes auf beiden Seiten der Grenze, die nach folgenden vier Kategorien den aktuellen Erhaltungsstand und die Nutzung der Gebäude gliedert: a) denkmalfachliche, gelungene Neunutzung, b) denkmalverträgliche Teilnutzung, c) erfolgreiche und solide Sicherung und d) Gefahr für den Bestand. Diese Liste umreißt die Reise vom schicken Boitzenburg bis hin zum nahezu morbiden Wulkow. Zwischen den Orten liegen gute 130 Kilometer. Sie liegen im selben Bundesland –doch stammen scheinbar aus verschiedenen Welten.

Von Lars Grote

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