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00:23 29.04.2019
Potsdam

Manchmal können die beiden Restauratorinnen Johanna Thierse und Nina Beck ihr Glück nicht fassen. Ihnen wurden die beiden Gemälde von Artemisia Gentileschi (1593-1654) anvertraut. Wer sich etwas auskennt, weiß, was die bedeutendste Künstlerin des Barocks geleistet hat. Sie hat sich als Malerin in einer von Männergewalt dominierten Welt behauptet und die Perspektive der rechtlosen Frau in die Kunstgeschichte eingebracht. „Vor allem aber finde ich ihre Bilder absolut großartig“, schwärmt Nina Beck.

So sah das Gemälde „Lukretia und Sextus Tarquinius“ vor der Restaurierung aus. Quelle: Michael Lüder

Im hochmodernen Restaurierungszentrum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) in Potsdam stehen die Großformate auf zwei Staffelein. Jahrzehntelang waren sie nicht zu sehen. Sie sind fester Bestandteil der Tanzgalerie im Neuen Palais, die baupolizeilich gesperrt ist – ein Zustand, der sich wohl auch in den nächsten zehn Jahren nicht beheben lassen wird.

Das Barberini wird ins Barberini geholt

Doch nun passiert ein kleines Wunder. „Uns ist es gelungen, das Barberini ins Barberini zu holen“, so die Kurzformel von Ortrud Westheider, Direktorin des Potsdamer Museum Barberini. Neben dem Palazzo Corsini ist der Palazzo Barberini in Rom die Heimstätte der italienischen Nationalgalerien. Im Potsdamer Nachbau werden vom 13. Juli bis zum 6. Oktober 54 barocke Meisterwerke aus Rom zu sehen sein, der Stadt also, aus der die Malerin Atemisia Gentileschi stammt.

Ein Scheck über 62 000 Euro

Ein Scheck über 62 000 von Sponsor Hasso Plattner hat es kurzfristig möglich gemacht, den Potsdamer Ölbildern die Teilnahme an der Ausstellung „Wege des Barock“ in Potsdam zu ermöglichen. Die Leinwände wurden aus den goldenen Rokokorahmen gelöst und werden nun intensiv von Experten untersucht und gründlich restauriert. Die Arbeiten sind insgesamt etwa doppelt so teuer, rechnet man die Leistungen des Labors und anderer Gewerke mit ein.

„Bathseba im Bad“ von Artemisia Gentileschi vor der Restauerierung. Quelle: Gerhard Murza

Die Restauratorinnen stützen sich bei ihrer Arbeit auf Röntgen-, UV- und Infrarot-Aufnahmen. Pigmente werden analysiert, um herauszubekommen, wie die Bilder ursprünglich ausgesehen haben. Besonders eindrucksvoll ist ein mikroskopischer Querschnitt durch alle Farbschichten einschließlich der Grundierungen.

Alte blutrünstige Geschichten

Franziska Windt, die Gemäldekustodin der Stiftung, erläutert, was die harte realistische Darstellungen der mythischen Frauenfiguren bedeutet. Es sind alte blutrünstige Geschichten. Die Römerin Lukretia wurde von Königssohn Sextus Tarquinius vergewaltigt. Und die verheiratete Jüdin Bathseba wurde beim Baden von König David entehrt. Brisant ist, dass die Malerin Artemisia Gentileschi genau dieses Schicksal widerfahren ist. Sie war von einem Freund ihres Vaters vergewaltigt worden. Als sie ihm den Prozess machte, wurde sie auch noch gefoltert und musste schließlich Rom verlassen.

Eine schöne Überraschung

Potsdam wusste bis in die 1980er Jahre gar nicht, dass sich in den Sammlungen zwei echte Gentileschis befinden. Friedrich II. versuchte zeitlebens, seine Italiensehnsucht mit Importen aus Italien zu stillen. Ein ödes Bürgerhaus neben dem Potsdamer Stadtschloss ließ er mit einer Fassade im Palazzo-Barbarini-Stil verblenden. Und für die Einrichtung seines Gästeschlosses Neues Palais schaffte er 1768 entsprechende Möbel und Bilder an.

Das Motiv sollte eine Lektion sein

Dabei stand er selber mehr auf die lieblich-durchgeistigte französische Rokoko-Malerei von Antoine Watteau. „Den König haben bei der Anschaffung nicht die Maler, sondern die Themen interessiert“, mutmaßt Kustodin Franziska Windt und erzählt, dass Friedrich II. mit den Bildern seinem sexuell umtriebigen Thronfolger-Neffen offenbar eine Lektion erteilen wollte. Der spätere Friedrich Wilhelm II. ließ sich dennoch bald scheiden und orientierte sich eher an den antiken Königen.

Ein brutaler Typ sollte her

Unter dem Gesicht des Vergewaltigers Sextus Tarquinius fanden die Restauratorinnen überraschenderweise ein anderes Gesicht, das sie auch freilegten. Franziska Windt versucht, das Rätsel zu erklären: „Vielleicht erschien dem Besitzer des Bildes der Mann mit dem Dolch zu jugendlich und zu feinsinnig. Er wollte ihn in einen älteren, brutaleren Typen verwandelt haben.“

Ein Caravaggio in Potsdam

Kathrin Lange, die Chefin der Restaurierungswerkstätten, freut sich über die Win-win-Situation in der Kooperation zwischen der staatlichen SPSG und der privaten Stiftung von Hasso-Platter. „Es geht schnell unter, dass wir in unseren Schlösser eine fantastische Ausstattung haben mit Spitzenwerken, die das Königshaus zusammengetragen hat.“ In der Tat: Wenn im Juli Caravaggios „Narziss“ als spektakuläre Leihgabe aus Rom gefeiert wird, ahnen die wenigsten Touristen, dass in der Dauerausstellung in der Bildergalerie neben Schloss Sanssouci stets ein Caravaggio besichtigt werden kann.

Ausstellungen für das Renommee

Kathrin Lange könnte sich gut vorstellen, auch die Potsdamer Schätze einmal auf Reisen zu schicken. Ein solcher Schritt könnte das internationale Renommee von Potsdam stärken. Aber sicher wäre dafür Rom nicht die richtige Adresse. Dort würde man mit einem Caravaggio oder auch mit einzelnen Gemälden von Artemisia Gentileschi oder Watteau untergehen.

Kooperation auf Augenhöhe

Das Museum Barberini raubt derzeit den Hohenzollern-Schlössern die Show, was sich an den Besucherzahlen ablesen lässt. Dass beide Institutionen nun vertrauensvoll auf Augenhöhe zusammenarbeiten, ist ein guter Schritt. Das Barberini wird seine Museums-App im Sommer auf italienisch geprägte Orte in der Stadt Potsdam ausweiten. Und bei Vorlage eines Tagestickets der jeweils anderen Einrichtung soll 25 Prozent Rabatt gewährt werden.

Von Karim Saab

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