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Kultur Kinemathek-Chef zu NS-Vorwürfen: „Stunde Null ist Fiktion“
Nachrichten Kultur Kinemathek-Chef zu NS-Vorwürfen: „Stunde Null ist Fiktion“
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17:27 14.02.2020
Die 70. Internationalen Filmfestspiele in Berlin beginnen am 20. Februar. Quelle: Britta Pedersen/dpa
Berlin

Nach NS-Vorwürfen gegen den ersten Berlinale-Leiter Alfred Bauer hat sich der Künstlerische Direktor der Deutschen Kinemathek, Rainer Rother, für einen genauen Blick auch auf andere Filmschaffende der Nachkriegszeit ausgesprochen. „Die Stunde Null ist eigentlich eine Fiktion“, sagte Rother in Berlin.

ARCHIV - 19.04.2018, Berlin: 19.04.2018, Berlin: Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek, bei einem Werkstatttermin. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

„Wir sollten genau hinschauen: Was haben die Betreffenden vor 1945 gemacht? Was haben sie sich zuschulden kommen lassen? Haben sie sich etwas zuschulden kommen lassen? Und was haben sie dann 1945 geleistet? Das ist in jedem Fall sicher eine Einzelabwägung.“ Rother plädierte dafür, „den Blick ein bisschen zu weiten und zu schauen, was eigentlich mögliche Kontinuitäten in der Filmbranche zwischen 1945 und dem Beginn von Bundesrepublik oder DDR waren.“

Kurz vor Beginn der Filmfestspiele (20. Februar bis 1. März) war die NS-Vergangenheit Bauers (1911-1986) in einem „Zeit“-Artikel thematisiert worden. Der erste Berlinale-Leiter sei ein „hochrangiger Funktionär der NS-Filmbürokratie“ gewesen. Bauer habe für die Reichsfilmintendanz gearbeitet, später soll er seine Rolle verschwiegen haben.

Berlinale will Festivalgeschichte aufarbeiten

Rother relativierte dies unter Hinweis auf erste Untersuchungen. „Die Vermutung, dass Alfred Bauer weiß gewaschen werden sollte, ist vollkommener Unsinn“, sagte Rother. Bauer habe zwar eine Frage nach Mitgliedschaft in der Reichsfilmintendanz verneint, seine Rolle dort aber im nächsten Satz und an anderer Stelle beschrieben. „Es war überhaupt nicht sein Bestreben, seine Rolle in der Reichsfilmintendanz zu verbergen.“ Die Reichsfilmintendanz war die höchste Entscheidungsebene der Branche im nationalsozialistischen Deutschland.

Die Berlinale hat bereits den Alfred-Bauer-Preis ausgesetzt und will die Festivalgeschichte „mit externer fachwissenschaftlicher Unterstützung“ aufarbeiten. Im Kulturausschuss des Bundestages sagten die Berlinale-Leiter Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian in dieser Woche, sie stünden aktuell mit drei unabhängigen Instituten für Zeitgeschichte in Kontakt.

Auch Rother verwies darauf, die Berlinale wolle eine Expertenkommission einsetzen. „Das unterstützen wir sowohl mit unseren bisherigen Recherchen als auch mit dem Knowhow, das wir haben.“

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Von Gerd Roth/dpa

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