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Kultur Weltpremiere für Film von Andreas Dresen
Nachrichten Kultur Weltpremiere für Film von Andreas Dresen
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19:57 09.02.2015
Kurze Verschnaufpause für die Leipziger Jugendgang: Pitbull (Marcel Heupermann), Rico (Julius Nitschkoff), Paul (Frederic Haselon), Dani (Merlin Rose) und Mark (Joel Basman, v.l.). Quelle: dpa
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Berlin

Laut, schnell, ruppig und voller Gewalt – nicht gerade das, was der Zuschauer mit einem Film von Andreas Dresen verbindet. Und tatsächlich hat sich der Potsdamer Regisseur mit der Verfilmung des Debüt-Romans „Als wir träumten“ von Clemens Meyer aufgemacht in neue harte Kinosphären. Das Schönste aber ist, dass Dresen dabei seinen zärtlichen und mitfühlenden Blick auf seine Figuren, der seit jeher seine Filme auszeichnet, nicht verloren hat.

Der Film, der am Montag Weltpremiere auf der Berlinale feierte, erzählt in mehreren Kapiteln und geschickten Rückblenden von Dani, Mark, Rico, Pitbull und Paul, die eben noch Pioniergedichte aufsagen mussten und sich jetzt plötzlich in einem neuen Deutschland wiederfinden. Sie knacken Autos, heizen mit ihnen grölend durch Leipzig, zertrümmern sie anschließend, nehmen Drogen und klauen. Die Jungs sind aus dem Reich der totalen Fürsorge in ein Reich absoluter Freiheit gestoßen, wo alles möglich scheint. Dass das ein Seiltanz über einem tiefen Abgrund ist, bekommen sie erst später mit. Jede Nacht ziehen sie durch die heruntergekommenen Randgebiete ihrer Heimatstadt und einige von ihnen fahren dabei am Ende ihr Leben an die Wand.

Die Schauspieler Ruby O. Fee und Merlin Rose in einer Szene des Films "Als wir träumten". Quelle: dpa

Es ist mitreißend zu sehen, wie die Lebensenergie aus ihnen nur so heraussprudelt, die jungen Darsteller machen das fabelhaft. Wild, verrückt und mit Techno-Sound unterlegt, inszeniert Dresen mit seinem Kameramann Michael Ham mon diese Nachwendezeit wie einen großen Rausch. Die Gesellschaft sucht noch nach ihren Fundamenten und der Traum der großen Möglichkeiten ist noch nicht vorüber. Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase hat den 500-Seiten-Roman verdichtet, vieles weggelassen, etwa die Montagsdemonstrationen und die Fußball-Kapitel mit Chemie Leipzig. Andreas Dresen braucht nicht Tausende Statisten, die rufen „Wir sind das Volk“. Ihm reicht eine kleine Szene, um von der Zeitenwende zu erzählen: Die Jungs finden Pornohefte im Schlafzimmer der Eltern und in der Küche steht eine Mikrowelle, in der sich so schön ein Ei platzen lassen lässt.

Auch Fragen von Schuld und Verstrickung, die großen Stasi-Dramen interessieren Dresen nicht. Er ist vielmehr ganz nah dran an seinen jungen Helden, denen er mittendrin im Strudel auch einmal ruhige Szenen voller Sehnsucht gönnt: Dani (Merlin Rose) ist unsterblich verliebt in Sternchen (Ruby O. Fee), die allerdings andere Pläne hat. Rico (Julius Nitschkoff) träumt von einer Boxer-Karriere, am Ende reicht es aber nur für die Kämpfe gegen die Nazis auf der Straße. Erwachsene, die den jungen Menschen Halt geben könnten, fehlen. Sie haben eigene Probleme, sind selbst arbeitslos und vom plötzlichen Verlust der Autoritäten überfordert.

MAZ-Interview mit Andreas Dresen

Techno, erste Liebe, Gewalt und die ganz großen Träume: Der Potsdamer Regisseur Andreas Dresen über seine Bestseller-Verfilmung "Als wir träumten", die von Leipziger Jungs erzählt, die eben noch Junge Pioniere waren und sich plötzlich in einem anderen Deutschland wiederfinden. mehr >

Eine der schönsten Szenen gelingt Dresen zu Beginn: In einem alten, ehemaligen Kino findet Dani seinen von Drogen gezeichneten Freund Mark (Joel Basman) wieder. Die beiden sind längst des illusioniert, man spürt diese Trau er. Dann geht das Licht des Projektors an und mischt sich mit den Erinnerungen von damals, als sie noch träumten. Romanautor Clemens Meyer übrigens hat auch eine kleine Rolle. Als Polizist entlässt er die Jungs auf der Wache und sagt: „Auf Wiedersehen, Freunde.“

Von Claudia Palma

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