Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Berliner Ensemble erinnert an Heiner Müller – im Bademantel
Nachrichten Kultur Berliner Ensemble erinnert an Heiner Müller – im Bademantel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:06 27.01.2019
Erinnerungen an Heiner Müller auf der Bühne des Berliner Ensembles, das dieser nach der Wende leitete. Quelle: imago/Martin Müller
Berlin

Heiner Müller war kein Menschenfreund und erst recht kein Marxist, der an die Morgenröte der Freiheit glaubte. Geschichte war für ihn eine unendliche Abfolge von Krisen: „Ohne Katastrophen“, sagte Müller einmal, gebe es „keine Entwicklung“. Die Schlacht von Stalingrad, die für ihn zur Obsession wurde, sei das „Fegefeuer des Kapitalismus“. Und „Auschwitz“, so seine niederschmetternde Einsicht, „eine Metapher für das Jahrhundert, vielleicht auch noch für das kommende, denn es geht um Selektion, für alle reicht es nicht mehr, alle können nicht überleben, also muss selektiert werden.“

Mit solchen Aussagen, die wie Hammerschläge auf die deutsche Politik niedersausten und jede Lust auf die Zukunft vermiesten, hat sich Müller nicht gerade beliebt gemacht. Autor Fritz Kater, hinter dem sich keine anderer als der Regisseur Armin Petras verbirgt, zitiert solche und ähnliche Müller-Sentenzen in seinem neuen Stück. Es trägt den Titel „heiner 1-4“ und ist alles andere als eine freundliche Hommage an den Theaterberserker, der 1995 verstarb und in diesen Tagen seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte.

Der Geist von Müller im Hause

Wo sonst als im Berliner Ensemble, das Müller nach der Wende leitete und wo bis heute noch seine legendäre „Arturo Ui“-Inszenierung in einer Endlosschleife gespielt wird, könnte die Uraufführung der ironisch-kritischen Kater-Verstimmung stattfinden? Fünf SchauspielerInnen (Bardo Böhlefeld, Felix Rech, Veit Schubert, Kathrin Wehlisch, Carina Zichner) suchen unter Anleitung von Regisseur Lars-Ole Walburg den noch immer durch die olle Brecht-Behausung und die deutsche Theatergeschichte geisternden Müller. Weil alle als Müller-Widergänger erscheinen tragen sie (meistens) schwarze Kleidung, paffen Zigarren und trinken Whiskey, manchmal heften sie sich Flügel an den Rücken, denn „wenn nichts mehr weitergeht“, so Müllers Maxime, „braucht man auf der Bühne einen Engel“. Wie ein Engel schwebt auch Kater/Petras durch Müllers Werk und Leben. Vor allem interessiert er sich für die letzten Jahre des Dichters, dem nach dem Mauerfall der Feind abhanden kam und der von einer lähmenden Schreibblockade heimgesucht wurde. Dafür ereilte ihn aber noch einmal privates Glück, er lernte die junge Brigitte Maria Mayer kennen und wurde, mit 63, noch einmal Vater.

Ein alter Mann im Bademantel

Die Darsteller schauen in das von Mayer 2005 veröffentlichte Fotoalbum („Der Tod ist ein Irrtum“) und beschreiben und kommentieren was sie dort sehen: einen alten Mann in Bademantel, der, bevor der Krebstod ihn zu sich holt, noch einmal aufblüht. Diese intimen Einblicke collagieren sie mit Müllers schwer verdaulicher Krisen- und Katastrophen-Philosophie. Um nicht vollends zu verzweifeln, retten sich die Akteure in eine furiose Farce, bolzen eine bizarre Slapsticknummer aufs Parkett und blödeln hinreißend über unwissende Intendanten, lustlose Regisseure, eingebildete Schauspieler und nervende Kritiker. Ein kesses Zwischenspiel, bevor uns eine mehrstimmige Text-Collage auf ein Floß setzt und wir mit dem untoten Dichter über die Spree hinaus ins Offene gleiten, etwas bedröppelt das Theater verlassen und denken: man müsste doch mal wieder Müller lesen. Im Original.

heiner 1-4“ ist im Berliner Ensemble (Kleines Haus) wieder am 2., 3., 16., 17. Februar zu sehen, Karten gibt es unter anderem bei der MAZ unter www.ticketeria.de im Internet.

Von Frank Dietschreit

Jan Böhmermann prescht im Fernsehen gerne nach vorn und legt sich mit Erdogan, Merkel und Co. an. Beim ersten von zwei Berliner Konzerten mit Songs aus dem „Neo Magazin Royale“ macht er immer wieder Platz für seine Gäste, darunter Jan Delay.

27.01.2019

Wer im DDR-Fernsehen einen bestimmten Künstler noch einmal sehen wollte, setzte sich am Sonntagnachmittag vor das TV-Gerät: Vor 45 Jahren ging der „Wunschbriefkasten“ auf Sendung. Aber natürlich wurde nicht jeder Wunsch erfüllt.

27.01.2019

Vor 25 Jahren brachte Steven Spielberg den Holocaust ins Kino: Nun startet „Schindlers Liste“ zum Gedenktag an die NS-Opfer noch einmal. Eine Wiederbesichtigung.

26.01.2019