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Kultur Brechts „Eduard II.“ open air in Potsdam
Nachrichten Kultur Brechts „Eduard II.“ open air in Potsdam
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18:09 30.07.2019
Prinz Eduard (Marius Mik), Königin Anna (Magdalena Thalmann) und König Eduard II. (Laurenz Wiegand, v. l.) im Potsdamer T-Werk. Quelle: Philipp Plum
Potsdam

Er trägt den Tisch hinaus, denn vor der Tür wird es jetzt endlich kühler, dann holt er eine Flasche Wasser. Kai Frederic Schrickel kommt gerade aus dem Urlaub, bis gut 5000 Meter ging es in Peru hinauf – jetzt aber spricht er über Bertolt Brecht, als der Dichter noch kein Himmelsstürmer war, noch kein Marxist, aber schon ein Frauenheld. Schrickel hat Regie geführt bei der märkischen Brecht-Uraufführung im Potsdamer T-Werk, auf dem Programm stand „Das Leben Eduard des Zweiten von England“, es geht um Liebe unter Männern. Die Frau vom Suhrkamp-Verlag hat vor Freude gegluckst, als Schrickel mit seinem Neuen Globe Theater aus Potsdam nach den Rechten des Dramas fragte. Sie sei schon viele Jahre dabei, „doch seitdem ich hier bin, hat noch niemand dieses Stück gespielt.“

Auf dem Plakat liegt wehmütig ein junger Mann zu Füßen seines Königs, die Bauchmuskeln sind definiert, er ist ein Posterboy mit Trauer in den Augen. Träge und sinnlich wie Freddie Mercury lehnt Gaveston auf dem Schoß von Eduard dem Zweiten, beide tragen ein sehr goldenes und enges Höschen. Sie blicken in die Kamera, als würden sie um Hilfe bitten. Sie wollen Ruhe. Doch werden beäugt – Liebe unter Männern war in der Zeit um 1320 keine Selbstverständlichkeit.

Das neue Globe Theater aus Potsdam besteht im Kern aus Kai Frederic Schrickel und Andreas Erfurth, die ihren Traum vom eigenen „fahrenden“ Theater verwirklicht haben und mit ihrer Truppe im ganzen deutschsprachigen Raum unterwegs sind. Es wurde 2015 gegründet.

In diesem Jahr steht „Leben Eduards des Zweiten von England“ in der Fassung von Brecht auf dem Programm, der sich an eine Fassung von Christopher Marlowe gehalten hat.

Während der Schirrhofnächte wird „Eduard II.“ im Potsdamer Kulturquartier Schiffbauergasse open air am 3. und 4. August gespielt, je 20 Uhr. www.t-werk.de

Christopher Marlowe hat das Drama „Eduard II.“ geschrieben, es wurde 1594 gedruckt, ein Jahr nach seinem Tod. Bertolt Brecht hat es 1924 bearbeitet, zusammen mit Lion Feuchtwanger suchte er neue Wege für den König. 20 Prozent hat er von Marlowe behalten, 80 Prozent geändert. Feuchtwanger sagte zu Brecht, der noch mit Blankversen hantierte: Finde deine eigene Stimme, brich die Zeilen, schreibe nicht zu gefällig! Wenn man so will, ist Brecht mit „Eduard II.“ zu Brecht geworden. In der DDR hat niemand das Stück gespielt, weil es frei von Klassenkampf war.

Schrickel sagt, sie haben jetzt ein anderes Bild für das Programmheft genommen, das Konterfei von Eduard II. im Gegenlicht, der Pelz von seinem Mantel ragt in die Nacht wie feine Grashalme im Mondschein. Das ist unverfänglich, nahezu geschlechtslos. Bei der unverblümt ins Bild gerückten Liebe unter Männern, die von Marlowe erstmals auf die Bühne gehoben und von Brecht als Thema ins 20. Jahrhundert eingeführt wurde, gab es Widerstände. Ausgerechnet im Kollegenkreis. Das Neue Globe Theater aus Potsdam geht auf Tournee mit seinen Stücken, darum präsentiert es immer im Herbst auf der Messe „Inthega“ in Bielefeld die Pläne für das neue Jahr, um Gastspiele auszuhandeln. „380 Ensembles waren dort, niemand außer uns hat Brecht gespielt, wir hatten dieses frische, unbekannte Stück und dachten: Was für ein Coup!“

Am Ende mussten sie feststellen, dass die Homoerotik des Stücks auf Vorbehalte stößt. Nur eine Handvoll Engagements gab es, in Pullach, Hameln, Uelzen, Neu-Isenburg. „Dabei ist das ein Königsdrama, kein Stück aus der Herrensauna“, sagt Schrickel. Um „Die Streiche des Scapin“ von Molière hatten sich im Jahr zuvor noch alle gerissen.

Die E-Gitarre wirkt wie eine Waffe

„Wenn man Zeitung liest, glaubt man ja, das Thema sei durch und das normalste von der Welt“, erzählt Schrickel, doch als er mit seiner Frau durch Peru reiste, habe ein junger Mann zur Gruppe gezählt, der den Koch „süß“ fand – der Reiseleiter, ein kultivierter Kerl, habe geraunt: „Ich werde dir schon die richtige Frau suchen.“

„Über diese Frage muss weiterhin gesprochen werden, sie gehört auf die Bühne“, glaubt Kai Frederic Schrickel. Darum hat er es in einen nahezu nackten Raum gestellt, denn das Stück ist wortgewaltig und braucht keine Kulissen. Eduards Frau Anna kann mit der Ablehnung des schwulen Gatten nicht umgehen, sie wird zur Rächerin und bringt ihn um. Eduards Sohn erzählt die Geschichte vom Bühnenrand, seine E-Gitarre wirkt wie eine Waffe.

Weil die Brisanz des Stücks nicht immer für Erfolge steht, haben sie sich im Ensemble überlegt: Im nächsten Jahr den „Figaro“ von Beaumarchais! Figaro, da bleiben keine Fragen offen. Könnte man glauben. Doch Schrickel korrigiert: „Es geht im Stück doch lupenrein um die Me-Too-Debatte.“ Der Graf fordert das Recht der ersten Nacht, als sein Diener heiraten will. Ohne Fallhöhe macht es das Neue Globe Theater nicht, hier bleiben sie sich treu.

Von Lars Grote

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