Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Bilder von Eleonore Lingnau-Kluge in Potsdam
Nachrichten Kultur Bilder von Eleonore Lingnau-Kluge in Potsdam
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:35 28.03.2019
"Verkündigung" von Eleonore Lingnau-Kluge, Acryl, 71x81 cm, entstanden 1991. Quelle: Galerie Sehmsdorf
Potsdam

Sie ist mit Greta Garbo verwechselt worden, ihre reservierte Schönheit hat den Männern den Kopf verdreht. Dennoch blieb Eleonore Lingnau-Kluge lange Jahre ledig, weil sie wusste: „Wenn ich heirate, fehlt mir Kraft und Antrieb für die Kunst.“ Im Umkehrschluss bedeutete das leider, dass sie als ungebundene Frau nicht leben konnte von der Malerei, ohne einen Mann im Rücken, der sie finanzierte. Sie blieb angewiesen auf ihr Gehalt als technische Zeichnerin.

Eine Auswahl von Lingnau-Kluges Bildern ist derzeit zu sehen in der Potsdamer Galerie „Kunst-Kontor“. Sie wurde 1913 in Danzig geboren und starb 2003 in Berlin-Wannsee. Ihre Danziger Herkunft lässt sich ablesen an den Gemälden, einige wirken wie die Fenster der Marienkirche, die sie als Kind nahezu täglich sah. Ihre Flucht zum Ende des Zweiten Weltkriegs war ein Drama, sie sollte auf die „Wilhelm Gustloff“, ein vollbesetztes Schiff, das im Januar 1945 beschossen wurde und mit 9000 Menschen sank. Durch einen Zufall war sie auf der „Nautilus“ gelandet. Und blieb unversehrt. „Das war meine zweite Geburt“, glaubte sie.

„Selbstporträt“, Eleonore Lingnau-Kluge (1955) Quelle: Galerie Sehmsdorf

Auch die Erfahrung des Überlebens lässt sich auf den Bildern erkennen, sie nahm es als göttliche Fügung – ihr katholischer Glaube gab ihr Halt. Und den Bildern einen leisen, doch unverkennbaren Unterton. Die Arche Noah ist dort abgebildet, auch die Heiligen drei Könige erkennt man. Es sind keine frömmelnden Werke, dafür sind sie viel zu farbenfroh und sinnlich, auch wenn es wenig Körperliches und kaum Individualität zu sehen gibt. Ihr Selbstporträt von 1955 ist eine Ausnahme, sie schaut sich in die Augen, kein Beiwerk, das ablenkt von dem eigenen Antlitz. Sie gibt sich energische Züge, dennoch wirkt die Malerin verträumt.

Ihre Töne neigen zum Moll, dennoch findet man meist einen leisen Gegenpol in Dur. Wenn Lingnau-Kluge eine Taube mit Ölzweig malt, ist das ein Zeichen der Hoffnung. Eines ihrer Bilder heißt „Lobpreisung“, und genau wie jenes mit dem Ölzweig deutet es auf ein Motiv der Bibel, dem man stilistisch sehr viel Gegenwart ansieht. Denn ihre Abstraktionen sind plausibel, sie wirken der Natur entlehnt, vor allem den Vögeln.

Dennoch steckt Barock in diesen Werken, nicht alleine wegen der Ästhetik der Marienkirche aus Danzig, sondern auch deshalb, weil der Aufbau ihrer Malerei so aufgeblättert wirkt, wie man das von großen, orchestralen Akkorden kennt – und aus einer Suite von Bach.

Eines ihrer Bilder heißt „Zuwendung“, viele Köpfe schauen nach links. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass aber eines nach rechts guckt. Diesem Einen schauen alle anderen in die Augen. Und er bemerkt: Die Form der Zuwendung ist vielfältig. Sie hat, buchstäblich, viele Gesichter.

Dass sie Geige und Klavier gelernt hat, sieht man den Bildern an, sie haben einen Fluss, fast eine Harmonie, die abgelesen scheint vom Notenblatt. Doch aus dem Takt kam sie zumindest zeitweilig, als sie doch noch die Ehe schloss und ihre Unabhängigkeit aufgab. Bei der Hochzeit ist sie 58 Jahre alt gewesen, ihr Mann war Sprachpsychologe. Vielleicht was das zu viel der Analyse für ihr Werk. Und vermutlich trank er zu viel Alkohol, um ihrer künstlerischen Arbeit gut zu tun.

Eleonore Lingnau-Kluge ist nie ein Star gewesen, dieses Los teilt sie mit vielen talentierten Frauen ihrer Generation. Es ist gut, dass die Galeristin Friederike Sehmsdorf ihren Nachlass nun in einer einleuchtenden Auswahl zeigt – weil es hier Bilder zu entdecken gibt, die über einen Glanz verfügen, der so erzählstark wirkt wie ein modern bebildertes Kapitel aus dem Alten Testament.

INFO Eleonore Lingnau-Kluge in der Galerie „Kunst-Kontor“, Bertiniweg 1a, Potsdam. Di, Mi 15-19 Uhr, Do 15-20 Uhr, Sa 13-18 Uhr. Bis 6. April.

Von Lars Grote

Lange Zeit galt die Jugend als unpolitisch und konsumorientiert. Mit den „Fridays for Future“-Demos zeigt sich, ihr Interesse an Politik nimmt wieder zu. Der drohende Klimawandel mobilisiert eine neue Protestgeneration.

31.03.2019

„Rammstein“ zeigen sich in einem kurzen Clip in KZ-Uniformen und erregen damit die Gemüter. Der Direktor zweier KZ-Gedenkstätten reagiert darauf mit einem Angebot.

28.03.2019

Rammstein sorgen mit einem 35-Sekunden-Schnipsel zum neuen Video für Furore und Kritik. Musikproduzent Thomas Stein versteht die Aufregung nicht – er hat eine eigene Meinung zum Thema.

28.03.2019