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Kultur So war das Konzert von Bob Dylan in Berlin
Nachrichten Kultur So war das Konzert von Bob Dylan in Berlin
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00:26 07.04.2019
Bob Dylan, hier im spanischen Benicassim im Jahr 2012. In seinen aktuellen Shows dürfen keine Fotos gemacht werden. Quelle: DPA

Wie war Bob Dylan drauf?

Für Dylans Stimme gab es nie ein seriöses Kriterium, auch am Donnerstag in Berlin ließ sie sich nicht präzise vermessen. Singt er, wimmert er, betet er? Sie senkt sich langsam in die Tiefen von Tom Waits. Manchmal schien es, als tanze er ein wenig, als wippe er. Bob Dylan kam leicht wankend auf die Bühne, das war kein Rock’n’Roll, sondern das Alter.

Er ist jetzt 77 Jahre. Man weiß so gut wie nichts über ihn, aktuelle Liebe, aktueller Wohnsitz, niemand kann das ausleuchten – doch sein Alter trägt er beiläufig zur Schau, daraus hat er auch in Berlin kein Geheimnis gemacht. Trotzdem spielte er den Flügel meist im Stehen. Wahrscheinlich braucht Dylan die Musik, wie Helmut Schmidt die Zigaretten brauchte: Ohne sie würde er eingehen.

Wie waren Sound und Bühne?

Der Sound war wunderbar, zumindest in den ersten Reihen. Das kennt man sonst ganz anders in der Arena am Ostbahnhof. Sie schien geeignet für Fan-Chöre bei Eishockeyspielen, aber bei Rockkonzerten gab es meist ein fieses Wummern. Anders bei Bob Dylan: Der Flügel klang glasklar. Die Bühne war ein enges, gemütlich arrangiertes Studio, in dem die fünf Männer, alle in Anzügen, spielen und jammen konnten.

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Scheinwerfer, die an die gute alte Zeit erinnerten, gaben dem Abend einen Dämmer, der beruhigend wirkte. Dylan hatte keine Leinwand im Rücken. In den letzten Reihen wird man allenfalls das Weiß seines Jacketts erahnt haben. Details versanken im Ungefähren. Selbst vorne vor der Bühne war nicht letztgültig zu klären, ob das ein Oberlippenbart gewesen ist, der sich dem Meister und Literaturnobelpreisträger über den Mund legte.

Wie war die Stimmung im Publikum?

Die Leute tun alles, so lange Dylan nur für die spielt. Sie gingen am Eingang durch eine Sicherheitsschleuse, wie man sie von Flughäfen kennt. Sie ließen sich sagen, dass sie während des Auftritts keine Fotos mit dem Handy machen dürfen – und sie hielten sich daran! Allerdings ist eine strikte Drohung ausgesprochen worden: Wer sein Handy in die Luft hält, für Fotos oder Filme, wird der Halle verwiesen.

Die Ordner saßen in den Gängen und kamen mit der Taschenlampe, wenn sie einen Verstoß bemerkten. Sonst aber andächtigen Wippen bei den Leuten. Manchmal ein verzücktes Jauchzen. Die oberen Ränge der Halle wurden mit Sichtblenden verhängt, die restlichen knapp 10000 Plätze waren nahezu ausverkauft.

Was waren die besonderen Momente der Show?

Jedes Lied war ein besonderer Moment, weil der Groschen erst nach zwei, drei Takten fiel. Bob Dylan zerlegt seine Lieder, er tut es seit Jahrzehnten. Es dauerte meist eine Weile, bis man Stücke wie „Serve Somebody“, „Twist of Fate“ oder „It ain’t me you looking for, Babe“ erkennt. Klassiker wie „Like a Rolling Stone“ und „Blowin’ in the Wind“, das er als Zugabe spielte, sind für Fans natürlich umgehend am Text zu identifizieren.

Dylans Sound ist eine Mischung aus Jazz, Rock’n’Roll und Schnulze, mitunter stampft ein Blues. Am allerschönsten aber war die Fassung von „Don’t think twice“, eine herrliche Andacht, fast nur der Flügel war zu hören, der Scheinwerfer alleine auf Bob Dylan gerichtet, und am Ende die Mundharmonika. Zum Weinen schön.

Das Fazit

Der Mann verzog keine Miene, er redete nicht mit dem Publikum, sagte nicht „hallo“ und nicht „danke“, am Ende verbeugte er sich, nach fast zwei Stunden. Und zwischendurch sang er seine Lieder auf dieser endlosen Tournee, die irgendwann in den 80er-Jahren begann und mittlerweile fast 3000 Konzert umfasst. Ein Konzert ohne Handys, die empor gereckt wurden. Nur Leute, die zuhörten. Dieses Gefühl ist so schlicht und verzaubernd, dass es intensiv wie ein kurzer, intensiver Ausstieg aus dem 21. Jahrhundert wirkte.

Von Lars Grote

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