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Kultur Brandenburger Baukulturpreis geht nach Kyritz
Nachrichten Kultur Brandenburger Baukulturpreis geht nach Kyritz
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20:57 26.10.2019
Sanierte Kleinsthäuser in Kyritz. Quelle: Julian Michael Klein
Kyritz

Bis zur gegenüberliegenden Wand sind des dreieinhalb Meter. In die Breite erstreckt sich der Raum nur über etwa sieben Meter. Darin ein Mini-Badezimmer, eine kleine Sitzecke, eine Miniatur-Küche mit einer Bodenklappe zum Abgang in den Keller unterm Tisch. Oben im Dachgebälk schwebt ein Hängeboden mit zwei Betten, zu denen eine Leiter führt. Willkommen in einem der Kleinsthäuser an der Stadtmauer von Kyritz (Ostprignitz-Ruppin).

Die Weberstraße in Kyritz vor der Sanierung. Quelle: Kannenberg

Sechs solche Mini-Domizile sind dort in den vergangenen fünf Jahren entstanden – oder besser gesagt wieder auferstanden aus Ruinen. Denn eigentlich handelt es sich um die einstigen Behausungen der Ärmsten der Stadt, die sich dort gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine Bleibe bauten. Die Stadt Kyritz hatte sich entscheiden, diesen Teil ihrer Baugeschichte zu bewahren. Dafür wurde sie und das für die Sanierung verantwortliche Architekturbüro Kannenberg & Kannenberg aus Wittstock am Freitag in Potsdam mit dem diesjährigen Brandenburgischen Baukulturpreis ausgezeichnet.

Nach der Sanierung. Quelle: Julian Michael Klein

Ein Preis, der Mut machen sollte, für ähnlich kühne Vorhaben in Brandenburg. Denn ursprünglich waren viele Bürger in Kyritz nicht gerade begeistert von dem Vorhaben, das zwar fast vollständig über Fördermittel finanziert werden konnte, aber immerhin rund zwei Millionen Euro gekostet hat. „In der Stadtverordnetenversammlung wurde lange diskutiert, ob man das nicht alles wegreißen soll“, sagt Bürgermeisterin Nora Görke. Kein Wunder. Der Zustand der Häuser war katastrophal. Die Dächer kaputt, die Mauern marode und feucht, das Gelände vermüllt. Die Stadt kaufte die Ruinen auf und ließ sie sanieren. Heute sind die Mini-Häuser an ein Hotel verpachtet und dienen als Ferienwohnungen. Für Architektin Bärbel Kannenberg ein Erfolg. Denn es brauche schon eine Portion Courage zu sagen „das sieht zwar verkommen aus, aber wir lassen es nicht verkommen“.

Die Wittstocker Architekten hatten eine Vision für Kyritz. „Die Besinnung auf die eigene Geschichte schafft Identität für die Menschen in dieser Region“, sagt Kannenberg. Gerade in Gegenden, die sich abgehängt fühlten, sei es wichtig zu spüren, dass man auf die eigenen Vergangenheit stolz sein kann. Und auf diese Sanierung können die Kyritzer stolz sein.

So sah es innen aus. Quelle: Kannenberg

Zumal die Architekten damit zugleich eine Zukunftsperspektive entworfen haben. Kyritz hat mit seinen Häuschen, wohl eher zufällig einen Trend erwischt. Kleinsthäuser sind derzeit vor allem bei Menschen en voque, die das Einfache, Sparsame lieben, die möglichst wenig Ressourcen verbrauchen wollen und für die Freiheit auch bedeutet, sich um weniger Besitz kümmern zu müssen. Sie interessieren sich für sogenannte „Tiny Houses“, kleine Einfachhäuser, wie sie meist im Internet zum Kauf oder zum Eigenbau angeboten werden. In Kyritz stehen nun welche – frisch saniert.

Und sie haben zudem eine lange Geschichte. Entstanden sind diese Budenhäuschen im 18. Jahrhundert nachdem die Stadtmauer schon lange keine militärische Bedeutung mehr hatte und die Bürger auch jenseits davon siedelten. Mit der Bauernbefreiung und der Gewerbefreiheit war ein Landproletariat entstanden. An der Stadtmauer in der Kyritzer Weberstraße durften sie sich niederlassen. In kleinen, bescheidenen Häuschen, in denen zum Teil bis zu zehn Tagelöhner und Handwerker lebten – auf rund 30 Quadratmetern. Zu DDR-Zeiten waren sie noch bis in die 80er-Jahre bewohnt, dann begannen sie eins ums andere in sich zusammenzufallen.

Küche, Wohnzimmer, Schlafraum – alles in einem auf 30 Quadratmeter. Quelle: Julian Michael Klein

Wer die Bilder von damals sieht, kann es fast nicht glauben: schicke Häuschen stehen heute in der Weberstraße. Die Architekten haben alles Alte, das noch zu gebrauchen war behalten und die Leerstellen durch moderne Materialien wie Stahl und Beton ergänzt. Auf der Höhe der ehemaligen Stadtmauer wurden die Außenwände durch ein schmales Fensterband durchbrochen, so dass mehr Licht in die Wohnungen fällt. Hinter die alten Fenster wurden Isolierscheiben gesetzt, die Wände wieder mit Lehm verputzt, die Räume entsprechend der beengten Verhältnisse möbliert und mit einem modernen Heizungssystem ausgestattet. Entstanden sind so intelligent geschnittene Appartements, die in ihrer Pragmatik an Studentenwohnheime erinnern.

Architektin Bärbel Kannenberg glaubt, dass die Häuschen langfristig auch ein attraktives Angebot für junge Leute sein können. Im Ballungsraum Berlin werde das Wohnen immer teurer. Wer nicht viel Geld hat und noch ohne Familie, könne hier günstig und einfach leben, dank einer guten Zugverbindung ohne von der Großstadt abgehängt zu sein. Heute sind es noch Touristen, morgen vielleicht schon Jugendliche oder überzeugte Wohlstandsverweigerer, die in die „Tiny Houses“ an der Kyritzer Stadtmauer ziehen. Platz gäbe es allerdings nur für sechs Mietparteien.

Von Mathias Richter

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