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Kultur Institutsleiter starten Kampagne für Wissenschaft
Nachrichten Kultur Institutsleiter starten Kampagne für Wissenschaft
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18:01 10.05.2019
Das Deutsche Elektronen-Synchrotron (Desy) erforscht die Materie. Der Leiter der Zeuthener Abteilung, Christian Stegmann, will den Wert solcher Forschung öffentlich diskutieren. Quelle: dpa
Potsdam

Matthias Steinmetz, Ulrike Tippe und Christian Stegmann sind Wissenschaftler in leitender Funktion und sie alle sind an brandenburgischen Einrichtungen tätig. Matthias Steinmetz ist Direktor des Leibnitz-Instituts für Astrophysik in Potsdam (AIP), Ulrike Tippe ist Präsidentin der Technischen Hochschule Wildau (THW) (Dahme-Spreewald) und Christian Stegmann leitet das Deutsche Elektronen-Synchrotron in Zeuthen (Dahme-Spreewald).

Jetzt haben sie eine Gemeinsamkeit mehr: Sie zeigen Gesicht für die Wissenschaft, ja, sie sind sogar Initiatoren einer neuen brandenburgischen Kampagne, die den Wert einer unabhängigen Wissenschaft betont. „Wissen schafft Verständnis, Zukunft, Sicherheit“ steht auf den Schildern, die die drei Professoren in die Kamera halten. Die drei hoffen, dass sich noch viele ihrer Aktion „Wissen schafft...“ anschließen.

Noch gute Bedingungen für Wissenschaft

Dass die Wissenschaft in Brandenburg zumindest im Moment gar keinen so schlechten Stand hat, weiß auch Desy-Chef Christian Stegmann. Zum Beispiel sollen außeruniversitäre Institute laut Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) künftig jährliche Mittelzuwächse um drei Prozent verzeichnen. Anders als in den USA sind die märkischen Hochschulen und Institute auch keineswegs offenen Angriffen von Seiten der Regierung ausgesetzt.

Andererseits sieht Stegmann auch Anzeichen, dass sich die Stimmung drehen könnte. „Wir beobachten zunehmend ein emotionalisiertes und rückwärtsgewandtes Denken, das nach einfachen Erklärungen sucht“, so Stegmann. „Dagegen müssen wir frühzeitig etwas tun und den Wert der unabhängigen Wissenschaft für alle betonen.“

Seine Kollegen Tippe und Steinmetz schließen sich an. Die Mathematikerin Tippe weist darauf hin, dass es das Abtauchen in sogenannten Filterblasen auch in Deutschland gebe, der Astrophysiker Steinmetz ist beunruhigt vom Brexit, von der 5-Sterne-Partei in Italien und auch von der Gelbwestenbewegung. Die Bewegungen zeigten alle Züge von Irrationalität.

Fremdenfeindlichkeit schreckt Forscher ab.

Stegmann sieht in Brandenburg selbst die Wissenschaft zumindest indirekt schon geschädigt: durch zunehmende Fremdenfeindlichkeit. Ein ausländischer Interessent für eine Stelle am Zeuthener Desy habe ihn erst kürzlich gefragt, ob er mit seiner dunkelhäutigen Familie überhaupt in den Ort ziehen könne, eine indische Mitarbeiterin des Instituts sei in der S-Bahn angepöbelt worden. Die Zunahme von Aggressionen sei nicht nur subjektiv, sondern durch Statitiken belegt, sagt Stegmann. „In Zeuthen herrscht grundsätzlich eine sehr gastfreundliche Atmosphäre“, stellt er klar. Aber nur wenn es so bleibe, könne die international arbeitende Wissenschaft ihr Potenzial entfalten. Darum sollten sich auch Bürger der Kampagne anschließen. Das Desy allein schaffe zum Beispiel 250 Arbeitsplätze.

Positive Impulse für die Region kann auch die TH Wildau vermelden. Präsidentin Tippe nennt den Innovations Hub 13. Im Rahmen dieses großen Projekts schauen zum Beispiel sogenannte Innovationsscouts der THW und auch der Brandenburgisch-Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg bei kleinen und mittleren Unternehmen nach, wie sie diese mit neuestem Wissen unterstützen können.

Damit all das weiterhin möglich wird brauche es gute Rahmenbedingungen, betont der Astroteilchenphysiker Stegmann. Dazu gehöre eine offene Gesellschaft, eine internationale Orientierung und eine Wertschätzung wissenschaftlicher Fakten. Gerade im Hinblick auf die anstehenden Landtagswahlen wollen die Forscher dieser Voraussetzungen für gute Wissenschaft betonen.

„Wir wollen die Leute nicht bekehren“, sagt die Mathematikerin Tippe. „Uns geht es darum, Interesse zu wecken und in eine Diskussion zu treten.“ Für Steinmetz wiederum ist die Wissenschaft eine Methode, die die Gesellschaft unglaublich weit gebracht hat. „Das sollte man nicht vergessen“. mahnt er.

Mit parteipolitischen Positionen halten sich die Initiatoren zurück. Sie betonen aber, dass die Wahlen in diesem Jahr auch ein Anlass der Kampagne waren. Explizit wissenschaftskritisch äußert sich von den im Landtag vertretenen Parteien derzeit nur die AfD. Die Partei fordert in ihrem Grundsatzprogramm zum Beispiel die Abschaffung der Gender-Forschung. Unter dem Abschnitt Energiepolitik schreibt die AfD-Brandenburg, die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung beruhe „auf bisher unbewiesenen hypothetischen Klimamodellen“. Tatsächlich sind sich Wissenschaftler weltweit einig, dass die rasante globale Erwärmung dem Verbrennen fossiler Brennstoffe geschuldet ist.

Der Aktion „Wissen schafft“ hat sich inzwischen auch die Universität Potsdam angeschlossen. Öffentlich Gesicht zeigen werden die Wissenschaftler und Potsdamer Bürger heute in Potsdam zum Beispiel beim „March for science“, der um 11 Uhr am Alten Markt beginnt. Die Kampagne will aber im Laufe des Jahres noch weitere, eigene Aktionen starten. Zunächst einmal können sich Interessierte unter „https://wissen-schafft.org/#mitmachen“ ein Schild herunterladen, sich damit fotografieren und ihr Lob der Wissenschaft online stellen.

Von Rüdiger Braun

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