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Kultur Brandenburgs Staatsorchester auf dem Vormarsch
Nachrichten Kultur Brandenburgs Staatsorchester auf dem Vormarsch
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11:44 20.06.2019
Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt bei einem Gastspiel in der Kulturkirche Neuruppin. Quelle: Peter Geisler
Potsdam

Wenigstens ein A-Sinfonieorchester mit 86 Musiker-Stellen leistet sich das Land Brandenburg. 25 Jahre, nachdem es die Potsdamer Regierung in den Rang eines Staatsorchesters erhoben hat, steht das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (BSOF) recht gut da. Keiner spricht von Unterfinanzierung. Das Land hat den jährlichen Förderanteil auf 80 Prozent erhöht (6,6 Millionen Euro), die Stadt steuert 1,65 Millionen Euro zu. Durch Eigeneinnahmen und Sponsoring erhört sich das Jahresbudget auf neun Millionen Euro.

Ein ehemaliges Kloster als Heimstatt

In der Grenzstadt Frankfurt (Oder) sinkt die Einwohnerzahl. In der Konzerthalle „Ph. E. Bach“, einer ehemaligen Klosterkirche, halten die Nachfahren von Bach und Beethoven unverdrossen die Fahne der Hochkultur hoch. Vor einem Jahr wechselte die Führung des Klangkörpers. Jörg-Peter Weigle wurde Generalmusikdirektor und Roland Ott Intendant. Vor zwei Wochen ist das Orchester – erschöpft, aber hochzufrieden – von einer Japan-Tournee zurückgekehrt. Schließlich darf sich das BSOF auch Kulturbotschafter des Landes Brandenburg nennen. Die Kosten für die acht Gastspiele in Metropolen wie Tokyo und Kyoto wurden aber allein vom japanischen Veranstalter aufgebracht. Wenige Tage später folgte im Rahmen der Potsdamer Musikfestspiele eine große Jacques-Offenbach-Revue open air am Neuen Palais.

Nicht nur Wiener Klassik

Das Saisonheft 2019/20 ist gut 100 Seiten stark. Das Programm dürfte nicht nur in Ostbrandenburg interessieren. Laut Auskunft des Orchestersprechers Uwe Stiehler gibt es in Frankfurt immerhin 400 Abonnenten für die sechsteilige Reihe „Wiener Klassik“. Und mehr als 200 würden sich jede Spielzeit ein Anrecht auf fünf oder auch alle zehn Philharmonischen Konzerte sichern. Auch im Nikolaisaal in Potsdam werden die Frankfurter neun reguläre Konzerte geben. Eine Zeitreise soll hier am 15. Februar eine Beethoven-Reihe eröffnen. Vorbild ist eine vierstündige Aufführung, wie sie Beethoven als Veranstalter durchgeführt hat. Er ließ neben anspruchsvollen langen auch kurzweilige Stücke aufführen. Ein Höhepunkt in Richtung Leichte Muse verspricht das Neujahrskonzert mit Katharine Mehrling zu werden. Mit den Hits der Goldenen Zwanziger tritt das Orchester um die Jahreswende nicht nur in Potsdam und Frankfurt, sondern auch noch in Schwedt und im Konzerthaus Berlin auf. Mit anderen Programmen reist das BSOF auch nach Brandenburg/Havel, Rheinsberg und Neuruppin.

Open air auf den Seelower Höhen

Für die nächste Spielzeit hat sich das Staatsorchester das Motto „Krieg oder Frieden“ gewählt. Damit erlaubt es sich eine leichte Abwandlung der geplanten Kulturlandkampagne 2020, die 75 Jahre nach dem Potsdamer Abkommen unter dem Thema „Krieg & Frieden“ durchgeführt wird. Generalmusikdirektor Weigle plant für den 15. Mai ein großes Open-Air-Konzert auf den Seelower Höhen. Für die Aufführung der Leningrader Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch, die in der eingekesselten Stadt 1942 uraufgeführt wurde, wird sich das Orchester zusätzlich verstärken müssen.

Maximilian Hornung wird Artist in Residence

Besonders stolz sind die Frankfurter, die gern auf eine „Tradition seit 1842“ verweisen, dass sie den Cellisten Maximilian Hornung als Artist in Residence gewinnen konnten. Neben seiner Cello-Professur an der Münchner Musikhochschule hat er sich viel vorgenommen. Er wird große Cello-Konzerte aufführen – etwa von Edward Elgar, Joseph Haydn, Franz Schubert, Samuel Barber, Dieter Ammann oder dem 1994 verstorbenen Witold Lutoslawski.

Blick nach nebenan

Mit Henryk Gorecki (1933–2010) steht bei der Saisoneröffnung am 20. September ein weiterer polnischer Komponist auf dem Spielplan. Darüber hinaus ist mit der Philharmonie Poznan ein gegenseitiges Gastspiel verabredet. Künftig soll der Austausch mit Polen noch intensiviert werden, verspricht Weigle.

Ein Oratorium als Rarität

Musikhistorisch besonders interessant verspricht ein Lieblingsprojekt von Jörg-Peter Weigle am 6. März 2020 zu werden. Mit dem Staatsorchester und dem angesehenen Philharmonischen Chor Berlin, den er ebenfalls leitet, möchte er ein in Vergessenheit geratenes Oratorium von Georg Schumann (1866–1952) aufführen. Das neuromantische Werk wurde nach seiner Uraufführung 1909 viel gefeiert, fiel später bei den Nazis aber in Ungnade. Das Mammutvorhaben wird am 11. März im Großen Saal der Berliner Philharmonie wiederholt.

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