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Kultur Brandenburgs Museen: Bei bis zu acht Prozent der Kulturgüter unklar, wem sie gehören
Nachrichten Kultur Brandenburgs Museen: Bei bis zu acht Prozent der Kulturgüter unklar, wem sie gehören
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01:15 10.05.2019
Diese Tafel erinnert zu DDR-Zeiten an die historischen Ereignisse im Haus in der Kyritzer Maxim-Gorki-Straße 38. Es befindet sich jetzt im Besitz des Heimatvereins der Stadt. Quelle: Alexander Beckmann
Potsdam

In Brandenburgs Museen lagern zahlreiche Gegenstände, von denen nicht klar ist, wem sie eigentlich gehören. Eine Dienstag veröffentlichte Studie des Museumsverbandes des Landes Brandenburg kommt zu dem Ergebnis, dass die Herkunft von bis zu acht Prozent der Museumsbestände aus DDR-Zeiten im Land nicht geklärt ist. „Die Spannbreite der betroffenen Objekte reicht vom einfachen Haushaltsgerät über Bücher, Silbergeschirr und Möbel bis hin zu Kunstwerken wie Gemälde und Skulpturen“, sagte Alexander Sachse vom Museumsverband, der die Studie im Auftrag des Deutschen Zentrums Kulturverluste in Magdeburg durchgeführt hat. Dabei handelt es sich um Gegenstände, die ihren Eigentümern zwischen 1945 und 1989 – also während der sowjetischen Besatzungszeit und zu DDR-Zeiten entwendet wurden.

Vier Museen untersucht

Untersucht wurden vier ehemalige DDR-Museen in Brandenburg. Das damalige Bezirksmuseum Viadrina in Frankfurt (Oder) sowie die drei einstigen Kreismuseen Eberswalde (Barnim), Strausberg (Märkisch-Oderland) und Neuruppin. Ergänzt wurden die Nachforschungen in den jeweiligen Stadt- und Kreisarchiven, im Brandenburgischen Landeshauptarchiv und im Bundesarchiv Berlin.

Auch wenn es sich um lediglich vier Einrichtungen handelt und die großen Museen wie zum Beispiel die beiden Häuser des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst in Frankfurt (Oder) und Cottbus außen vor blieben, sind die ermittelten Zahlen durchaus repräsentativ, wie der Wissenschaftliche Vorstand des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste, Gilbert Lupfer sagte. Der Leiter des Fachbereichs Provenienzforschung des Zentrums im Magdeburg, Uwe Hartmann, formulierte es kürzlich bei eine Vortrag über den Bestand ostdeutscher Museen etwas drastischer: „Wir sind vollgestapelt mit Dingen, die uns nicht gehören.“

Das sieht man beim Landesmuseum allerdings anders. Man habe an den Standorten Cottbus und Frankfurt (Oder) kein Restitutionsproblem, sagt Museumssprecher Christian Melzer. Die wenigen Fälle, die bislang aufgetaucht seien, habe man geklärt.

Genaue Zahlen fehlen noch

Um wie viele Objekte es sich bei den vier Brandenburger Museen handelt, wollte Sachse vom Brandenburger Museumsverband auf Nachfrage nicht im Detail erläutern. Doch die Bestandszahlen lassen erahnen, in welchen Dimensionen sich die ungeklärten Besitzverhältnisse bewegen. Straussberg, das kleinste der untersuchten Museen, nennt rund 700 Gegenstände sein eigen, im größten, dem Frankfurter Viadrina-Museum, lagern etwa 100 000 Objekte. Neuruppin hat nach eigenen Angaben zirka 30 000 Stücke im Depot.

Abhanden gekommen sind die Wertstücke ihren Besitzern zunächst in den ersten Jahren der sowjetischen Besatzung und während der Bodenreform bei der Plünderung und Beschlagnahme von Kulturgütern in Schlössern und Herrenhäusern. Vieles mussten sogenannte Republikflüchtlinge oder legal ausgereiste DDR-Bürger hinterlassen. Hinzu kommen Kunstgegenstände, die ihren Eigentümern durch die Kriminalisierungspraktiken oder das Ausstellen überhöhter Steuerbescheide abgepresst wurden. So manches wurde später in den Westen verkauft.

Noch 1990 wurden Kulturgüter mit unklarer Herkunft erworben

In die Museen kamen solche Dinge zum Teil, indem sie von staatlichen Einrichtungen übergeben oder beim Staatlichen Kunsthandel der DDR erworben wurden. Noch 1990, in den letzten Tagen vor dem Beitritt zur Bundesrepublik, kauften drei der vier untersuchten Museen Kunstgegenstände bei der Kunst und Antiquitäten GmbH dank finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Kultur der DDR. Nach Sachses Recherchen erwarben sie an einem Tag „jeweils mehr als 100 Objekte“. Sie gaben den Angaben zufolge damals mehr als 100 000 DDR-Mark aus. Die Kunst und Antiquitäten GmbH gehörte zum Imperium von Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski.

Ob es sich dabei ausschließlich um entwendete Kulturgüter handelt, ist derweil nicht klar. Denn es dürften auch schlicht Nachlässe darunter sein, für die es keine Erben gab. Und ein Teil lasse sich vermutlich auch nicht mehr aufklären, sagte Zentrums-Vorstand Lupfer.

Ministerium unterstützt Provenienzforschung

Fest steht immerhin: Es vermissen nach wie vor Privatpersonen Kulturgüter, die ihnen zu DDR-Zeiten abgenommen wurden. Doch wer bis zum 31. Mai 1995 keinen Restitutionsantrag gestellt hatte, hat keinen Rechtsanspruch mehr. Und da es, anders als bei NS-Raubgut, wo es über dass sogenannte Washingtoner Abkommen ein Bekenntnis zur Rückgabepflicht gibt, bislang keine politische Regelung existiert, haben die Betroffenen dann wenig Chancen, an ihr ehemaliges Eigentum zu kommen.

Es ist dann eine moralische Frage. „Und da wird es schwierig“, räumt der Sprecher des Potsdamer Kulturministeriums, Stephan Breiding, ein. Das zeigten die derzeitigen Debatten um Raubkunst aus der Kolonialzeit. Wo die Rechtslage aber geklärt sei, müssten entsprechende Güter auf alle Fälle zurückgegeben werden, sagte Breiding. Deshalb unterstütze das Ministerium weitere Provenienzforschung in Brandenburgs Museen.

Von Mathias Richter

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