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Kultur Terézia Mora ist kein „Fräuleinwunder“
Nachrichten Kultur Terézia Mora ist kein „Fräuleinwunder“
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20:52 15.11.2018
Liest in Caputh: Die Georg-Büchner-Preisträgerin 2018 Terézia Mora. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Potsdam

Es ist, als hätte Terézia Mora den renommiertesten Literaturpreis Deutschlands, den Georg-Büchner-Preis im Oktober nicht bekommen. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung würdigte damit ihr Gesamtwerk, das noch im Entstehen ist. Die Bank war so verwundert über den Eingang des höchsten literarischen Preisgeldes von 50.000 Euro, dass sie die Überweisung direkt stornierte. Die Schriftstellerin musste den Geldsegen erst einmal erklären. Sie zählt spätestens mit diesem Preis zu den wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen der Gegenwart und liest am Freitag im Rahmen von „Literatur am See“ in Caputh.

„Dennoch hat man mir das Wasser abgestellt! Ist denn das zu glauben?“, scherzt Terézia Mora. Im Alltag bringt ihr der Preis nichts. Aber er sagt aus, dass der 47-Jährigen nicht nur einmal etwas gelungen ist, sondern kontinuierlich. „Man guckt sich an, wer den Preis noch bekommen hat und da freue ich mich, dass Kollegen sagen, dass ich in den Club aufgenommen bin, weil das ein Club ist, zu dem ich gehören möchte“, sagt Mora. In dem Club sind unter anderen der gleichaltrige Dichter Jan Wagner und die „klügste Autorin, die wir haben“ Felicitas Hoppe, wie Mora die Autorin beschreibt, bei der ihr „das Gehirn aufgeht“. Gute Literaten hätten eine undefinierbare Genialität, die sie etwas mit dem Material der Sprache machen lässt, was niemand außer ihnen kann und die Lesenden in Bereichen berührt, die sie nicht rationalisieren können.

Deswegen hat Terézia Mora auch nach dem Lesen ungarischer Nachrichten Robert Frost und Ingeborg Bachmann gelesen. Mora gehört zu den Menschen, die wenn sie traurig werden oder einsam, ein gutes Gedicht lesen. „Da war etwas Widerliches dabei“, sagt sie über die Nachricht des fehlenden Mitgefühls der ungarischen Regierung mit Geflüchteten.

Ideologiefreie Literatur

Während das Soziale und Kulturelle von der ungarischen Regierung runtergewirtschaftet würde, ginge es zumindest dem Inhalt der Literatur dort gut, sagt sie. Autoren hingen nicht von staatlicher Finanzierung ab, wie Theater. Sie bräuchten nur einen Stift, Papier und Internet zum Schreiben. „Es stimmt nicht, das die Literatur mit einer schlechteren politischen Lage besser wird.“ Sie würde nicht schlechter, aber auch nicht besser. Mora ist von ihren ungarischen Kollegen begeistert, weil sie eine realistische Prosa schreiben. „Der Alltag, den sie beschreiben, ist schon aufregend genug und das gibt zu denken“, sagt Mora, die auch aus dem Ungarischen übersetzt. Ob das kritisch genug ist? Für Mora schon, denn Kunst wolle frei sein und nicht irgendeiner Idee dienen.

Auch Terézia Mora kennt politische Wendungen. Sie ging 1990 nach Berlin. Die Stadt strukturierte sich neu und Mora sich mit. Ihr ging es nicht um Ideologien und Nationalitäten. Sie ist genervt, wenn man sie als Ungarin zur Politik befragt, weil man die gleiche populistische Sprache auch in Deutschland höre. Sie wollte aus der ungarischen Stadt Sopron weg, weil es ihr dort zu eng und fremdbestimmt wurde. Erst das hat ihr das ermöglicht zu sein, was sie mit 19 Jahren sein wollte: eine Schriftstellerin. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich die seelische Stärke dafür in Ungarn aufgebracht hätte. Die Gesellschaft hier ist dahingehend weniger repressiv“, sagt sie.

Kein „Fräuleinwunder

„Ich habe die Überschriften der Zeitungen gelesen, und dort stand ein ums andere Mal, dass ich Ausländer und eine Frau sei, also Ausländerin“, merkt sie in ihrer Dankesrede zum Büchner-Preis an. Als „Fräuleinwunder“ wurde Mora bei ihrem Debüt 1990 bezeichnet – auch andere Schriftstellerinnen bis hin zur jungen Helene Hegemann. Es sei nicht gelogen zu sagen, dass sie Frau und Ausländerin sei. Der Begriff gäbe ihr aber das Gefühl, dass ihr Werk allein nicht genügen würde. Es zu thematisieren zeige, dass es zu wenig relevante Kategorien gäbe über ein Werk zu sprechen. „Ich fühle mich da eingeschränkt, weil meine Figuren anders denken, nicht fremd sondern tiefsinnig sind.“

Im Grunde denke Mora immer in Büchern und nicht in Preisen, die sie gerade bekommen habe. Erst kurz vor der Preisvergabe hat sie ein neues Manuskript fertiggestellt und bei ihrem Lektor abgegeben. „Mein Fokus ist jetzt: Was passiert mit dem neuen Manuskript?“. Es wird der dritte Band der Trilogie um den IT-Spezialisten Darius Kopp, der versucht, sich nach einer Reise, wieder in einer deutschen Gesellschaft zu integrieren. „Danach schreibe ich dann zu anderen Themen“, sagt Mora.

Lesung im Rahmen von „Literatur am See“ am Freitag, 23. März 2018 um 19.30 Uhr in der Remise am See, Straße der Einheit 86, 14548 Caputh.

Von Jan Russezki

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