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Kultur 400 000 DDR-Bürger stellten einen Ausreiseantrag
Nachrichten Kultur 400 000 DDR-Bürger stellten einen Ausreiseantrag
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16:58 12.08.2019
Vor 58 Jahren riegelte die DDR die innerdeutsche Grenze ab. Quelle: foto:
Potsdam

Mit dem Bau der Mauer am 13. August 1961 fügte die DDR-Führung der Idee des Sozialismus maximalen Schaden zu. Auch wenn der kommunistischen Obrigkeit die rigorose Grenzziehung eine fast absolute Verfügungsgewalt über ihre Untertanen einbrachte, wird das Geschichtsbild der DDR nun von Stacheldraht und Kontrollwahnsinn dominiert.

Mit Chuzpe und Raffinesse

Fernweh und Fluchtgeschichten nehmen einen breiten Raum ein, will man sich rückblickend das Leben in der DDR vorstellen. Dem facettenreichen Thema hat der Ch. Links Verlag bereits viele solide Sachbücher gewidmet. Der Titel „Faszination Freiheit. Die spektakulärsten Fluchtgeschichten“ (2000) erlebt gerade seine siebte Auflage und erzählt, mit welcher Zähigkeit, Chuzpe und Raffinesse außergewöhnliche Menschen das DDR-Grenzregime überwunden haben. Die Neuauflage von „Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961-1989“ (2009) erweist sich als opulentes Nachschlagewerk über Menschen, die an der Demarkationslinie ihr Leben ließen.

Es gab keine Formulare

Eine echte Neuerscheinung 30 Jahre nach Mauerfall ist das Buch „Ständige Ausreise“. Es widmet sich denen, die auf legale Weise versucht haben, der DDR zu entkommen. Offiziell gab es gar keine Möglichkeit, einen „Ausreiseantrag“ zu stellen. Ein formloser Brief mit diesem Anliegen konnte dem Antragsteller bereits als Verstoß gegen die Gesetze der DDR ausgelegt werden.

Unbestimmte Wartezeit

Fast 400 000 DDR-Bürger wählten dennoch diesen Weg und nahmen dafür viele Unwägbarkeiten, Ungewissheit und Schikanen in Kauf. Die Herausgeber Jana Göbel und Matthias Meiner schreiben im Vorwort „Wie lange die Wartezeit bis zur Ausreise währte, das wusste keiner. Es gab keine Regel. Der Staat war unberechenbar, auch das gehörte zum Konzept.“

Perspektive West

In journalistischen Porträts über 24 Grenzgänger kommen unterschiedliche Fälle, Einstellungen und Stimmungen zur Sprache. Uwe-Carsten Günnel musste fünf Jahre warten, bis er 1984 die DDR verlassen konnte. Ein unbequemer „notorischer Dableiber“ wie Roland Jahn wurde im Gefängnis 1983 bedrängt, einen Ausreiseantrag zu unterschreiben, obwohl er die „Heimat nicht SED und Stasi überlassen wollte“. Die Erfurter Russischlehrerin Ingrid Lauten formulierte 30 bis 40 Ausreiseanträge, bis sie 1988 „nach vier Jahren, drei Monaten und neun Tagen“ innerhalb eines Tages raus durfte. Davor musste sie in einem HO-Laden arbeiten. Dass die Kolleginnen dort nicht gerade nett zu ihr waren, erklärt sie sich mit „Neid“. „Ich hatte eine Perspektive, die anderen fehlte.“

Lebenslanges Projekt

Zu den Autoren des Buches zählt auch MAZ-Sportredakteur Ronny Müller, der die Berlinerin Angelika Brauner vorstellt. Die 1948 Geborene verfolgte seit dem 13. August 1961 beharrlich das Ziel, die Mauer zu überwinden. Für die Umsetzung ließ sie sich Zeit, bis die Kinder für sich selbst entscheiden konnten. Das Angebot der Staatssicherheit, schneller rauszukommen, wenn sie über ihre Kollegen berichtet, schlug Angelika Brauner aus.

info Jana Göbel / Matthias Meisner (Hrsg.): Ständige Ausreise. Schwierige Wege aus der DDR. Ch. Links Verlag, 294 Seiten, 18 Euro.

Von Karim Saab

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