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Kultur Was meinen Brandenburger Kulturinstitutionen zum AfD-Vorsitz im Kulturausschuss?
Nachrichten Kultur Was meinen Brandenburger Kulturinstitutionen zum AfD-Vorsitz im Kulturausschuss?
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20:35 03.12.2019
Möchte nicht, dass der Kulturausschuss des Landesparlamentes in Potsdam durch einen AfD-Politiker geleitet wird: Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Quelle: Detlev Scheerbarth
Potsdam

Am Mittwoch soll der Kulturausschuss des Landtags einen Vorsitzenden wählen. Nominiert ist dafür der AfD-Politiker Hans-Christoph Berndt – eine höchst umstrittene Personalie. Die Märkische Allgemeine hat namhafte Kultureinrichtungen im Land nach ihren Einschätzungen gefragt.

Martin Sabrow*, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Der Historiker Martin Sabrow, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Quelle: dpa

„Mit großer Sorge beobachten wir in den vergangenen Jahren Äußerungen von Parteien und Gruppierungen, die darauf abzielen, die Massenverbrechen des Nationalsozialismus zu verharmlosen und damit das gesamte gesellschaftspolitische Klima negativ zu verändern. Umso wichtiger erscheint es, gerade den Vorsitz des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Brandenburgischen Landtages so zu besetzen, dass kritische Aufarbeitung, Vielfalt, Respekt und Toleranz gesichert bleiben. Die Pressemitteilung, dass für den Vorsitz des Kulturausschusses offensichtlich der AfD-Abgeordnete Christoph Berndt vorgesehen ist, erfüllt uns mit großer Sorge.“

* Dies ist eine gemeinsame Stellungnahme von Martin Sabrow, Zentrum für Zeithistorische Forschung, Christoph Martin Vogtherr, Stiftung Schlösser und Gärten, und Axel Drecoll, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Hendrik Röder, Geschäftsführer des Brandenburgischen Literaturbüros

Hendrik Röder, Brandenburgischen Literaturbüro. Quelle: Andreas Vogel

„Mit einem AfD-Vorsitz im Kulturausschuss verbinde ich weder Hoffnungen noch Befürchtungen. Der Kulturbetrieb ist zwar auch von den politischen Verwerfungen betroffen, was man anhand zahlreicher Debatten und Petitionen beobachten kann. Aber die eigentliche Bewährung besteht darin, dem Publikum ein Angebot zu unterbreiten, das zur Auseinandersetzung einlädt, nicht nötigt.“

Julia Diebel, Sprecherin der Filmuniversität Babelsberg

Julia Diebel, Filmuniversität. Quelle: Filmuniversität

„Selbstverständlich beobachten wir die Wahl zur Besetzung dieser wichtigen Position mit Interesse und sind zuversichtlich, dass der Ausschuss eine sachgerechte Entscheidung treffen wird. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir unserer gebotenen Neutralitätspflicht gegenüber politischen Parteien nachkommen und parteipolitische Personalia nicht kommentieren.“

Bettina Jahnke, Intendantin des Hans-Otto-Theaters

Bettina Jahnke, Hans-Otto-Theater Potsdam Quelle: Thomas M. Jauk

„Natürlich alarmiert mich die Vorstellung, dass der Kulturausschuss von einem AfD-Politiker geleitet werden soll. Gerade diese Partei steht für eine völkische, nationale und ausgrenzende Kulturpolitik, die dem Programm des Hans-Otto-Theaters diametral entgegensteht: HOT heißt für uns Haltung, Offenheit und Toleranz und steht für ein weltoffenes Kulturverständnis.“

Franz Schopper, Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege

Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege. Quelle: Rüdiger Böhme

„Wir freuen uns, dass der Denkmalschutz und die Denkmalpflege im Koalitionsvertrag der drei regierenden Parteien stark gemacht wurde. Hierfür hoffen wir, wie bisher praktiziert, beim Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kultur auf unterstützende Begleitung.“

Justus Demmer, Sprecher des RBB

Justus Demmer, Rundfunk Berlin-Brandenburg. Quelle: rbb Presse & Information

„Der RBB kommentiert parlamentarische Entscheidungen als Sender grundsätzlich nicht, ein Kommentar wäre – wenn – eine redaktionelle Aufgabe, nicht die der Intendantin.“

Günter Morsch*, ehemaliger Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Günter Morsch, ehemaliger Direktor der Brandenburgischen Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen. Quelle: dpa

„Wir sind erschrocken, wie schnell Parteien in Brandenburg bereit sind, die parlamentarische Zuständigkeit für das Gedenken und Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus einem Vertreter einer Partei zu überlassen, von der offen die Verbrechen des Nationalsozialismus geleugnet, relativiert oder banalisiert werden und aus deren Reihen eine vollständige Wende in der deutschen Erinnerungskultur angestrebt wird. Wir erinnern z. B. an den Auftritt einer AfD-Besuchergruppe in der Gedenkstätte Sachsenhausen, aus der heraus u. a. die Existenz von Gaskammern geleugnet wurde... Sollte tatsächlich ein Vertreter der AfD zum Vorsitzenden des Kulturausschusses durch SPD, CDU, Linke, Grüne/B 90 und BVB/Freie Wähler gewählt werden, würde Brandenburg ein fatales und skandalöses Signal für die ganze Bundesrepublik setzen.“

* Dies ist ein gemeinsames Statement mit Jürgen Kocka, Vorsitzender des Fördervereins der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen.

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