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Kultur Comic-Künstler Ralf König streitet sich mit Rowohlt-Verlag um Hängehoden
Nachrichten Kultur Comic-Künstler Ralf König streitet sich mit Rowohlt-Verlag um Hängehoden
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23:11 19.05.2019
Comiczeichner Ralf König findet, dass die Welt prüder geworden ist. Quelle: Ole Spata/dpa
Berlin

Eigentlich erklärt der Comiczeichner Ralf König (58), in seinem neuen Buch „Stehaufmännchen“ (Rowohlt, 192 Seiten) nur die menschliche Evolution. Verständlich, dass dort auch Nacktheit zum Einsatz kommt. Doch ein Detail soll nun für Streit zwischen dem Künstler und dem Verlag geführt haben. Denn auf dem Cover sitzt ein Homo Habilis – mit einem hängenden Hodensack.

Laut „Spiegel“ wünschte sich der Verlag Änderungen. Die Hoden seien zu dick. „Den Damen vom Vertrieb war das fürs Cover zu dick“, wird König im „Spiegel“ zitiert. „Die meinten, das verschrecke den Buchhandel.“ Offensichtlich ist König auf die Änderungswünsche eingegangen. Denn nun hält sich der haarige Mensch einen brennenden Zweig vor das Geschlechtsteil – mit dem neuen Cover erscheint der Comic am Dienstag.

Mehr zum Thema: Ausstellung von Ralf König: Courage, Kerle, Knollennasen

Ralf Königs Comics brachten die homosexuelle Szene zum Lachen

König wundert sich über die veränderte Haltung in der Öffentlichkeit: „Die Zeiten werden prüder.“ König zeichnete in den Achtziger Jahre drei Erfolgscomics: „Lysistrata“, „Kondom des Grauens“ und „Der bewegte Mann“. Alle drei Bände erzählen von der homosexuellen Szenen – und sind zum Lachen. Ein Novum zu der Zeit. König findet, dass seine Scherze befreiend gewirkt hätten.

Im Laufe seiner Karriere als Zeichner eckt König häufig an. Sein Buch „Bullenklöten!“ wäre nach Wunsch Ansicht des Bayerischen Landesjugendamts am besten auf dem Index gelandet. Denn es würde Kinder und Jugendliche sozialethisch desorientieren. Auch das Cover von „Dschinn Dschinn“ provozierte: Es zeigte einen Schwulen in rosafarbenen Sandalen, der einen Muslim auf den Bart tritt. Hier waren die Kritiker Konservative und Strenggläubige. Doch das änderte sich vor ein paar Jahren.

Plötzlich: Rassistische Vorwürfe gegen Ralf König

Auch 2015, da malte König ein Wandgemälde für das Rainbow House der LGBTQ-Gemeinde (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender and Queer) in Brüssel. Es zeigt verschiedenste Personen aus der Gemeinde – für ihn typische Figuren. Doch 2018 stand plötzlich „Transphobia“ in rot über dem Wandgemälde – und „Racism“. Nun kamen die Kritiker aus seiner Szene und warfen ihm vor, Vorurteile zu haben.

Ralf König wehrt sich gegen den Vorwurf. „Solche Aktionen sagen mehr aus über die Intoleranz dieser selbst ernannten Zensurbeauftragten. Denn wenn’s nach denen ginge, wäre jede Ironie, jede satirische Übertreibung, jeder selbstironische Blick auf die Szene ein Angriff auf wen auch immer. Mich schaudert bei dem Gedanken, in so einer Gesellschaft zu leben: verbissen, aggressiv, immer einen Grund suchend, sich selbst und sein Weltbild zum Alleingültigen zu erklären. Ich zucke mit den Schultern und mache weiter wie bisher“, wird König im „Spiegel“ zitiert. Die schwule Szene, seine Szene, scheint nicht wiederzuerkennen.

Von RND/goe

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