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Kultur Country und verrückte Herzen
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19:38 28.04.2019
Wandelt durch selbstsicher durch Country, Folk und Artverwandtes: Grammy-Gewinner Ryan Bingham. Quelle: Promo
Potsdam

Sollen wir wieder mal beim Oscar für Ryan Bingham anfangen? Klar, warum nicht. Die begehrte Auszeichnung heimste der Musiker aus New Mexiko vor zehn Jahren für den besten Song ein – für „The Weary Kind“ aus dem Trinker-Drama „Crazy Heart“ mit Jeff Bridges als Country-Musiker in der Hauptrolle. Überflüssig zu erwähnen, dass Bingham, der bis dahin mit The Dead Horses einige Platten eingespielt hatte, nun endlich wahrgenommen wurde. Seine Qualitäten hatten sich herumgesprochen.

Sein jüngstes Album „American Love Song“ wird es auch. Der Enddreißiger gibt mitunter den Songwriter, der es sparsam zu seinen Selbstauskünften mag. Dann wiederum – auch das ein Markenzeichen des aufgeschlossen agierenden Musikers – gibt es staubigen Rock, gepaart mit klapprigem Blues, Soul und Südstaaten-Rock. Und immer wieder vortrefflich ausgestattete Country-Songs, die von Ryan mit großem Herzen unters Volk gebracht werden. Ein erstaunlicher Typ.

Welche hervorragende Rolle die Mandoline im Schaffen des Duos Mandolin Orange aus North Carolina spielt, findet der Zuhörer rasch heraus. Quelle: Promo

Was für eine Ehre: Mandolin Orange durften auf dem Newport Folk Festival auftreten. Unzweifelhaft das Konzertereignis, das dieses Genre mit Grüßen wie Pete Seeger, Joan Baez oder dem frühen Bob Dylan seit inzwischen 60 Jahren feiert. Und dies sehr offen für Musizierformen verschiedenster Herkunft. Das Duo Mandolin Orange bildet da keine Ausnahme. Andrew Marlin und Emily Frantz, die gleich auf mehreren Instrumenten brilliert, haben eine sehr eigene Form gefunden, Bluegrass, Folk und Soft-Rock auf galante und feinsinnige Art zusammenzuschnüren. Wie jüngst auf ihrer Platte „Tides Of A Teardrop“.

Dass die Mandoline darauf erneut eine schmeichelhafte wie maßgebliche Rolle erhält, versteht sich beim Namen des Doppels von allein. Dabei schrieb sich Andrew einiges von der Seele. Der Tod seiner Mutter, die an den Komplikationen einer Operation starb, schlich sich weit hinein in die Texte. Dennoch, beide harmonieren vorzüglich. Seit zehn Jahren schon.

Daddy Long Legs kommen zwar aus New York. Doch Großstadtcowboys sind sie nicht. Vielmehr klingen sie sehr nach den Südstaaten. Quelle: York Wilson

Man kann sie rasseln hören – die Ketten der Chain Gang. Jener Häftlinge, die aneinandergekettet, irgendwo in den Südstaaten Steine brechen oder Straßen bauen. Zur röhrenden Mundharmonika gibt der Vorsänger raspelnd die Melodie vor, die von den in Eisen gelegten Jungs beantwortet wird. Ein Prinzip, das im Blues, Gospel und im Worksong steckt.

Robust, roh und rabiat widmen sich Daddy Long Legs diesen älteren Musikformen Amerikas. Mit einem Gestus, der eher aus dem Punk herkommt. Das Trio aus Brooklyn hat „Lowdown Ways“ zu einem derben, hochexplosiven und ungezähmten Album gemacht. Unverkennbar bieten die Jungs Roots Music, wie sie unflätig, scharf und schlüpfriger nicht zu haben ist.

Die Konzerte: Ryan Bingham tritt am Montag, dem 29. April, um 21 Uhr, im Heimathafen Neukölln auf. Daddy Long Legs sind am Donnerstag, dem 2. Mai, ab 21 Uhr in der Zukunft am Ostkreuz in Berlin-Friedrichshain zu hören. Mandolin Orange kommen am Donnerstag, dem 2. Mai, um 20 Uhr ins Lido in Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam

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