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07:00 30.09.2019
Isolde Seyfarth aus Falkensee liebt die Trompete, als sei das Instrument eine robuste, doch sensible Freundin. Quelle: Lars Grote
Falkensee

Isolde Seifarth trägt ihre Trompete einerseits mit einer Vorsicht, als halte sie ein Haustier auf dem Arm. Andererseits wird ihre Miene sorglos, wenn sie zur Trompete greift, sie lacht, weil sie sich sicher ist, dass dieses Instrument sich wehren kann, es ist eine robuste Freundin. „Die Trompete ist ein Signalinstrument, man kann sich nicht mit ihr verstecken. Wer sie spielt, der will gehört werden“, sagt sie.

Isolde ist 15, sie lebt in Falkensee (Havelland) und spricht derart verbindlich, als lebe sie von guten Büchern, von klugem Radio und gucke am Abendbrottisch nicht auf ihr Handy, sondern rede mit der Familie. „Ich habe gelernt, bitte und danke zu sagen“, erzählt sie, nicht mit dem Stolz der Streberin, sondern als Kennerin des Instruments. Demut hilft ihr bei der Zwiesprache mit der Trompete, denn die Trompete kennt zwar den Kasernenton, sie kommt vom Militär, vom Marsch, von der Einsilbigkeit der Männer – doch Isolde liebt das Instrument vor allem dann, wenn es sich romantisch zeigt. In der Romantik sind „bitte“ und „danke“ sozusagen Schlüsselwörter, ohne sie bleibt alles stecken auf dem Feld des Lauten, Groben und Verkürzten.

Von Russland bis Nambia

Das Landesjugendblasorchester Brandenburg besteht aus Mitgliedern zwischen ca. 14 und 27 Jahren. Künstlerischer Leiter ist der Bad Freienwalder Dirigent Endrik Salewski.

Für das Auswahlorchester muss man sich durch ein Vorspiel qualifizieren – meist zwei Mal pro Jahr treffen sich die Mitglieder zu Probenphasen, zu einer Arbeitsphase in den Osterferien und zu einer Konzertreise in den Herbstferien.

Bisherige Konzertreisen des Brandenburger Orchesters führten beispielsweise nach Italien (Perugia), Frankreich (Nizza), Russland (Wologda, Moskau), Großbritannien (Cardiff, Bath) und Namibia.

Im Januar hat sie eine neue Trompete gekauft, „eine Profi-Trompete, schon für die Zukunft“. Was die Zukunft bringt? „Ich will an die Uni mit dem Instrument, das wäre supertoll!“ Warum? „Wenn ich die Trompete in die Hand nehme, habe ich ein Kribbeln im Bauch, es fühlt sich sooo gut an!“ Wenn man mit Isolde über Musik spricht, steckt immer ein Ausrufezeichen in ihrer Antwort, ohne dass sie die Stimme heben muss. Sie redet fest und doch verträumt. Alle Zweifel schwinden aus den Sätzen, wenn sie über die Trompete spricht. „Ich will die erste Trompeterin in einem Berliner Orchester werden.“ Ausrufezeichen. Das Instrument ist in männlicher Hand. Sie will das ändern.

Und was bringt die greifbar nahe Zukunft, vor dem Studium und ihrem Schritt in die Berufsmusik? Kurz verschwindet ihre gute Laune. „Große Spinnen und Skorpione.“ Sie überlegt. „Und Keime im Leitungswasser.“ Doch dann muss sie selber lachen über ihre Furcht, weil sie bemerkt, dass das nicht mehr nach einer unerschrockenen Frau an der Trompete klingt.

Mit dem Landesjugendblasorchester Brandenburg fliegt sie nach Kuba, seit Samstag sind sie dort. Freitag Morgen um 1.30 Uhr wurde sie abgeholt in Falkensee, endgültiger Treffpunkt des Orchesters war Bad Freienwalde, von dort ging es zum Flughafen nach Düsseldorf. Ohne Stop sind sie nach Varadero auf Kuba geflogen, 16 Tage bleibt das Orchester auf der Insel. Spinnen, Skorpione und Keime? Ein Klassenkamerad ist Halb-Kubaner, Isolde geht in die 10. Klasse einer musikorientierten Schule, er hat sie beruhigt: „Keine Bange, es ist ein tolles Land!“

Ihr Bruder ist ein begehrter Mann

Das Brandenburger Orchester reist mit gut 50 jungen Musikerinnen und Musikern an, sie spielen zwei Konzerte in Havanna, auch in der deutschen Botschaft, je eines in den Städten Trinidad und Varadero. Deutsche Märsche stehen auf dem Programm, die Europahymne „Ode an die Freude“, komponiert von Beethoven, und das Stück „Havana“ von Camila Cabello, ein Latino-Popsong mit 822 Millionen Klicks auf Youtube. Die deutschen Gäste haben Klarinetten im Gepäck, Querflöten, Saxophon , Schlagzeug , Posaunen, Trompeten, Tuba und ein Waldhorn, das Isoldes Bruder Ludwig spielt. Er ist 17 Jahre alt und ein begehrter Mann: Am Waldhorn mangelt es in den Orchestern chronisch, ständig klopfen die Ensembles bei ihm an.

„Es wird ein ausgewogener Ablauf aus Arbeit und Tourismus“, sagt Isolde vor dem Abflug. Neben den Konzerten gibt es Zeit für Strand, „doch die Auftritte sind mir am wichtigsten.“ Zur Trompete kam sie, als sie sechs war und die Eltern sagten, „geh’ doch mal zum Instrumentenkarussell.“ Man probiert die Instrumente aus und kann sich für eines entscheiden. Für Isolde war es die Trompete. „Ich spiele super gerne öffentlich, aber die fünf Minuten vor dem Auftritt sind die Hölle.“

Ihr erster Lehrer zeigte ihr die Atmung, „das A und O bei der Trompete“, sagt Isolde. „Um die Lippen läuft ein Ringmuskel, den muss man trainieren.“ Sie spielt täglich drei bis vier Stunden, im Haus ihrer Mutter ist das kein Problem, in der Wohnung ihres Vaters, einem Opernsänger, braucht sie einen „Hoteldämpfer“, damit es nicht zu laut wird. Auch wenn der allerhand von der Dynamik schluckt: Isolde Seyfahrt wirkt nicht so, als lasse sie sich dämpfen, dimmen oder aufhalten in ihrer Liebe zur Trompete.

Von Lars Grote

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