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Kultur Das Leben ist eine verlustreiche Sache
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11:45 08.02.2017
Chuck Prophet und The Mission Express lassen den Rock ’n’ Roll lodern.
Chuck Prophet und The Mission Express lassen den Rock ’n’ Roll lodern. Quelle: Promo
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Potsdam

Leicht wird es ihm nicht gefallen sein, zwischen all den Toten zu wandeln – den fast vergessenen, den prominenten und den unschuldigen. Doch Chuck Prophet findet auf seiner aktuellen Platte „Bobby Fuller Died For Our Sins!“ (Bobby Fuller starb für unsere Sünden) einen Weg, sie miteinander in Verbindung zu bringen. Die clevere Klammer für den Kalifornier ist – wie sollte es anders sein – der Rock ’n’ Roll.

Beginnend mit dem Sänger Bobby Fuller, der 1966 aus ungeklärten Umständen starb und der das Lied „I Fought The Law“ sang und den The Clash zum Hit machten. Prophet, inzwischen 53 Jahre alt, kommt nicht umhin, die Verluste zu zählen. Was er in dem Stück „Bad Year For Rock ‚n’ Roll“ tut und zunächst den unersetzlichen David Bowie aufruft. Dass die Liste für 2016 sich noch wesentlich verlängerte ist bekannt. Und da wäre Alex Nieto. Der Rausschmeißer eines Clubs in San Francisco wurde im März vor drei Jahren von 59 Polizeikugeln förmlich durchsiebt. Er hatte einen Taser bei sich, der zur Ausrüstung seines Jobs gehörte. Die Beamten dachten, der Sohn mexikanischer Einwanderer habe eine Feuerwaffe auf sie gerichtet.

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Brett und Renny Sparks sind die Handsome Family. Bei diesem Ehepaar, das seit mehr als zwei Dekaden gar äußerst lieblichen Alternative Country intoniert, muss man im buchstäblichen und übertragenen Sinne aufpassen, wohin man tritt. Auf Ochsenfrösche oder dergleichen. Denn Brett und Renny, die schon des längeren im Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico leben, sind Meister doppelbödiger, galliger wie schwarzhumoriger Geschichten, eingekleidet in die üblichen Zutaten akustischer Schönfärberei. Was also bisweilen wie ein Walzer samt schief tönenden Flöten daherschleicht, führt leicht auf die falsche Fährte. Unterstützung bekommen beide von Joana Serrat. Die Spanierin, die ihre aktuelle Platte in Montreal aufnahm, singt von Ungewissheiten, die das Leben, das einzige, ungereimte und fürchterliche, so mit sich bringen mag. Siehe Bett und Renny.

The Handsome Family: Unseen. Loose Music/Rough Trade.

Joana Serrat: Cross The Verge. Loose Music/Rough Trade.

Konzert: 11. Februar um 20 Uhr im Privatclub in Berlin-Kreuzberg.

Prophet, der einst die Green On Red, die als „kaputte Stones“ gehandelt wurden, zu Klassikern des Alternative Country machte, hat zwar nicht das Wundermittel in der Hand, aber er vertraut der unschlagbaren Kombination aus zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Das reicht; ist mitunter straff und knochentrocken heruntergespielt, mal klingelt es wie bei den Byrds, dann wie bei Buddy Holly.

Konzert: Chuck Prophet spielt am Donnerstag, dem 9. Februar, um 21 Uhr im Frannz Club in Berlin-Prenzlauer Berg.

Von Ralf Thürsam

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