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Kultur Potsdamer Festival „Jazzland Brandenburg“ vor der Premiere
Nachrichten Kultur Potsdamer Festival „Jazzland Brandenburg“ vor der Premiere
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11:57 09.10.2019
Auch Vesna Pisarovic tritt beim Potsdamer Jazzfest auf. Quelle: Hrvoje Zalukar
Potsdam

In Ulli Blobels Stimme steckt ein Bass, als sei er für den Jazz geboren. Mit dieser Stimme könnte man den Nebel eines Kellerclubs mit einem kitzeligen kleinen Lied durchschneiden. Doch Blobel ist kein Musiker, er ist Veranstalter, Kaufmann und Produzent. Getrieben von der Liebe. Die Liebe sucht er auf dem undankbarsten Feld, fast frei von ökonomischer Gewinnerwartung. Denn Jazz ist Stoff für Idealisten, die sich nach anderen Zeiten sehnen.

Idealismus? „Dafür bin ich mit knappen 70 Jahren zu alt“, sagt Blobel, der in der Lage ist, auch ein Abenteuer seelenruhig und sachlich auszubreiten: Er gründet jetzt ein neues Jazz-Fest in Potsdam, die Bühne steht im Potsdam-Museum am Alten Markt. Museen suchen immer etwas Abstand zum Objekt, das sie den Leuten präsentieren, doch Jazz kennt keinerlei Distanz. Jazz legt sich ungefragt zu dir ins Bett.

Festival „Jazzland Brandenburg“ 11.-13. Oktober

Programm des Festivals im Potsdam-Museum, Am Alten Markt:

Freitag, 11. Oktober, 20 Uhr: Peter Evans & Levy Lorenzo, anschließend Steffen Roth & Bruno Angeloni und Baby Sommer.

Samstag, 12. Oktober, 16 Uhr: Adam Pieronczyk, Saxophon solo. 20 Uhr: Simon Phillips Protocol.

Sonntag, 13. Oktober, 16 Uhr: Ulli Blobel stellt den Film „PeitzWoodstock am Karpfenteich“ vor. Anschließend: Vesna Pisarovic, Joe Fonda und John Betsch, es folgt das Friedhelm Schönfeld Quartett.

Infos und Karten unter www.jazzwerkstatt.eu/jazzland-brandenburg. Festivalpass für 88 Euro, auch Einzeltickets erhältlich.

Warum setzt Blobel auch in Potsdam auf den Jazz, obwohl er selbst die Diagnose stellt, dass diese Spielart aktuell in Brandenburg fast „tot“ sei? Er glaubt, es gibt jetzt „nach zehn dünnen Jahren in der Jazz-Welt endlich einen Aufbruch“. Die jungen Jazzer „hätten heute wieder etwas zu sagen, sie sind vielfältig, lassen sich nicht von alten Glaubenssätzen hemmen“, sie präsentieren frische, unverbrauchte Stücke. Das sei mal anders gewesen, „der Jazz steckte in einer Krise, Musiker hatten keine Beschäftigung mehr.“ Die Folge für Brandenburg: Die Jazz-Reihe im Rathaus Babelsberg habe an Niveau verloren, auch im Nikolaisaal habe es der Jazz nicht leicht.

Wie will er gegensteuern? Indem er den Jazzbegriff für Potsdam erweitert. „Musikalisch stellen wir uns auf dem Festival breiter auf.“ Es kommen Klassik und Pop hinzu, so auch bei Simon Phillips, der als Drummer bei Toto spielte, er hat der Band den Stempel aufgedrückt. Mit seinem Jazz-Ensemble, dem Simon Phillips Protocol, spielt er an diesem Samstag um 20 Uhr in Potsdam.

Das Festival wird an diesem Freitag von Peter Evans (Trompete) und Levy Lorenzo (Percussion und Electronics) eröffnet, später am Abend kommen Steffen Roth (Schlagzeug), Bruno Angeloni (Saxofon) und Baby Sommer (Schlagzeug und Percussion) auf die Bühne. Am Samstag um 16 Uhr spielt Adam Pieronczyk sein Solo-Saxofon. Am Sonntag kommt das Friedhelm Schönfeld Quartett, zudem stellt Ulli Blobel den Film „PeitzWoodstock am Karpfenteich“ vor.

Stasi hat das Festival zu Anfang übersehen

Aus der Arbeit in Peitz zieht Blobel seine fachliche Autorität. Und seine Zuversicht. Peitz kann übersehen werden, wenn man auf eine Straßenkarte schaut, doch es lässt sich nicht überhören, wenn das Ohr empfänglich für die Energie des Jazz ist. Blobel hat das Festival am Rande des Spreewalds gegründet, nördlich von Cottbus im Landkreis Spree-Neiße. Blobel kommt aus Peitz, seit dem Tod von Peter „Jimi“ Metag im Jahr 2013 leitet er das Festival alleine.

„Der Geist hat sich seit der Gründung 1973 nicht verändert“, sagt Blobel. Die Musik bleibt radikal, oder besser: kompromisslos. Doch mittlerweile spielen sie in einer Halle, nicht mehr Open-Air. Die Zeit des Zeltens ist vorbei. Früher kamen 3000 Leute, heute sind es 300. Das stürzt Blobel nicht in Depression. „Während der 70er-Jahre ging es in Peitz nicht nur um Musik, in der DDR war das ein Ort der Opposition. Da wir mittlerweile keinen Staat mehr kippen müssen, reduziert sich das Publikum auf den Kern der Free-Jazz-Freunde.“

Festival wurde verboten

„In der Zeit der Biermann-Ausbürgerung um 1976 kam der Jazz ohne Texte aus“, erzählt Blobel, „die Stasi hielt das für ungefährlich, sie witterte die Gegner des Staates bei Dichtern und Schriftstellern, bei den Leuten des Wortes. Irgendwann hat sie gemerkt, dass wir das gleiche Publikum haben. Auch hier gab es Langhaarige und Freigeister.“

Prompt wurde das Festival 1982 verboten. Im Jahr 2011 hat Blobel es wiederbelebt. „In Peitz gibt es keinen Firlefanz, wir folgen keiner Mode, um zusätzlich 200 Leute zum Festival zu locken. Es ist ein altes Festival, wir sind alte Leute, die Musiker sind alt, wir machen so lange weiter, wie es geht.“

Jetzt sucht er beim Festival in Potsdam neuen Schwung. Öffnet die musikalische Skala, weitet die Bandbreite, holt Musiker, die auch abseits des harten Free-Jazz-Kernes auf Interesse stoßen. Die Bühne des Potsdam-Museums steht in direkter Nachbarschaft vom Kunstmuseum Barberini – wo sie gerne Bilder zeigen, die so wild sind, wie der Free-Jazz die Synkopen setzt.

Von Lars Grote

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