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Kultur Das RBB-Programm wird umgekrempelt
Nachrichten Kultur Das RBB-Programm wird umgekrempelt
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11:42 12.07.2017
Quelle: dpa
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Potsdam

Eine Sendung für die Studentin aus Friedrichshain, die Familie aus Steglitz und überhaupt mehr für die Brandenburger: So stellt sich RBB-Intendantin Patricia Schlesinger das Ideal-Programm des Regionalsenders vor. „Wir müssen ein Gespür für die Menschen haben, die in Berlin und in Brandenburg leben, für ihre Lebenssituation und die unterschiedlichen Milieus“, sagte Schlesinger.

Nach einem Jahr im Amt ist die gelernte Journalistin dabei, den Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) umzukrempeln. „Unvermeidbar“ wolle sie den Sender machen, moderner, zeitgemäßer. Im Sender gebe es „ganz viele Leute, die etwas losreißen wollen“. Schlesinger nimmt Abschied von der Vorstellung, dass eine Sendung jeden Zuschauer gleichermaßen interessieren müsse. „Das funktioniert nicht, weil am Ende ein Kompromiss herauskommt, den niemand will“.

Bereits jetzt habe das RBB-Fernsehen durch Umstellungen an Akzeptanz gewonnen. „Wir haben nicht mehr die rote Laterne als quotenschwächstes Drittes Programm“. Tatsächlich lag in der ersten Juli-Woche der RBB mit 5,8 Prozent vor dem Hessischen Rundfunk (5,7 Prozent), bis Dezember sollen es sechs Prozent im Jahresdurchschnitt sein. „Das ist ein sportliches Ziel“, weiß auch die Intendantin.

Stärken wollen Schlesinger und Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus die Eigenproduktionen in der Hauptsendezeit. „Als ich anfing, lief um 20.15 Uhr an vier bis fünf Abenden Programm, das wir von anderen ARD-Anstalten oder vom Ersten übernommen haben. Dieses Verhältnis will ich mindestens umkehren.“ Zuletzt hatte sich der RBB unter Schlesinger-Vorgängerin Dagmar Reim den Nachmittag zur Quotenrettung vorgenommen, im Herbst setzt Schlesinger mit Schulte-Kellinghaus andere Akzente. „Die meisten Menschen sitzen abends vor dem Fernseher.“

So startet am 5. September die zweite Stufe der Programmreform - auch mit einer Werbekampagne, von der die Intendantin nichts verrät. Zu den Neuerungen gehört das - auch satirische - Gesellschaftsmagazin „Die Abendshow“ am Donnerstag. Nach den Moderatoren werde noch gesucht. Einen ersten Eindruck liefert ein RBB-Video auf Facebook über die feierlustige Berliner Polizei.

„Täter, Opfer, Polizei“ mit Uwe Madel wird verlängert und mittwochs von 21.00 bis 21.45 Uhr laufen. Sport wird täglicher fester und moderierter Bestandteil von „rbbum6“ und „rbb aktuell“ um 21.45 Uhr, hinzu kommt fester Sport in der „Abendschau“ am Sonntag.

Das Geschichtsmagazin „Theodor“ wandert vom frühen Sonntagabend mit dem Titel «Erlebnis Geschichte» auf den Dienstag. Auch die „Abendschau“ soll «behutsam» reformiert werden, aber erst 2018. Nicht so erfolgreich wie erhofft ist „Super.Markt“ gestartet. Nach einem vielversprechenden Anfang liege jetzt die Quote des Verbrauchermagazins hinter den Erwartungen, es habe allerdings weiter Welpenschutz.

Resolut hat sich der RBB unter Schlesinger von mehreren Sendungen getrennt. Dazu gehören das Magazin „Klartext“ und Max Moors „Bauer sucht Kultur“. Auch „Stadt, Rad, Hund“ mit Bettina Rust wurde gestrichen. Erweitert wurde das Informationsangebot am Nachmittag.

Über eine Neuerung ist Schlesinger schon jetzt besonders glücklich. Zum 20. Geburtstag von „Radioeins“ öffnete der RBB die oberste Etage des Fernsehzentrums am Theodor-Heuss-Platz. Bis Ende Dezember können Besucher von der Lounge in der 14. Etage über die Dächer Berlins blicken - beim gutem Wetter bis weit nach Brandenburg hinein.

Von Esteban Engel