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Kultur Martin Mosebach schwärmt von Hütten und Palästen
Nachrichten Kultur Martin Mosebach schwärmt von Hütten und Palästen
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15:48 26.09.2019
Martin Mosebach und Denis Scheck am Mittwoch vor der Veranstaltung im Potsdamer Kutschstall. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Das erlebt man nicht alle Tage: Zwei Herren mit Anzug, Schlips und Einstecktuch, die angeregt über das Romane-Schreiben und Theodor Fontane parlieren. Der eine, der hessische Schriftsteller Martin Mosebach (68), ist so stockkonservativ, dass er sich für katholische Messen in lateinischer Sprache einsetzt. Der andere, der schwäbische Literaturkritiker Denis Scheck (54), hat mit der ARD-Sendung „Druckfrisch“ in ästhetischer Hinsicht die Berichterstattung über Literatur im Fernsehen revolutioniert.

Stipendiat in Wiepersdorf

Ermöglicht wurde ihr Stelldichein im Potsdamer Kutschstall von der Kulturland-Kampagne fontane.200 und der Stiftung Schloss Wiepersdorf. 2001 verbrachte Martin Mosebach drei Monate als Stipendiat in Wiepersdorf im Fläming. Im gleichen Jahr erschien sein Buch „Der Nebelfürst“, aus dem er in Potsdam zwei Kapitel las.

Geschwätzigkeit ist zu entschuldigen

Der Büchner-Preisträger von 2007 sei „einer der geistreichsten und vergnüglichsten Autoren der Gegenwart“, meinte Scheck einleitend und konfrontierte dann Mosebach spontan mit einem launigen Fragenkatalog, den einst auch Theodor Fontane beantwortet hat. „Geschwätzigkeit“ ist der Fehler, den Mosebach am ehesten verzeiht. „Dass die Römer einst nicht ganz Deutschland besetzten“, hält er für das größte historische Unglück. Und kein Vergnügen geht ihm über „eine gute Flasche alten Moselwein“.

Operettenhaft und manieriert

Den Roman „Der Nebelfürst“ bezeichnete Mosebach selbst als „eine Collage über das späte 19. Jahrhundert“. Hauptfigur ist ein kaisertreuer Polarforscher, den es real gab. Aber von Recherchen halte er nichts. Mosebachs Metier ist die kunterbunte, operettenhafte, manieriert Ausschmückung. Und so las er denn auch mit großer Sorgfalt geklöppelte Szenen, bei denen man sich aber fragt, ob dem Autor überhaupt etwas auf den Nägeln brennt. Handelt es sich dabei um eine „Satire auf die New Economy“, wie Scheck mutmaßte, oder lediglich um etwas öden, luxuriösen Zeitvertreib?

Inspiration der elf Flügeltüren

In Erinnerung bleibt ein Autor, der das Exotische sucht. Ein Repräsentant der postmodernen Retro-Äro, der gern Worte wie „Paravent“, „Sockenhalter“ oder „Leutnantsfrühstück“ verwendet. Der Dandy tut das, indem er sich jeweils für einige Monate in ein georgisches Kloster oder in eine nubische Lehmbauernhütte einmietet. Den „Nebelfürst“ schrieb er in einem Saal mit elf Flügeltüren in einem verfallenen Maharadscha-Palast in Indien, was sich aber nicht in der Handlung niederschlägt. Die Erfahrungen an solchen Orten schlage sich dann möglicherweise in späteren Büchern nieder, so der Autor. Der Entstehungsprozess scheint ihm persönlich so wichtig zu sein wie das Kunstwerk. Doch natürlich strebt Mosebach, der noch mit der Hand schreibt, nach „Vollkommenheit“. Und bekennt: „Fontane hätte ich gern zum Freund gehabt.“

Nächste Veranstaltung: Antje Rávik Strubel im Gespräch mit Tilman Krause über ihr Buch „Gebrauchsanweisung für Potsdam und Brandenburg“. 30. Okt., 19 Uhr. Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Kutschstall, Am Neuen Markt 9. Karten unter 0331/620 85 50.

Von Karim Saab

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