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Kultur So war der Fontane-Abend „Auf dich, Theo!“ am Hans-Otto-Theater
Nachrichten Kultur So war der Fontane-Abend „Auf dich, Theo!“ am Hans-Otto-Theater
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22:34 11.04.2019
Franziska Melzer (l.) und Ulrike Beerbaum in „Auf dich, Theo! oder Der Staub vergeht, der Geist besteht“ am Hans-Otto-Theater. Quelle: Thomas M. Jauk
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Potsdam

 

Worum ging es?

Darum, Fontanes 200. Geburtstag zu feiern, ihn aber auch ein wenig zu zerlegen, das Bild des alten Schriftstellers im Ohrensessel umzuschreiben. Den jungen Mann in ihm zu wecken – der, wenn man dem Abend glaubt, vielleicht kein Abenteurer war, aber ein begabter Träumer. Naja, ein Abenteurer war er in gewisser Weise doch: Er zeugte zwei Kinder aus Affären heraus, noch während der Verlobungszeit.

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Welche Schauspielerinnen haben am meisten überzeugt?

Beide. Es gab nur diese zwei, Ulrike Beerbaum und Franziska Melzer, ihnen zur Seite stand der Musiker David Loscher. Es herrschte die Vertrautheit einer kleinen Geburtstagsfeier. Am Flügel saß Rita Herzog.

Wie hat die Regisseurin den Stoff inszeniert?

Anna Franziska Huber hat in die Box der Reithalle vom Potsdamer Hans-Otto-Theater ein Idyll gepflanzt. Ein Baum, 200 Jahre alt, überdacht den Traum von einer Landpartie, es wird gesungen, gelächelt – Fontanes Leben wird ausgerollt als gut dosiertes Heldenstück. Kein staatstragender Gestus, lieber ein wenig Weichzeichner und moderater Witz. Links eine Schaukel, vorne eine Schubkarre. Im Zweifel wirkte Theodor Fontanes Leben wie ein guter Jungenstreich. Kanten hatte man charmant geglättet.

Was waren die Höhepunkte des Abends?

Die Lieder, komponiert von David Loscher, haben herrlich die Gegenwart ins Leben des Dichters geholt. Chanson, Folk, Kakophonie. Mitunter gar ein kurzer Flirt mit Rock’n’Roll. 250 Gedichte hat Fontane geschrieben, eine Handvoll wurden hier vertont. Schön, gelenkig und poetisch.

Fazit?

Gut, wenn dem großen bürgerlichen Realisten Theodor Fontane mal mit Sinn für Ironie begegnet wird – und mit dem Willen, ihn rein weiblich darzustellen. Ulrike Beerbaum und Franziska Melzer zeigten eine Leichtigkeit, die Fontane den Frauen seiner Büchern nie zugestehen konnte, weil es andere Zeiten waren. Den Musiker Loscher haben sie zuweilen in die Mitte genommen, und man hatte plötzlich das Gefühl, das Fontane nicht vermitteln konnte: Es klappt, es gibt tatsächlich einen Draht zwischen Frauen und Männern, ohne Konkurrenz, ohne Ellenbogen. Ohne Argwohn. Alle haben in den Liedern ihre Stimme, und zusammen klingt es fabelhaft.

Von Lars Grote