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Nachrichten Kultur Der RBB wird 15 Jahre alt
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02:18 22.04.2018
Wollen den RBB zu ungeahntem Glanz führen: Programmchef Jan Schulte-Kellinghaus und Intendantin Patricia Schlesinger. Quelle: DPA
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Potsdam

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) wird am 1. Mai 15 Jahre alt, seit 22 Monaten steht ihm die Intendantin Patricia Schlesinger vor. War der Zusammenschluss aus Ostdeutschem Rundfunk Brandenburg (ORB) und dem Sender Freies Berlin (SFB) im Jahr 2003 ein Fehler, oder zumindest eine Bürde, weil es nahezu unmöglich erscheint, ein Fernsehprogramm zu schaffen, das die Hauptstadt und das ländliche Brandenburg gleichermaßen interessiert? Schlesinger möchte von dieser Unvereinbarkeit nichts wissen: „Wir sind für beide Bundesländer relevant, denn wir arbeiten mit einer Live-Diskussion in Cottbus vor Ort, wenn es Probleme in der Stadt gibt, aber wir dokumentieren auch sehr gründlich die Entwicklung von Berlin, einer der interessantesten Städte der Welt.“

Wenn die Intendantin durch das Sendegebiet fährt, höre sie von den Brandenburgern, dass der Sender sich auch in abgelegenen Orten zeigen solle. Die Berliner wiederum fordern „schräge, provokante“ Sendungen im Programm. Nicht einfach, hier einen Konsens zu finden.

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Im Jahr 2003 wurden ORB und SFB fusioniert, es war als Test für die Ehe der Bundesländer Brandenburg und Berlin gedacht. Matthias Platzeck und Klaus Wowereit verbanden damals ihre Gratulation mit der Erwartung, „dass die Fusion der Sender ein weiterer wichtiger Schritt zur Einheit zwischen Ost und West und dem Zusammenwachsen unserer beider Länder ist.“ Diese Schrittmacherdienste des neuen RBB blieben aus.

Jubiläumsprogramm

Kurt Krömer kehrt als Fernsehansager in den RBB für die Woche vom 1.-5. Mai zurück.

„Die 50 beliebtesten RBB-Momente“, 4. Mai, 20.15 Uhr.

Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt“. TV-Chronik in 30 Folgen zeigt die Jahre 1961-1990 jeweils samstags um 20.15 Uhr. Ab Oktober.

Der SFB galt als „Rotfunk“, als dezidiert linke Sendeanstalt, dem ORB wiederum hing das Image des „Stasi-Senders“ an, spätestens nachdem der Radiomoderator Jürgen Kuttner seine Arbeit als IM eingestanden hatte.

Die RBB-Gründungsintendantin Dagmar Reim hatte alle Mühe, die beiden Häuser mental zu verschmelzen. Auf der Strecke blieb vor allem das Fernsehprogramm des RBB, das bis vor Kurzem vor allem aus Tierfilmen und „Polizeirufen“ bestand, immer wieder Dieter Hallervorden zeigte oder die „Besten Schlager der 60er“. So alt, wie der RBB seine Zuschauer machte, konnten die gar nicht werden.

Folgerichtig war der RBB bis vor gut einem Jahr das Schlusslicht aller ARD-Anstalten, wenn man fragte, welche Einschaltquoten die Sender in ihrer jeweiligen Heimatregion aufwiesen. Das soll sich unter Patricia Schlesinger ändern. Die „trutschigen Elemente“, von denen Dagmar Reim während ihrer Amtszeit sprach, werden allmählich ausgeräumt.

Der Aufschwung ist zu sehen, doch scheint noch labil

Im aktuellen April zeigt die Kurve nach oben. Lag die Einschaltquote des RBB in seinem Sendegebiet Berlin und Brandenburg im Jahr 2016 bei 5,6 Prozent, stieg sie 2017 auf durchschnittlich 6,0 Prozent. Im April 2018 liegt sie derzeit bei 6,4 Prozent, wobei Programmchef Jan Schulte-Kellinghaus einräumt, dass der Aufschwung labil sei, weil die Zahlen noch im Februar erkennbar tiefer gelegen haben.

Andererseits müsse Schulte-Kellinghaus die Kollegen mitunter beruhigen, weil die Schwankungen nicht im Detail belegt seien: „Es gibt je 200 Geräte in Brandenburg und Berlin, anhand deren Nutzung die Quoten für die gesamten Bundeslänger hochgerechnet werden.“ Ungenauigkeiten lägen auf der Hand. Nicht wegzudebattieren sei aber die erfreuliche Tendenz, dass der RBB derzeit in seinem Sendegebiet eine höhere Akzeptanz habe als der Westdeutsche Rundfunk, der Hessische Rundfunk und der Südwestrundfunk in den ihren.

Traditionell hat der RBB in Brandenburg höhere Einschaltquoten als in Berlin. Die Sehgewohnheiten würden sich unterscheiden, Brandenburger schalten vor allem beim „Heimatjournal“ ein, Berliner bei der „Abendshow“, die einen ironischen Blick vor allem auf die Bundeshauptstadt wirft. Brandenburger hätten höhere Quoten am Tage, die Berliner am Abend.

Die Radioprogramme, von denen der RBB sechs hat (nach der Schließung von Radio „Multikulti“ 2008), waren nie das Problem des Senders. Sie liefen gut. Dennoch sollen nun das Jugendradio „Fritz“ („digitalere Ausrichtung“) und „Radio Berlin“ („Verjüngung der Musik“) grundlegend umgebaut werden.

Von Lars Grote

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