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16:52 21.07.2019
Shixuan Wei als Orazia und Wagner Moreira als Orazios Bruder Marco in der Rheinsberger Opernaufführung „Der Schwur der Horazier“. Quelle: Uwe Hauth
Rheinsberg

Rheinsberg hat eine neue Freiluft-Bühne. Vor der neuen Bühne blickt der Besucher zwar nicht mehr in den Sonnenuntergang, sondern auf die Fensterfront des Kavalierhauses. Doch die Vorteile überwiegen: Szenisch hat man freie Bahn. Die Akustik innerhalb des von den Seitenflügeln geformten Hufeisens ist gut genug, um auf elektronische Verstärkung zu verzichten. Und die Bestuhlung erweist sich als die bequemste, die es in Rheinsberg jemals gab.

Eingeweiht wurde die neue Bühne am Freitagabend mit einer Opernpremiere. Georg Quander, der neue Chef der Kammeroper, hat sich für seine erste eigene Inszenierung vor Ort ein Werk des Mozart-Zeitgenossen Domenico Cimarosa vorgenommen. Der Italiener wurde für seine Lustspiele bekannt, schrieb aber auch Ernstes wie die 1796 uraufgeführte Oper „Gli Orazi e i Curiazi“, die in der römischen Frühzeit spielt. Hierzulande läuft sie unter dem Titel „Der Schwur der Horazier“.

Zwei verfeindete Clans aus Rom und Alba bekämpfen sich

Das Libretto folgt einer Tragödie von Pierre Corneille: Die Orazi und die Curiazi – das sind zwei verfeindete Clans; die einen aus Rom, die anderen aus Alba. Seit Jahren schlachten sie sich in einem Bürgerkrieg gegenseitig ab. Georg Quander kennzeichnet die Parteien farblich: Rot sind die Flaggen, Wappen und Uniformen der Römer; Alba wiederum trägt blau. Jede Stadt hat ihren quadratischen Wachturm, auf dem sich auch die Bühnentechnik verstecken lässt. Vom ersten Takt an liegt Krieg in der Luft. Hinter den Fenstern des Kavalierhauses lodern Flammen. Sandsäcke liegen bereit, hinter denen sich später die Soldaten verschanzen.

Die Gefechte bilden den Hintergrund für eine Liebesgeschichte nach dem Modell „Romeo und Julia“. Um Frieden zu stiften, verheiratet der Horazier-Stammvater seine Tochter Orazia mit dem jungen Curiazio aus Alba. Doch dieser Plan geht schief, da der römische König den Krieg will. Das Geschehen spitzt sich in der Brautnacht zu. Zwischen den Bettlaken singen Orazia und Curiazio ihr großes Duett. Er muss am Morgen ins Feld. Sie weiß: Im Kampf wird sie entweder Bruder oder Ehemann verlieren.

Bruder oder Ehemann, einer wird sterben

Shixuan Wei und Samuel Mariño singen das in ihren weißen Schlafanzügen herzzerreißend eindringlich. Der chinesischen Sopranistin nimmt man den tiefen inneren Zwiespalt ab. Der venezolanische Countertenor mit seinen perfekt schnurrenden Koloraturen gibt einen warmherzigen Liebhaber ab. Allein dieses tolle Paar lohnt den Besuch der Aufführung.

Georg Quander verweigert sich einer konkreten historischen Zuordnung. Heidnische Rituale vor einer Opferschale beschwören eine antike Atmosphäre herauf. Die Uniformen erinnern an die Franzosenkriege, die Frauenkleider ans frühe 20. Jahrhundert.

Opern- und Filmregisseur Georg Quander

Georg Quander kam 1950 in Düsseldorf zur Welt. Nach einem geisteswissenschaftlichen Studium an der FU Berlin begann er seine Karriere als Musikredakteur bei SFB und Rias.

Von 1991 bis 2002 leitete er als Intendant die Staatsoper Unter den Linden, an der Seite von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim.

Von 2005 bis 2013 war Quander Kulturdezernent von Köln.

Im Oktober 2018 trat er die Nachfolge von Siegfried Matthus bei der Kammeroper Rheinsberg an. Er übernahm zugleich die Leitung der Musikakademie.

Die beiden zur „Musikkultur Rheinsberg“ fusionierten Institutionen will er enger miteinander verzahnen.

Großformatige Filmaufnahmen, an die Fassade des Kavalierhauses projiziert, holen das Geschehen näher an die Gegenwart. Aufmärsche und Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg sehen wir da; sowjetische Paraden, oder aber Massenszenen aus alten Kostümfilmen.

Der Chor spielt in dieser Oper eine Hauptrolle

Der Chor spielt in dieser Oper eine Hauptrolle; er verkörpert sowohl das Volk als auch die Heere von Rom und Alba. Der Apollo-Chor, der sonst die Produktionen der Berliner Staatsoper verstärkt, macht das vollkommen souverän. Und der Regisseur lässt die Chorsänger auch darstellerisch zum Zuge kommen. Die Männer werfen sich mit ihren Bajonetten in die Schlacht; die Frauen trauern um die Gefallenen.

Gleichwohl klingt Cimarosas Musik stets kurzweilig und beschwingt, ein wenig nach Mozart, ein wenig nach Rossini. Die Anklänge an den heroischen Ton der französischen Revolutionsmusiken dienen eher als Garnitur. Sie sind wohl ein Zugeständnis an den Zeitgeist, der nach 1789 Marsch-Rhythmen und knackige Trompeten verlangte.

Musikalischer Leiter in Rheinsberg ist der griechische Alte-Musik-Experte Markellos Chryssicos, der eine grüne Haarsträhne im schwarzen Schopf trägt. Mit der Kammerakademie Potsdam lässt er die rhythmische Grazie und liebenswürdige Melodik Cimarosas voll zur Geltung kommen.

Am Ende siegen die Römer

Wenn die Sänger aktiv sind, schrumpft das Orchester zur dezenten Begleitung. Alle acht Solisten überzeugen stimmlich und darstellerisch. Die Rolle von Marco, Orazias Bruder, übernimmt der Brasilianer Wagner Moreira, ein stattlicher Heldentenor. Dessen aufbrausendes, jähzorniges Temperament bildet einen aparten Kontrast zu dem feinsinnigen Curiazio.

Am Ende siegen die Römer, doch nach menschlichen Maßstäben verlieren alle Beteiligten. Es gibt viel Applaus, vor allem für den Chor. Und noch ein Vorteil der neuen Bühne stellt sich heraus: Das Metallgerüst, auf das die Stühle montiert sind, eignet sich bestens zum enthusiastischen Trampeln.

Von Antje Rößler

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