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18:38 24.10.2019
Die spätklassizistische Turm-Villa (1856) in Dahlwitz-Hoppegarten hat einen neuen Eigentümer. Es ist eines von zwölf Denkmälern, die die Brandenburgischen Schlösser GmbH in den letzten Jahren gesichert und saniert hat. Quelle: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/ZB
Potsdam

Diesen Rummel um seine Person ist er nicht gewohnt. „Ich bin Steuerberater, aber schreiben Sie das nicht“, bittet Claus Ritzer. Zögernd nur hat der große schlacksige Mann den Journalisten seinen Vornamen verraten. Der neue Eigentümer des Herrenhauses in Dahlwitz, einem Ortsteil von Hoppegarten in Märkisch-Oderland, steht auf dem Säulen-überwölbten Vorbau der Beletage. Von hier bietet sich ein gefälliger Ausblick in den vier Hektar großen Gutspark, den der berühmte Gartenkünstler Peter Joseph Lenné bereits 1827 angelegt hat. Erst 30 Jahre später wurde dann die repräsentative Turmvilla von einem Schinkel-Schüler errichtet.

Der neue Eigentümer Claus Ritzer im Gespräch mit Kulturministerin Martina Münch (SPD) vor Schloss Dahlwitz. Quelle: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/ZB

„Über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart“, sagt Steffen Skudelny vom Vorstand der privatrechtlichen Stiftung Denkmalschutz. Er vertritt die Brandenburgische Schlösser GmbH (BSG), eine gemeinsame Tochter mit dem Land Brandenburg. Nach der Übernahme des Schlosses im Jahr 2004 für eine symbolische Mark hat die BSG fast drei Millionen Euro in die Grundinstandsetzung des Herrenhauses Dahlwitz-Hoppegarten gesteckt. Das Geld stammt von privaten Spendern und aus Steuermitteln des Landes Brandenburg. „Nur ein Teil dieser Summe konnte durch den Verkäufer als Kaufpreis realisiert werden“, lässt Skudelny immerhin blicken.

Der Innenausbau wird teuer

Trotz der finanziellen Einbußen freut sich Kulturministerin Martina Münch (SPD) über die erfolgreiche Privatisierung. „Wir haben einen denkmalbegeisterten neuen Eigentümer gefunden“, sagt sie und betont, dass Claus Ritzer die Pflege und den öffentlichen Zugang des Landschaftsparkes zugesichert habe. Auch seine Bonität sei geprüft worden. Ein Millionenbetrag wird auch notwendig sein, denn der Experte für Internationales Steuerrecht aus Landshut muss den denkmalverträglichen Innenausbau des Schlosses nun selbst in die Hand nehmen.

Bürgerinitiative kämpfte für den Erhalt des Schlosses

Bis 1997 hatte das ehemalige Gutshaus als Kindergarten und Schulhort gedient. Eine geplante Privatisierung scheiterte. Die BSG sprang ein, um den Verfall des ortsbildprägenden Wahrzeichens gegenüber der alten Kirche zu stoppen und wenigstens die Gebäudehülle zu sanieren. Vor Ort gründete sich eine Bürgerinitiative, die über 20 000 Euro sammelte, um damit die vielen zierlichen Konsolen unter dem Dach zu finanzieren.

Ein Sorgenkind weniger

Nun ist Schloss Dahlwitz das erste von insgesamt zwölf Sorgenkindern, die bis 2022 im Bieterverfahren mit Hilfe von Maklerbüros verkauft werden sollen. Für die Akquise stellt das Land in diesem und im nächsten Jahr jeweils noch einmal bis zu 910 000 Euro zur Verfügung. „Aber wir haben Zeit. Es ist auf keinen Fall so, dass die Schlösser verramscht werden“, versichert Ministerin Münch.

Keine alte Tür ist erhalten

Die dreistöckige, pittoreske Villa mit dem Turm im italienischen Stil erhielt 2007 ihren Außenstuck und einen terrakottaroten Anstrich zurück. Zwei mondän geschwungene Freitreppen im alten Stil wurden von der BSG straßen- und parkseitig vor den Mittelbau gesetzt. Die Innenräume, immerhin 1200 Quadratmeter, blieben ein dürftiger Rohbau. Kaum eine alte Tür ist erhalten. Zuschnitt und Innenausbau hängen nun von der Art der Nutzung und vom Geschmack des Eigentümers ab. Will er sich ins 19. Jahrhundert zurückbeamen oder ganz moderne Räume schaffen?

Es bleibt viel zu tun. Quelle: dpa-Zentralbild

„Mir schweben Wohnungen vor“, sagt Claus Ritzer. In den repräsentativen Räumen würde er sich ein Café oder eine Galerie wünschen, aber dafür muss er erst einmal Pächter finden. Immerhin liegt Dahlwitz-Hoppegarten innerhalb des Berliner Autobahnrings und verfügt über guten Bus- und S-Bahnanschluss. Claus Ritzer lebt mit Frau und zwei Kindern in Landshut bei München, wo er von 2004 bis 2009 in Kleinarbeit ein altes Bürgerhaus vorbildlich sanieren ließ. Nach Dahlwitz ist er von Landshut mit dem Zug und dann von einem Hotel am Ostbahnhof mit der S-Bahn angereist.

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Von Karim Saab

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