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Kultur Der Verfall eines Traums
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09:00 14.02.2013
BERLIN/LETSCHIN

Die Manhattan-Wohnungen von Letschin waren 1986 so beliebt, dass sie verlost wurden. Heute ist noch ein Drittel belegt. Über den Niedergang will kaum einer sprechen. „Das wurde lange ausgeblendet, über die Vergangenheit wurde viel geredet, aber Manhattan war ein Tabu“, sagt Stephanie Steinkopf. Die Fotografin ist in Letschin aufgewachsen. Sie kennt die Platte aus Kindheitstagen. Für ein Fotoprojekt hat sie Bewohner jahrelang begleitet und die Fotos in der Reihe „Manhattan – Straße der Jugend“ veröffentlicht. Kürzlich ist ihre Arbeit mit dem Vattenfall-Fotopreis ausgezeichnet worden, einem der wichtigsten für junge Fotografen.

„Ich war schon ein wenig erschrocken, welche Entwicklung da stattgefunden hat“, sagt die 33-Jährige, die in Berlin lebt. „Die Platte war für mich eine tolle Kindheitserfahrung. Meine Freunde waren da, viele Kinder. Da war immer was los.“

Die Plattenbauten in der Straße der Jugend sind für Steinkopf ein Sinnbild der Entwicklung nach der Wende. Viele Bewohner verloren ihre Arbeit, zogen weg. Die Platte gilt heute oft als Armenhaus. Viele Siedlungen verkommen. „Und das ist nicht nur in Brandenburg so, das gibt es in vielen ostdeutschen Gemeinden.“

Stephanie Steinkopf ist nach dem Abitur aus Letschin weggezogen, hat in Frankreich gearbeitet, in Berlin studiert und sich an der Ostkreuzschule zur Fotografin ausbilden lassen. Die Idee, etwas über Manhattan zu machen, hatte sie immer. „Nur wusste ich lange nicht so richtig, wie und was.“ Als sie 2009 ihre Fotografenausbildung begann, startete sie auch ihr Manhattan-Projekt. Langsam baute sie Kontakt zu den Bewohnern auf, übernachtete mehrere Tage und Wochen bei ihren Eltern, die immer noch in Letschin wohnen. Sie sei bei den Letschinern auf Offenheit gestoßen, sagt Steinkopf. „Die haben gemerkt, dass ich mich wirklich für sie interessiere und das Leben in der Platte nicht sensationslüstern ausschlachten will.“

Zu Beginn besucht Steinkopf sechs Familien fast täglich, nimmt am Alltag teil. Macht Fotos, wenn es wichtig ist, und legt in den richtigen Momenten die Kamera beiseite. „Ich will niemanden zu einem Foto zwingen.“ Über die Zeit habe sie so viel Vertrauen aufgebaut. Sie war dabei, als eine Bewohnerin um ihren Mann trauerte.

Vier Jahre hat sie an dem Projekt gearbeitet, Tausende Fotos geschossen, eine Kamera ging kaputt. Herausgekommen sind Bilder, die den Verfall der einst mit so vielen Hoffnungen verbundenen Platte zeigen. Der Putz bröckelt, die Zimmer sind karg eingerichtet, die Bäder haben ihre beste Zeit hinter sich. Aber Steinkopf führt die Menschen in ihrer Armut nie vor.

Mit einigen Bewohnern hat Steinkopf noch Kontakt. In ihrem Heimatdorf wird sie oft auf ihre Arbeit angesprochen. Inzwischen reden die Menschen auch wieder gerne über Manhattan, sagt Steinkopf. Das war lange anders. Es war keine Scham, man habe nur nicht gerne über die verfallenen Platten geredet. „Mich freut, dass ich das ein bisschen ändern konnte.“

Die Bilder sind bis zum 24. Februar im C/O Berlin, Oranienburger Straße 34/35, zu sehen. Infos auf www.stephaniesteinkopf.de. (Von Christian Meyer)

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