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02:15 13.02.2017
Viel Spaß am Detail: Der Lotse Sima Kun, gespielt von Wsewolod Sanajew, und der Raumfahrer Dan, verkörpert von Iwan Andonow (v.L) und – eine Brockenhexe.
Viel Spaß am Detail: Der Lotse Sima Kun, gespielt von Wsewolod Sanajew, und der Raumfahrer Dan, verkörpert von Iwan Andonow (v.L) und – eine Brockenhexe. Quelle: Fotos: Berlinale
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Berlin

Acht Raumschiffe verschwinden spurlos, der Funkkontakt zur Weltraumstation „Margot“ bricht plötzlich ab. So der Ausgangspunkt von Hermann Zschoches Sciencefiction-Film „Eolomea“ – 1972 von der Defa produziert und mit Unterstützung von Filmgesellschaften Bulgariens und der Sowjetunion hergestellt. Die Revolution spielt sich hier vor Augen der Regierung ab – und die bekommt davon nichts mit, bis die Sache so gut wie gelaufen ist. Eine Gruppe junger Astronauten bereitet in geheimer Mission eine Expedition in die unerforschten Weiten des Weltalls vor, um dort auf andere Lebewesen zu treffen.

Diese hatten Jahrzehnte zuvor aus dem Lichtjahre entfernten Sternbild Cygnus Signale an die Erde gesendet, deren Dechiffrierung das Wort „Eolomea“ ergeben. Während damals die Technik noch nicht weit genug entwickelt war, ist es nun möglich, die Reise ins Ungewisse anzutreten – aber von offizieller Seite nicht gewollt. Denn die Weltgemeinschaft ist eine friedliche und hat sich im Kosmos gemütlich eingerichtet. Die eigenen Grenzen zu hinterfragen ist unerwünscht.

Zschoches Hauptfigur ist ein Revolutionär wider Willen: Der coole Raumfahrer Dan, mit lässigem Charme von dem Bulgaren Iwan Andonow gespielt und von Manfred Krug synchronisiert, hat Löcher in den Socken und immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Auf Arbeit langweilt Daniel Lagny sich zu Tode, denn er liebt die schöne Forscherin Maria und will sich mit ihr auf den sonnigen Galapagos-Inseln zur Ruhe setzen – im Film muss die bulgarische Schwarzmeerküste dafür herhalten. Die im vergangenen Jahr verstorbene Niederländerin Cox Habbema (1944–2016) verleiht der klugen Wissenschaftlerin Witz, Charme und vielseitige Talente. Doch aus dem schönen Traum, den Kameramann Günter Jaeuthe in wunderbar verkitschten Traumbildern in Szene setzt, wird leider nichts. Als die Mission schließlich umgesetzt wird, muss sich Dan entscheiden. Und gemäß den Regeln des Westernhelden verzichtet er natürlich auf den sicheren Hafen der Ehe und reitet dem Horizont – pardon, fliegt der nächsten Galaxie – entgegen.

Auch wenn die Spannung etwas zu wünschen übrig lässt und die Rolle „der Bösen“ erstaunlicherweise unbesetzt bleibt, ist „Eolomea“ sehenswert. Die Dialoge flutschen, Ausstattung und Kulisse sind einfallsreich. Zu entdecken sind: geodätische Kuppeln, psychedelische Felslandschaften, ein Roboter in Gewissensnöten (mit der Stimme von Carmen-Maja Antoni), Hedwig-Bollhagen-Geschirr neben Meißner Porzellan und ein rauschendes Kostümfest auf den Terrassen des Neuen Palais in Potsdam. Der Film, für den der Jazz-Musiker Günther Fischer die Musik komponierte, ist zugleich geradezu anrührend bieder und feiert dennoch durchaus überzeugend die Kraft des Eigenmächtigen.

Am Freitag, 19 Uhr, eröffnet der Film „Eolomea“ im Berliner Kino International die Retrospektive der Berlinale, die sich dem Science-Fiction-Film widmet. Regisseur und Drehbuchautor Herrmann Zschoche, der in Storkow (Oder-Spree) lebt, kehrt damit an den Ort zurück, an dem sein Film im September 1972 uraufgeführt wurde. Karten und Informationen unter www.berlinale.de

Von Tiziana Zugaro

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