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Kultur Der versperrte Blick auf den Sozialismus
Nachrichten Kultur Der versperrte Blick auf den Sozialismus
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15:24 24.10.2017
„Stehplätze – Störplätze“ von Kurt Buchwald. Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Potsdam

Die Kunst in der DDR sollte die Menschen eigentlich orientieren und nicht irritieren. Der Foto- und Aktionskünstler Kurt Buchwald, geboren 1953, stellte die öffentliche Ordnung mit eigenen Regeln und Gesetzen in Frage. Er dokumentierte seine Interventionen in Form von streng gerasterten Tableaus, die den Eindruck bürokratischer Korrektheit erwecken. Da Buchwald Polygraphische Technik an der TH Chemnitz studiert hatte, entwarf er die Plakate selbst und unterzeichnete sie mit dem Siegel „Amt für Wahrnehmungsstörung“ (AfW).

In der Serie „StehplätzeStörplätze“ verdeckt er mit seiner eigenen Gestalt häufig fotografierte Motive wie den Fernsehturm oder den Palast der Republik in der Hauptstadt der DDR. Links und rechts am Bildrand erkennt der Betrachter, dass hier mutwillig der Blick ins Schaufenster des Sozialismus versperrt wird. Die Aufnahmen nehmen ästhetisch die konspirativ angefertigten Observationsfotos der Staatssicherheit vorweg, die aber erst nach 1989 bekannt wurden

In der überreglementierten DDR, in der auch schon das Fotografieren von Bahnanlagen polizeiliche Maßnahmen nach sich zog, entwarf Buchwald ein sehr authentisch wirkendes Verbotsschild – ein rot durchgestrichener Fotoapparat im roten Kreis. Im Herbst 1988 stellte er dieses Piktogramm auf dem Roten Platz in Moskau auf.

Im Mai 1989 wurde er auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin festgenommen. Er hatte vor der Weltzeituhr auch noch entsprechende Flugblätter verteilt und auf diese Weise versucht, sich als Ordnungshüter bei den Touristen Autorität zu verschaffen. Nach einem dreistündigen Verhör wurde der Konzeptkünstler freigelassen. Seine Aktion Fotografieren verboten!“ setzte er auch nach 1989 in vielen Touristenzentren der Welt fort.

Von Karim Saab

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