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Kultur Die Caravaggio-Revolution im Museum Barberini in Potsdam
Nachrichten Kultur Die Caravaggio-Revolution im Museum Barberini in Potsdam
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18:57 11.07.2019
Giovanni Baglione: „Himmlische und irdische Liebe“. Seinen Konkurrenten Caravaggio hat er auf dem Bild in Ketten gelegt. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Barberini im Barberini. Das Vorbild des im 18. Jahrhundert von Friedrich dem Großen am Potsdamer Alten Markt errichteten Palais Barberini gibt sich die Ehre. 54 Meisterwerke des Barock aus den Nationalgalerien Barberini und Corsini in Rom sind bis Anfang Oktober im Potsdamer Museum Barberini zu sehen. „Wege des Barock“ zeigt, wie sich die europäische Barockmalerei unter dem Einfluss des Malergenies Michelangelo Merisi da Caravaggio entwickelte. Am Freitagabend wird die Schau eröffnet.

Der Machtanspruch der Barberini-Familie

Der Weg in die Ausstellung führt durch eine Lichtprojektion. Sechs Projektoren werfen das von Pietro da Cortonas angefertigte berühmte Deckengemälde aus dem Gran Salone des Palazzo Barberini an den Plafond des ersten Raumes in dem Potsdamer Museum. Es umfasst nur etwa ein Drittel der Fläche des Originals.

Und doch vermittelt es einen Eindruck von der Bombastik dieses Kunstwerkes – und von dem Machtanspruch der italienischen Adelsfamilie Barberini. Cortonas „Allegorie der göttlichen Vorsehung“ präsentiert neben den Tugenden die Papstkrone und die Schlüssel Petri. Eine klare Botschaft der Barberini an das Rom des 16. Jahrhunderts, wer seit der Wahl von Maffeo Barberini zum Papst Urban VIII. das Sagen hat.

Dieser Barberini-Papst brachte nicht nur einen Großteil seiner Familie in wichtigen Ämtern unter. Der literarisch gebildete Pontifex wollte der Welt auch zeigen, dass Rom von nun an das Zentrum der Hochkultur ist. Urban VIII. war einer der wichtigsten Kunstförderer seiner Zeit. Unter seiner Regie wurde nicht nur der Petersdom fertiggestellt. Urban hatte auch schon früh das Talent Caravaggios entdeckt.

Drei Wege führen nach Rom

Die Wege des Barock führen über drei Straßen nach Potsdam. Der erste verläuft durch die Barberini-Dynastie, der zweite durch die unmittelbar von Caravaggio beeinflusste Welt des italienischen Barock, der dritte nach Frankreich und Nordeuropa, um dessen Einflüsse auf die europäische Kunst zu ergründen. Hier werden Werke von Malern wie des Franzosen Simon Vouet oder des Niederländers Matthias Stom gezeigt.

Und als Zugabe zur Lieferung aus Rom in einer letzten Etappe zwei gerade neu restaurierte Werke der römischen Barockmalerin Artemisia Gentileschi. Friedrich der Große hatte diese Bilder seinerzeit für das Neue Palais in Potsdam gekauft. Eine kleine Sensation, sie nun sehen zu können, denn die beiden Gemälde hängen sonst an einem nicht zugänglichen Ort. Erstmals sind diese beiden Meisterwerke für drei Monate im Museum Barberini für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die Hauptstraße der Ausstellung führt freilich über Caravaggio. Zwar ist nur eines seiner Werke, der berühmte „Narziss“, in Potsdam zu sehen. Doch das millionenschwer versicherte Gemälde, das nur unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen nach Potsdam gelangte, ist der Ausgangspunkt, um zu zeigen, welchen Einfluss Caravaggio auf die europäische Malerei hatte.

Caravaggio als Ausgangspunkt

Caravaggio hat die Malerei revolutioniert“, sagt der italienische Kurator Michele Di Monte. Was er damit meint, ist am „Narziss“ in fast allen Aspekten zu erkennen. Caravaggio hat den selbstverliebten Jüngling genau in dem Augenblick abgebildet, in dem er im Begriff ist, sein Spiegelbild auf einer Wasserfläche zu liebkosen. Die Figur des vor der Wasserfläche Sitzenden, samt seines Spiegelbildes nimmt fast die gesamte Bildfläche ein. Der Betrachter sieht ihn aus einer extrem nahen, äußerst gewagten Perspektive, müsste er dafür doch bis zum Kinn im Wasser stehen.

So hatte vor Caravaggio noch keiner gemalt. Es ist ein brutaler Realismus mit drastischen Hell-Dunkel-Kontrasten. Caravaggio malte nach wirklichen Modellen, die er in Großaufnahme wie auf einer Bühne auf die Leinwand drapierte. Egal ob es christliche Ikonen waren oder das Personal antiker Mythen, er orientierte sich in seiner Darstellungsweise an den ganz gewöhnlichen Leute des Alltags.

>> Lesen Sie dazu auch: Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen – So kam Caravaggios „Narziss“ nach Potsdam

In der Potsdamer Ausstellung ist all das zu erleben. „Wir wollen die Wege zeigen, die die Maler damals aus ganz Europa nach Rom geführt haben und die Wege der Kunst von Rom in die Welt“, sagt Kuratorin Inés Richter-Musso. Das geschieht in mehreren Etappen. Zunächst in der unmittelbaren Nähe Caravaggios, wo Malerkollegen auf seine neuen Art zu malen reagierten.

So antwortete etwa Giovanni Baglione in seinem Bild „Himmlische und irdische Liebe“ indirekt auf Caravaggios brutalen Realismus der wirklichen Leute, in dem er Amor vom Himmel zwischen zwei Liebende fahren lässt und den Liebhaber, der die Gesichtszüge Caravaggios trägt in Ketten legt. Trotz inhaltlicher Kritik trägt dieses Werk mit seinen grellen Kontrasten und den wilden Gesichtszügen des Liebhabers eindeutig Einflüsse Caravaggios.

Ein drogenabhängiger Gott

Noch deutlicher und ganz direkt: Bartolomeo Manfredis „Bacchus und ein Zecher“. Menschlicher und drogenabhängiger kann man den Gott des Weines und des Rausches , der sich verführerisch zu seinem weltlichen Gegenüber hin beugt, wohl kaum darstellen. Manfredis gewagte, bei Caravaggio abgeschaute Bildkompositionen hatten später Einfluss auf zahlreiche Maler in Frankreich und Nordeuropa.

Barberini in Rom und Potsdam

Der Palazzo Barberini in Rom war Vorbild für das Palais Barberini, das in den 70er-Jahren des 18. Jahrhunderts im Auftrag Friedrichs des Großen am Alten Markt in Potsdam errichtet wurde.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört. Der Kunstmäzen und Multimilliardär Hasso Plattner finanzierte einen Neubau. Als Museum wurde er 2017 eröffnet.

Die Ausstellung „Wege des Barock“ zeigt Leihgaben aus den Galerien Barberini und Corsini in Rom.

Wege des Barock. Die Nationalgalerien Barberini und Corsini in Rom. Ab 13. Juli im Museum Barberini, Am Alten Markt in Potsdam. Mi-Mo, 10-19 Uhr. Bis 6. Oktober

Caravaggio wurde bald von Kollegen in ganz Italien goutiert. Vor allem in Neapel, wohin der gehypte Künstler nach einer Prügelei und anschließender Verbannung aus Rom emigrieren musste, setzen sich ganz unchristliche Themen durch. In der damals zum spanische Königreich gehörenden Stadt begannen Künstler wie Jusepe de Ribera, Luca Giordano oder Battistello Caracciolo christliche Heilige und antike Helden nach Caravaggios Vorbild wie alltägliche Menschen darzustellen. Besonders bemerkenswert in der Ausstellung ist das Bild eines namentlich nicht bekannten Malers aus Neapel, der einen ganz gewöhnlichen Fischverkäufer zeigt, wie der gerade einen Rochen filetiert. Provozierend blickt er dem Betrachter in die Augen und droht ihm mit einem großen Messer. Das ist die Gewalt der Straße, die auch Caravaggio gut kannte.

Gefühle als Instrument der Gegenreformation

Für den Aufruf zu Aufruhr und Revolte waren die Bilder Caravaggios und seiner Nachfolger trotzdem in den seltensten Fällen geeignet. Caravaggios Malerei setzte zwar auf große Gefühle, doch im Zeitalter der Religionskriege wusste die Gegenreformation diese Art der Darstellung für ihre Interessen zu nutzen. Die neue Kraft der Kunst verhalf mit religiösen Bildern zu einer neuen Frömmigkeit im Volk. Der Pomp des Barock war die katholische Antwort auf die protestantische Arbeitsethik.

Von Mathias Richter

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