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Kultur Barberini-Chefin favorisiert große Namen
Nachrichten Kultur Barberini-Chefin favorisiert große Namen
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17:42 12.11.2018
Ortrud Westheider, die Direktorin des Museum Barberini in Potsdam, im Gespräch mit MAZ-Redakteur Mathias Richter. Quelle: Detlev Scheerbarth
Potsdam

Die spektakuläre Gerhard-Richter-Schau ist abgebaut. Am Freitag öffnet im Potsdamer Museum Barberini eine Ausstellung über den französischen Neoimpressionisten Henri-Edmond Cross.

Zum Auftakt mit den Impressionisten Anfang 2017 kamen rund 300 000 Besucher, die gerade beendete Gerhard Richter-Ausstellung brachte es auf mehr als 150 000 Besucher. Ist das Museum Barberini auf dem Weg zu einem Block-Buster-Museum?

Ortrud Westheider: Wir nehmen uns mit Picasso und Van Gogh im nächsten und Monet im übernächsten Jahr die klassischen Themen vor. Wichtig ist uns dabei, dass wir immer einen neuen Aspekt herausarbeiten.

Picasso, Van Gogh, Caravaggio – Sie suchen sich die großen Namen aus. Lautet das Credo allseits Bekanntes für ein möglichst breites Publikum?

Wir wollen die ganze Kunstgeschichte zeigen – und möglichst unterschiedliche Aspekte. Eine Ausstellung über Stillleben bei Van Gogh hat es noch nicht gegeben. Auch möchten wir für das Museum Barberini wichtige Partner gewinnen. Ausgangspunkt ist der Schwerpunkt der Sammlung unseres Stifters Hasso Plattner: der französische Impressionismus. Bei der Cross-Ausstellung arbeiten wir mit dem Musée des Impressionnismes in Giverny und dem Musée d’Orsay in Paris zusammen. Bei der Barock-Ausstellung erhalten wir über 50 Gemälde aus den weltberühmten Sammlungen des Palazzo Barberini in Rom – darunter ein Meisterwerk von Caravaggio.

Gerhard Richter ist auch ein großer Name – aber für Laien kein einfacher Künstler. Wie erklären Sie sich den Run auf die Ausstellung?

Wir haben versucht, unserem Publikum die Kunst von Gerhard Richter unter dem Thema der Abstraktion zu vermitteln. Die Besucherinnen haben sich auf Richters Purismus und die Schönheit der Malerei eingelassen. Ergänzt durch ein umfangreiches Vermittlungsprogramm mit über 1200 Führungen, darunter Workshops für Kinder, Jugendliche und Familien, konnten wir so viele für Richters Kunst begeistern. Die Resonanz war überwältigend: Viele haben uns geschrieben, wie inspirierend und einfach schön die Kunst präsentiert war.

Mit Henri-Edmond Cross haben Sie wieder einen Impressionisten bzw. Neoimpressionisten, der aber wenig bekannt ist. Wie kamen Sie auf Cross?

Wir haben ein Aquarell von Henri-Edmond Cross in der Sammlung. Es war für uns sehr reizvoll, zusammen mit dem Museum in Giverny diese Ausstellung zu realisieren – übrigens die erste Retrospektive in Deutschland. Cross war einer der großen Pioniere der Malerei des 20. Jahrhunderts. Seine frühe Rezeption in Deutschland war für uns ein entscheidender Aspekt bei der Umsetzung dieses Projekts. Viele Werke, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in deutschem Besitz befanden oder auf Ausstellungen in Deutschland gezeigt wurden, kehren nun im Rahmen der Retrospektive hierher zurück.

Die Neoimpressionisten bzw. Pointilisten, wie sie auch genannt werden, sind in der Kunstgeschichte nicht so wahnsinnig hoch angesehen. Was ist an Cross so spannend?

Cross hat die Malweise der Pointilisten mitentwickelt. Er war mit Signac und Seurat eng befreundet. Die utopischen Ideale dieser Gruppe gilt es wiederzuentdecken: Die Landschaft des Mittelmeers inspirierte sie zur utopischen Idee eines hierarchielosen Zusammenlebens.

Cross war Anarchist. Die politische Utopie von einem herrschaftsfreien Paradies auf Erden ist aber derzeit nicht gerade angesagt.

Wir verstehen heute unter Anarchismus eher etwas Zerstörerisches, Aggressives. So wurde Anarchismus in diesem Kreis überhaupt nicht aufgefasst. Cross und seinen Freunden ging es um Harmonie, den Ausgleich von Mensch und Natur. Ist dies nicht ein ganz aktuelles Thema?

Was fasziniert ästhetisch an Cross?

Dieses Flirren der Farben in seinen Bildern. Cross‘ Werke sind sehr frei und sehr, sehr lichthaltig. Ich denke, er hat aus dem Pointilismus eine schillernde Kunst gemacht.

Zur Person

Ortrud Westheider ist die Direktorin des im Januar 2017 in Potsdam eröffneten Museums Barberini.

Die Kunsthistorikerin, die über die Farbe Schwarz bei Max Beckmann promoviert hat, war zuvor von 2002 an Kuratorin am Bucerius Kunst Forum in Hamburg und von 2006 an dessen Leiterin. Seit 2016 leitet sie das Museum Barberini.

Das Museum Barberini beherbergt die Kunstsammlung der Hasso-Plattner-Förderstiftung. Der Software-Unternehmer und Kunstmäzen hatte den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Museumsgebäudes finanziert.

Die Ausstellung „Farbe und Licht. Der Neoimpressionist Henri-Edmond Cross“ zeigt eine Retrospektive des französischen Malers. Die Schau wird am kommenden Freitag eröffnet.

Gibt es noch andere, weniger bekannte Künstler, die Sie gerne in Potsdam zeigen würden?

In unserer Sammlung zur Kunst in der DDR gibt es wichtige Positionen, die heute nicht mehr so bekannt sind. Wir werden parallel zur Cross-Ausstellung Aspekte des Malerischen mit vier Künstlerinnen und Künstlern zeigen: zwei bekannte Namen – Hartwig Ebersbach und Stefan Plenkers – und zwei weniger bekannte: Erika Stürmer-Alex und Günter Firit. Im Laufe des Jahres werden weitere thematische Präsentationen hinzukommen. Im Herbst 2019 werden dann alle Werke unseres Sammlungsschwerpunkts Kunst in der DDR zu sehen sein.

Und was ist an großen Projekten geplant?

Als nächstes „Picasso. Das späte Werk“. Da werden wir in Zusammenarbeit mit Catherine Hutin, der Tochter von Picassos letzter Frau, Werke aus der Sammlung Jacqueline Picasso zeigen, von denen bis auf fünf noch keines in Deutschland jemals zu sehen war. Unter den 132 Werken sind einige, die überhaupt noch nie ausgestellt wurden. Man kennt diese Werke nur von den berühmten Fotos, die Fotografen wie Edward Quinn und Duncan Douglas in Picassos Atelier aufgenommen haben.

Picasso war ein politischer Künstler. Vergangene Woche haben Kultureinrichtungen in mehreren Bundesländern eine Erklärung der Vielen gegen Rechtspopulismus verabschiedet. Wie steht das Museum Barberini dazu?

Wir begrüßen dies. Ein Museum und Kultur sind per se gegen Rechtspopulismus. Mit unserem vielfältigen, internationalen Programm bieten wir den Besucherinnen und Besuchern jeden Tag ein offenes Forum für Diskussionen und für einen respektvollen Umgang. Wir möchten dazu beitragen, das individuelle Urteil zu schärfen und die Offenheit, Neugier und Freiheit, die uns die Künstler und Kunst vorleben, zu vermitteln.

Von Mathias Richter

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