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Kultur Götter des Olymp in Potsdam
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18:05 25.01.2019
Aufmarsch der Götter: Das Museum Barberini zeigt Werke aus der Dresdner Skulpturensammlung. Quelle: Helge Mundt/Barberini
Potsdam

Hermes wirkt irgendwie nachdenklich. Scheinbar abwesend schaut er zu Boden. Überlebensgroß steht der griechische Schutzgott der Reisenden und der Kaufleute im zweiten Obergeschoss des Potsdamer Museums Barberini auf einen Sockel. Ein wohlgeformtes Muskelpaket, fast nackt, den Umhang lässig über die Schulter geworfen, den Daumen der rechten Hand cool auf die Hüfte gelegt. Die linke Hand ist abgebrochen. Kein Wunder: die 2,15 Meter große Marmorstatue ist rund 2000 Jahre alt.

Männer mit stählernen Six-Packs

Hermes ist nicht allein nach Potsdam gekommen. Fast der komplette Olymp ist vertreten und verwandeln das Museum am Potsdamer Alten Markt in eine göttliche Ahnengalerie. Alle stehen sie da und lassen die Besucher zu sich aufblicken. Vor Kraft strotzende Männer mit stählernen Six-Packs. Wunderschöne Frauen, im Gegensatz zu den Männern gelegentlich auch etwas mehr bekleidet. „Edle Einfalt und stille Größe“ hatte der Griechen-Fan Johann Joachim Winckelmann im 18. Jahrhundert geschwärmt und mit seinem Bonmots den Antike-Boom der Weimarer Klassik ausgelöst. Goethe, Schiller, Herder – alle standen drauf. Und in der Tat, es ist ein erhebendes Gefühl, vor diesen Monumenten der europäischen Geschichte zu stehen.

Vor allem Statuen, aber auch Statuetten, Reliefe und Trinkgefäße aus der Antike sind derzeit im Museum Barberini zu sehen. Ein kleiner Einblick in die Welt der Götter.

Es sind freilich keine Griechen, die im Barberini zu sehen sind. Die Statuen sind allesamt Kopien, die von den Römern gemacht wurden, als dort damals das Griechen-Fieber ausgebrochen war. Denn die alten Griechen haben es immer wieder geschafft, ästhetisch zu überzeugen. Das nächste Mal in der italienischen Renaissance. Später wurden sie für die Klassik das Maß aller Dinge. Aber auch heute noch überzeugen diese Figuren auf wundersame Weise.

In Dresden wird derzeit gebaut

Es sind ausschließlich Stücke aus der antiken Skulpturensammlung in Dresden, die dort wegen Bauarbeiten derzeit nicht wirklich gezeigt werden können, die in Potsdam zu sehen sind. Mit „Götter des Olymps“ ist die von den Dresdnerinnen Kordelia Knoll und Saskia Wetzig zusammen mit dem Potsdamer Micheal Philipp kuratierte Ausstellung überschrieben.

Aphrodite ist die Schönste

Und da stehen sie nun. Der Götterbote Hermes, die schöne Aphrodite, die gerade ein Bad nehmen will, das Kleid schon auf einer Vase abgelegt hat, sich aber offensichtlich beobachtet fühlt und ihre Blöße mit beiden Händen zu bedecken sucht. Ares neigt den Blick zu Boden. Athene wundert sowieso nichts mehr. Nur Zeus interessiert das alles irgendwie gar nicht. Mit breiter Brust steht dieser Berg von einem Mann da, hat alles im Blick und sieht aus als wolle er sagen: „Mir kann sowieso keiner.“

Menschliches und Übermenschliches

Und einem richtigen Gott kann ja auch keiner. Nur die griechischen Gottheiten hatten eben doch trotz ihrer Übermenschlichkeit etwas Menschliches an sich. Auch wenn sie zum Teil auf seltsame Weise zur Welt gekommen waren. So soll etwa Aphrodite, die Göttin der Schönheit und der Liebe aus dem Meer entstiegen sein, nachdem Uranos das Geschlechtsteil abgeschnitten und es ins Meer geworfen worden war. Und Athene soll aus dem Kopf des Zeus entsprungen sein – eine wahre Kopfgeburt also. Trotzdem: diese Götter hatten Stärken und Schwächen, zankten sich und waren insofern dann wieder allzumenschlich.

Sturzbetrunken auf dem Maulesel

Dass sie auch mal Dummheiten machen ist sehr schön auf einem Trinkgefäß aus dem 6. Jahrhundert vor Christi zu sehen. Der abgebildete Hephaistos, der Gott des Feuers, ist offensichtlich sturzbetrunken und sitzt ziemlich ausgelassen auf einen Mautier. Es ist ausgerechnet Dionysos, der Gott des Weines, der ihm den Weg nach hause in den Olymp zeigt.

Älteste Sammlung außerhalb Italiens

Die Dresdner Skulpturensammlung ist eine der größten und ältesten Antikensammlungen außerhalb Italiens. Sie gehört zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und enthält Bildhauerwerke aus fünf Jahrtausenden.

Das Museum Barberini in Potsdam zeigt derzeit in drei Räumen des Obergeschosses ausgewählte Exemplare dieser Sammlung. Darunter sind neben berühmten Marmorstatuen wie etwa dem „Dresdner Zeus“, Marmorbüsten und -reliefs, sowie zahlreiche bronzene Statuetten und Keramikgefäße.

Götter des Olymp. Aus der Dresdner Skulpturensammlung. Museum Barberini. Potsdam, Am Alten Markt. Mi-Mo, 10-19 Uhr. Eintritt 14 Euro/10 Euro. Bis 17. Februar.

Solche Typen wurden im antiken Griechenland trotzdem gefürchtet und verehrt. In Skulpturen nachgebildet waren sie im öffentlichen Raum allgegenwärtig. Mit der Eroberung des Peloponnes im 2. Jahrhundert vor Christus durch die Römer kamen sie nach Italien und wurden dort fleißig kopiert.

Hermes kehrt nach Potsdam zurück

Die Dresdner Antikensammlung ist eine der größten und ältesten außerhalb Italiens. Vor allem zu Zeiten Augusts des Starken wurde sie zu nach italienischen Vorbild ausgebaut indem europaweit eingekauft wurde, was an antiken Kunstwerken zu kriegen war. So erwarb der sächsische Kurfürst in den 20er-Jahren des 18. Jahrhunderts eine Büste des Ares und einen Hermes-Kopf von Preußens Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm I. Die beiden Stücke aus dessen Brandenburgischer Sammlung bildeten damals den Grundstock für Augusts Skulpturen-Kollektion. Beide Exponate sind im Barberini zu sehen.

Von Mathias Richter

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