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Kultur Die Havelländischen Musikfestspiele begrüßen Kurt Leister
Nachrichten Kultur Die Havelländischen Musikfestspiele begrüßen Kurt Leister
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18:13 04.10.2018
Der Klarinettist Kurt Leister. Quelle: Nicolas Roux Dit Buisson
Ribbeck

Es gibt Menschen, die ziehen sich jetzt einen Wollpullover an und sind der Überzeugung, die Messe sei gesungen. Weil es kalt wird und die Festivals sich auf den nächsten Sommer vertagen. Aber ist das wahr? Guido Böhm hat etwas anderes zu erzählen. Von einem Festival, das durchmacht, auch den Oktober, November, Dezember –die Zeit, in der die meisten Menschen ihre Häuslichkeit entdecken und vermuten, bis zum Weihnachtsmarkt gebe es keinen Grund mehr, vor die Tür zu gehen.

Die Havelländischen Musikfestspiele strecken sich über das ganze Jahr, Guido Böhm, 40 Jahre alt, ist in diesem Jahr an maßgeblicher Stelle ins Führungsteam gerückt. Er kümmert sich um Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit, Böhm wohnt in Caputh am Schwielowsee (Potsdam-Mittelmark). Die Lust am Leben auf dem Dorf lagert sich schnell in seinen Sätzen ab: „Neulich hatten wir Bertrand Giraud, mitten auf dem Land!“ Es klingt wie die Beobachtung eines Vogelkundlers, der einen Papagei in unerwartetem Gebiet entdeckt. Giraud ist ein Pianist aus Frankreich, der die größten Säle kennt – Schloss Ziethen, wo er Chopin, Liszt und Debussy spielte, ist wiederum ein Kleinod, das sich einen Namen durch sein barockes Treppenhaus gemacht hat – und nun als Bühne eines Weltstars.

Konzerte bis Jahresende

Die Havelländischen Musikfestspiele präsentieren an diesem Sonntag den Klarinettisten Kurt Leister auf Schloss Klessen um 16 Uhr, auf dem Programm stehen Werke von Mendelssohn, Crusell und Schumann. Karten unter 033237/85963.

Die Geschichten von Astrid Lindgren werden am 4. November vom Kammerorchester „Unter den Linden“ auf dem Landgut Stober um 16 Uhr musikalisch interpretiert. Karten in der MAZ-Ticketeria unter 0331/2840284.

Das weihnachtliche Abschlusskonzert wird am 22. Dezember auf Schloss Ribbeck gegeben, das Brandenburgische Streichquartett ist zu Gast und spielt ab 16 Uhr festliche Musik. Karten in der MAZ-Ticketeria unter 0331/2840284.

Weitere Konzerte unter www.havellaendische-musikfestspiele.de

An diesem Sonntag kommt ein weiteres Großkaliber auf die havelländische Bühne, diesesmal auf jene vom Schloss Klessen. Der Klarinettist Karl Leister spielt Stücke von Mendelssohn, Crusell und Schumann. Leister war Solist unter Karajan bei den Berliner Philharmonikern, auch dies unterstreicht, dass die Festspiele zur ersten Liga zählen. Zählen müssen. Denn die Konkurrenz in Brandenburg ist groß, was Guido Böhm indessen nicht dramatisieren möchte: „Die Brandenburgischen Sommerkonzerte findet man landesweit, nicht nur im Havelland, die Potsdamer Musikfestspiele Sanssouci konzentrierten sich auf ein paar Sommerwochen, wenn wir Urlaub haben.“ Das alles vertrage sich gut, was nichts daran ändert, dass die Havelländer ihr Publikum erweitern wollen: „Wir setzen auch auf populäre Auftritte, in diesem Jahr kam die Chanteuse Anna Depenbusch nach Ribbeck, auch für das kommende Jahr haben wir etwas aus dem Popbereich geplant.“ Präziser möchte er es im Moment nicht benennen.

Ribbeck wird auch 2019 die Herzkammer des Festivals bleiben, denn wenn es einen Ort in Deutschland gibt, der sich vor dem Jubilar Fontane nicht wegducken kann, dann ist das eben Ribbeck. Die Gegend, wo der Birnbaum, die „Lütt Dirn“ und Fontanes Gedicht, das zum geflügelten Wort geworden ist, zu Hause sind. Fontanes 200. Geburtstag wird im kommenden Jahr gefeiert, Ribbeck als Heimatort der Havelländischen Musikfestspiele liegt im Kerngebiet der großen Party. Doch wie soll man sie bespielen? Guido Böhm ist sich bewusst, dass nicht jeder mit Freuden an Fontane denkt, weil die Erinnerung an die Schulzeit, wo der Autor oft zum letzten Mal auftauchte, nicht immer Grund zur Freude bereitet. Böhm hatte kurz überlegt: „Sollen wir überhaupt noch was machen?“ Aber natürlich machen sie’s.

Gab es überhaupt Musik bei Fontane?

Kann man Fontane und die Musik, den Kern der Festspiele im Havelland, überhaupt verbinden? Der Schriftsteller sagte von sich: „Ich bin unmusikalisch.“ Er sollte ein Opernlibretto schreiben – doch das hat er abgelehnt. Es gibt gerade mal eine Dissertation zu Fontane und der Musik, erschienen 1990, da ist Guido Böhm, der selbst über die „Faust“-Inszenierungen in der DDR promoviert hat, im Bilde. Fontane und Musik, das ist kein ganz so „weites Feld“, um eine Lieblingswendung des Schriftstellers zu nehmen. Fontane lebte in einer Zeit des Wagner-Kults, ihm selbst war das zuwider. Wagner wollte Rausch, Fontane wollte die Differenzierung und den Einsatz des Verstandes. Er setzte das rationale Wort gegen Wagners Ekstase.

Guido Böhm und die Kollegen der Festspiele haben Passagen in Fontanes Büchern untersucht, in denen es um Musik geht. Bei „Frau Jenny Treibel“ gibt es einen Opernsänger, im „Stechlin“ taucht ein Musikprofessor auf. Diese Stellen wurden beleuchtet, sie drehen sich um Komponisten wie Chopin, Mozart und eben Wagner. Deren Werke werden 2019 in musikalischen Reihen vorgestellt. Hinzu kommen Balladen, die schon zu Fontanes Lebzeiten als romantische Kunstlieder vertont wurden. Auch sie werden im Havelland zu hören sein, denn dies war Fontanes Herzensgegend: „Und Gruß dir, wo die Wiege stand, geliebte Heimat, Havelland!“, schrieb der Dichter in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Seine Heimat wird sich bemühen, ihm ein gutes Wiegenlied zu singen.

Von Lars Grote

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