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Kultur Die Künstlerinnengruppe Endmoräne gastiert in Rüdersdorf
Nachrichten Kultur Die Künstlerinnengruppe Endmoräne gastiert in Rüdersdorf
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18:08 21.06.2019
Wenn der Wind am Stienitzsee bei Rüdersdorf richtig steht, beginnen die Hörner von Kerstin Ergenzinger zu singen. Quelle: Julian Michael Klein
Rüdersdorf

Die Idylle hat etwas Befremdliches. An dem leicht morbiden Charme der alten Turbinenhalle am Stienitzsee in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) stimmt irgendetwas nicht. Nicht nur, weil von dem Backsteingebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert auf der einen Seite nur noch die Kellerfundamente stehen. Seit einigen Tagen sind an der Fassade zwei große Symbole angebracht: ein Plus und ein Minus, wie die beiden Spannungspole einer Batterie.

Eröffnung am Sonnabend

Und in der Tat, die längst stillgelegte Turbinenhalle steht unter Spannung – besser gesagt: Unter Strom. 24 Künstlerinnen haben seit zwei Wochen in und an dem Gebäude gewerkelt. Es sind Mitglieder und Gäste der Künstlerinnengruppe Endmoräne, die jedes Jahr an einen anderen Ort in Brandenburg für kurze Zeit ein Bauwerk mit Werken zeitgenössischer Kunst bespielt. Diesmal in Rüdersdorf. Diesmal unter dem Titel „Unter Strom“. Am Sonnabend wird die Ausstellung eröffnet.

Die Künstlerinnengruppe Endmoräne hat die alte Turbinenhalle in Rüdersdorf wieder „unter Strom“ gesetzt. Dort sind zwei Wochen lang Werke zeitgenössischer Kunst zu sehen. Die MAZ zeigt eine kleine Auswahl.

Das Thema ist gut gewählt. Nicht nur weil die alte Turbinenhalle einmal das nahe gelegene Ziegelwerk mit Strom versorgte. Der ehemalige schwedische Tennisstar Hendrik Sündström hat die Ruine im Rüdersddorfer Ortsteil Hennickendorf, die zu DDR-Zeiten der Defa für Dreharbeiten diente, vor Jahren gekauft, um sie zu einem Kulturzentrum umzubauen. Mittlerweile finden dort Konzerte und kleinere Festivals statt – und nun eben die Endmoräne-Schau.

Gut gewählt ist das Thema auch, weil Deutschland derzeit nun wirklich unter Strom steht. Politisch, weil Klimawandel und Energiewende heiß debattiert werden. Gesellschaftlich, weil der Alltag der Menschen sich immer mehr beschleunigt. Burnouts sind an der Tagesordnung. Die von der Berliner Künstlerin Patricia Pisani angebrachten Plus-Minus-Zeichen deuten auf die Spannung hin, der sich viele Menschen ausgesetzt fühlen.

Ausstieg und Meditation

Die Endmoräne-Frauen haben wohl deshalb mehrheitlich den Rückzug aus dem Trubel des modernen Daseins gewählt. Die meisten der gezeigten Arbeiten befinden sich im Untergrund der Turbinenhalle – in den dunklen feuchten Kelleranlage. Und haben durchgängig etwas Meditatives. Die Japanerin Makso Iso lässt einen Stein, der freilich aus Papier gefertigt ist, auf feine Fäden gestützt, durch die Luft schweben. Die Installationskünstlerin Barbara Müller zeigt ein Doppelvideo von sich, wie sie jeweils ein Ei kocht, aufschlägt und isst. Zweimal dieselbe Szene, zweimal nach den selben zeitlichen Vorgaben inszeniert und trotzdem nie synchron. Menschliches Handeln lässt sich eben nicht einem festen Takt unterwerfen. Und Gisela Genthner entführt in den Tunnel, durch den die Stromleitungen einst zum Ziegelwerk führten. Ganz am Ende sind wundersame Reflexionen zu erkennen. Ansonsten nichts. Dunkelheit und Stille. Der richtige Ort zum Abschalten.

Oder Antje Scholz. „Cloud“ heißt die Arbeit der Textilkünstlerin aus Letschin (Märkisch-Oderland). Feine Fäden hat sie von der Kellerdecke heruntergespannt. Sie reflektieren das minimale Licht in den Industriekatakomben, so dass die Konstruktion wirkt, als wären goldene Saiten einer Harfe zu sehen. Kurz vor dem Boden laufen sie aus, zerfasern, der Lichtstrahl endet im Nichts. „Am Ende bleibt nur Müll und vernutzte Energie“, kommentiert Scholz ihre Installation.

KA Bomhardts Weltuntergang

Noch düsterer die Anordnung von KA Bomhardt. Neben verrosteten Druckkesseln, Öfen und Rohrleitungen zeigt sie im Video das naive Bild einer Dorfidylle. Dazu erklingen kinderliedähnliche Melodien wie aus der Augsburger Puppenkiste. Doch langsam steigt der Fluss, der erste Schornstein kippt und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Am Ende tropfen tiefschwarze Dreckspuren über das Bild. „Es ist so böse, so sarkastisch“, gibt die Künstlerin zu. Aber bei so viel Ignoranz über den Zustand der Welt sei ihr nichts Nettes eingefallen. Das Video trägt den Untertitel: „Die Rache der Natur im kleinen Dorf am Strom.“

Die Frauen von Endmoräne

Die Künstlerinnengruppe Endmoräne wurde 1991 gegründet und besteht aus 23 Künstlerinnen aus Berlin und Brandenburg.

An der Ausstellung in Rüdersdorf sind die meisten aus der Künstlerinnengruppe vertreten. Zusätzlich sind diesmal vier Gäste dabei.

Unter Strom. Turbinenhalle am Stienitzsee Rüdersdorf, Ortsteil Hennickendorf, Berliner Str. 13a. Sa/So, von 13-18 Uhr. Bis 7. Juli

Bei so viel Zivilisationskritik zieht es den Besucher doch schnell ans Licht. Draußen leuchten an einigen der zugemauerten Fenster der Turbinenhalle grellgelbe geometrische Formen auf schwarzem Grund. Gelb ist die Signalfarbe für Strom, womit vor Jahren ein Billiganbieter den liberalisierten Strommarkt aufrollen wollte. Die gelben Flächen sind unregelmäßig angeordnet und wirken, als würden sie in den Fenstern schweben. „Störfrequenz“ hat Angela Lubic ihre Arbeit genannt – noch eine Irritation an der Fassade.

Singende Hörner am Seeufer

Wenn der Wind richtig steht, ertönen vom See her sphärische Obertonklänge. Zwischen den Bäumen am Ufer hat Kerstin Ergenzinger sieben String Drums auf Saiten gespannt. Es handelt sich um Metallrohre, die durch Trichter aus Glasfaser dazu gebracht werden, dass sie die Schwingungen der Saiten hören lassen. Jedes der aufgereihten Hörner hat eine andere Frequenz. „Durch die Übertragung der Energie des Windes fangen die Hörner an zu singen“, freut sich Ergenzinger. Erneuerbare Energien sind eben nicht nur umweltschonend, sie können sogar ästhetisch sein.

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