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Kultur Kreuzfahrer von heute in der Welt des Konsums
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00:57 19.11.2014
Jon-Kaare Koppe als Vater. Vor ihm die Bildprojektion seiner Tochter auf transparenter Gaze. Quelle: HL Böhme

Es ist das erste Mal, dass Tobias Wellemeyer eine Inszenierung von sich nicht im großen Theaterhaus anberaumt, sondern auf der Studiobühne. In der Reithalle dürfe auch mal was danebengehen, hat der Intendant des Potsdamer Hans-Otto-Theaters einmal gesagt. Ist es aber nicht. Die Uraufführung von „Das permanente Wanken und Schwanken von eigentlich allem“, die seit Freitag im Spielplan steht, erwies sich als sorgfältig ausgearbeitetes Bühnenereignis.

Inspiration auf der Kreuzfahrt

Als Textgrundlage dienen drei „Wassererzählungen“, die John von Düffel Anfang des Jahres publiziert hat. Der Potsdamer Schriftsteller verrät im Programmheft, dass er selber einmal eine Touristen-Kreuzfahrt mit einem dieser schwimmenden Konsumtempel mitgemacht habe. An Bord „gab es ein Schwimmbecken, in dem ich als Einziger täglich geschwommen bin.“ Um das Becken herum standen „cocktailtrinkende Passagiere, die mein Schwimmen kommentierten“. Das brachte ihn auf eine seltsame Idee.

Er malte sich ein Traumhaus aus. Der stolze Bewohner blickt hier durch Panoramascheiben in ein Gebirge und darunter in einen Pool. Um den Traum des japanischen Stararchitekten mit Leben zu erfüllen, müsste in dem Becken regelmäßig eine schöne Frau splitternackt ihre Bahnen ziehen.

Tun wir für Geld alles?

Mittelteil des Theaterabends ist der rasante Dialog zweier zum Verwechseln ähnlicher Schaufensterpüppchen, die über dem Badeanzug einen schicken Mantel tragen. Die eine ist die Vorschwimmerin, die diesen Job gegen üppige Bezahlung täglich zwei mal 55 Minuten absolviert hat (Christiane Hagedorn). Die andere (Patrizia Carlucci) die von ihr umworbene Nachfolgerin, die energisch ihre Zweifel anmeldet, weil sie Prostitution befürchtet und dem Arbeitgeber das Schlimmste unterstellt.

Tun wir für Geld alles? Durchkreuzt unsere dreckige Fantasie auch jede unschuldige Idee? Bringt sich der manipulierte Mensch um die heilende Wirkung der Schönheit? In einem rhythmisierten, schnellen Tempo werden viele Fragen und Antworten vorgebracht. „Ich will einfach nur schwimmen, um mich zu läutern“, versichert die Ältere und wird einmal so wütend, dass sie der Jüngeren mit ihrem Absatzschuh ins Ohr sticht.

Detailreiche Lebensbeichte

Nach diesem Pingpong der Argumente hat die Schauspielerin Marianna Linden keinen leichten Stand. Doch ihr gelingt es zum Schluss mit viel Verve, auch noch Aufmerksamkeit für eine detailreiche Lebensbeichte herzustellen. Sie mimt eine gestandene Personalchefin, die sich mit einem unsichtbar bleibenden Liebhaber vor einem Zoo-Aquarium tritt.

Hätte man nicht ihre Geschichte auch auf ein Kreuzfahrtschiff verlagern können? So muss der mehrmals unterbrochene Monolog eines Vaters für einen roten, dramaturgischen Faden sorgen, der als Kreuzfahrer von heute mit seiner Tochter an Eisbergen vorbeifährt und sich viel Frust von der Seele telefoniert. Jon-Kaare Koppe verleiht der zivilisationskritischen Seher-Figur bodenständigen Witz und handfesten Furor.

Dass die zwei Monologe und der eine Dialog auch auf der Bühne ihre Wirkung entfalten, liegt an den fünf starken, gut geführten Schauspielern, von denen nur zwei dem Ensemble angehören. Das Bühnenbild besteht eigentlich nur aus einem recht pfiffigen, breit gefassten Rahmen (Alexander Wolf). Bildprojektionen – zum Teil auf transparenten Gazen – verleihen dem Raum dahinter Tiefenschärfe und ein Gesicht.

Von Karim Saab

Regisseur und Autor

Tobias Wellemeyer führt seit 2009 das Potsdamer Hans-Otto-Theater als Intendant. Er wurde 1961 geboren. Sein größter Erfolg in Potsdam sowohl beim Publikum wie auch bei der Kritik war die Inszenierung „Der Turm“. Der Roman von Uwe Tellkamp wurde ebenfalls von John von Düffel für die Bühne bearbeitet.

John von Düffel , 1966 in Göttingen geboren, lebt in Potsdam. 1998 debütierte er mit dem Roman „Vom Wasser“ und publiziert seither regelmäßig Prosa. Er arbeitet als Dramaturg für das Deutsche Theater in Berlin.

Nächste Aufführung: 22. 11., 19.30 Uhr, Reithalle, Schiffbauergasse, Potsdam. Karten unter Tel. 0331/981 18.

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